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Lange Leitung? Nur 40 Prozent der Saarländer haben schnellen Internetzugang

Saarbrücken. Bloß 40 Prozent der Bevölkerung, weniger als in jedem anderen Bundesland, gehen laut der „Nonliner“-Studie des Marktforschungs-Instituts TNS Infratest im Saarland über einen schnellen Breitbandzugang ins Internet. Während die Zahl der Internet-Nutzer insgesamt im Saarland in den vergangenen Jahren noch überdurchschnittlich gestiegen ist, kann die Versorgung mit schnellen Internetzugängen bei diesem Aufschwung bisher offenbar nicht mithalten.

Alternativen zum klassischen Breitband-Zugang

Die Gründe dafür scheinen komplex: So sind zunächst einmal schon präzise Aussagen zur reinen, technischen Verfügbarkeit von Breitband-Anschlüssen problematisch. „Die weißen Flecken auf der Karte sind verschwunden, aber graue Flecken sind geblieben“, erklärt Wilhelm Schmitt, Geschäftsführer des Zweckverbands „eGo Saar“, dessen Ziel die Vernetzung von Verwaltungen über das Internet ist. „Wir tappen oft selbst im Dunkeln“, sagt Schmitt zur Verfügbarkeit der Zugänge. Zwar gibt es immer Alternativen zum klassischen Breitband-Zugang über das Telefon- oder TV-Kabel, wie etwa den Satelliten-Dienst „SkyDSL“. Diese sind jedoch oft teurer, unterliegen technischen Einschränkungen – oder sind bei manchen Anbietern schlicht unzuverlässig, wie Uwe Conradt von der Landesmedienanstalt zu erzählen weiß.

Kabelverlegung kann teuer werden

Hinter der technischen Frage nach der Verfügbarkeit stehen letztlich handfeste wirtschaftliche Interessen der Anbieter, die darüber entscheiden, ob die Bewohner einer Stadt oder eines Ortsteils schnell oder langsam ins Internet kommen. 4,8 Kilometer, das ist laut Telekomsprecher George McKinney die Reichweite, die ein DSL-Signal maximal durch eine normale Telefonleitung wandern kann. Reicht das nicht aus, um einen Ort mit dem nächsten Knotenpunkt zu verbinden, so können die Daten per Glasfaserkabel verlustfrei weitertransportiert werden. Die Verlegung eines Kabels könne für die Telekom aber teuer werden – bis zu 90 000 Euro pro Kilometer.

Viele  legen  weniger Wert auf schnellen Zugang

Der entscheidende Punkt ist die Nachfrage nach dem Produkt Breitband, und ob sich diese für den Anbieter lohnt. Ältere oder weniger wohlhabende Menschen nutzen der „Nonliner“-Studie zufolge nicht nur seltener das Internet, sondern legen auch weniger Wert auf einen schnellen Zugang, wenn sie online gehen. Beide Gruppen seien im Saarland überrepräsentiert. Zugleich, so merkt Uwe Conradt an, habe es in der Vergangenheit auch nur sehr wenig Zusammenarbeit zwischen saarländischen Gemeinden und Anbietern gegeben.

An einem Punkt sind sich die Experten einige: Durch gegenseitige Abstimmung oder schlicht mit Geld der Gemeinde könnte die Wahrscheinlichkeit einer Breitbandanbindung wesentlich erhöht werden. Unterstützt werden solche Unternehmungen durch eine Förder-Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern.

Mangelndes Bürger-Interesse

Allerdings scheiterte erst kürzlich ein Versuch der Saarlouiser Firma Inexio, zwei saarländische Gemeinden mit Glasfaserkabeln zu versorgen, an mangelndem Bürger-Interesse. Dabei warnt Wilhelm Schmitt, dass der „Standortfaktor Breitband“ nicht nur ein Modebegriff ist: Die fortschreitende digitale Zentralisierung der Datenbestände von Firmen und Verwaltungen mache leistungsfähige Internetverbindungen heute zu einer Selbstverständlichkeit. Fehlen diese, könne das für eine Firma durchaus gegen eine Investition sprechen.

Eine grundlegende Lösung sieht Uwe Conradt nur darin, dass Menschen von den Vorteilen des Internets überzeugt werden, die bisher nicht zu den Nutzern gehören. So soll beispielsweise durch die Initiative der Landesmedienanstalt „Onlinerland Saar“ vor allem Senioren die Möglichkeiten des Internets erklärt werden. Trotz aller Hiobs-Botschaften: Eine Studie von TNS Infratest bestätigt, dass diese Initiative zu wirken beginnt.

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