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Lasst uns über Sex reden

Was haben 30 Plastikbecher, gefüllt mit Wasser, mit Sexualaufklärung, zu tun? Nichts, könnte man denken, wird jedoch in der Geschwister-Scholl-Schule in Blieskastel eines Besseren belehrt. Vier Medizinstudenten aus Homburg sind an diesem Tag hier zu Gast, um 30 Schülerinnen und Schülern etwas zum Thema zu vermitteln – zum Beispiel mit Bechern: In dreien davon ist das Wasser extrem salzig. Die 15- und 16 Jahre alten Mädchen und Jungen erhalten je einen Becher, müssen mit einer bestimmten Anzahl der anderen Jugendlichen etwas Wasser austauschen. Dies steht jedes Mal für ungeschützten Sex . Am Ende probiert jeder von seiner Mischung. Jetzt sind 80 bis 90 Prozent des Wassers salzig – so das Ergebnis. Das Salz hat sich also deutlich weiter verteilt. „Das soll auf spielerische Art und Weise“ sexuelle Übertragungswege illustrieren, erläutert Kai Hunsicker. Von Chlamydien in diesem Fall, denn auch das gehört zum Konzept: Es soll darauf hingewiesen werden, dass es wesentlich mehr sexuell übertragbare Krankheiten gibt als HIV/Aids – darauf liegt jedoch ebenfalls ein Schwerpunkt.

Hunsicker gehört neben Rebecca Freund, Stefan Königsbüscher und Leonie Schneider zur Lokalgruppe Homburg des Projekts „Mit Sicherheit verliebt“. Dies wiederum ist Teil der Arbeitsgruppe Sexualität und Prävention der Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschlands (bmvd). Im Oktober wurde die Homburger Gruppe gegründet, acht aktive Mitglieder hat sie heute. Und nachdem sich die Studierenden erst einmal selbst intensiv fort- und weitergebildet haben, ist dies ihr erster Besuch in einer Schule in dieser Funktion, das Programm soll aber im ganzen Saarland angeboten werden.

Die Zehntklässler lernen an diesem Vormittag viel, etwa über Anatomie, Krankheiten, sexualisierte Gewalt, sprechen darüber, was Porno ist und was Realität. Zum Einsatz kommen unter anderem Penismodelle, Zeichnungen , Plakate. Sie üben das Nein-Sagen und sehen, was es neben Kondomen noch gibt an Verhütungsmitteln, und wie diese vor Ansteckung schützen oder eben nicht. Das Konzept ist abwechslungsreich, Frontalunterricht ist nicht vorgesehen: Es gibt viele Infos – und ab einem bestimmten Punkt werden die Schüler in eine Jungen- und eine Mädchengruppe getrennt, und es wird in unterschiedlichen Räumen weiter gesprochen. Neben den reinen Fakten gehe es um Offenheit, erläutert Hunsicker. Es soll dazu animiert werden, sich ungezwungen mit dem Thema und dem eigenen Körper auseinanderzusetzen – auch darüber zu reden und sich nicht zu schämen, zum Arzt zu gehen. Es gehe um eine Ergänzung zum Aufklärungsunterricht, detailliert und umfangreich, betonen die Vier.

Sie sehen sich da in einer ganz anderen Rolle als ein Lehrer: Sie seien vom Alter her „nicht so weit weg“ von den Schülern, zudem sei so ein Projekt an einem speziellen Tag etwas Besonderes. Auf der anderen Seite sei es für sie – alle arbeiten ehrenamtlich im Programm – eine Möglichkeit, rauszukommen, ergänzt Stefan Königsbüscher. Es sei anstrengend, aber entspannend, weil man etwas ganz anderes tue.

Hinter Rebecca Freunds Engagement steckt unter anderem eine persönliche Erkenntnis: „Ich habe mich vor dem Studium gut aufgeklärt gefühlt“, dann habe sie von so vielem gehört, das sie so nicht gewusst habe. Da liege doch viel im Argen, gerade was sexuell übertragbare Krankheiten angehe. So wird an dem Vormittag auch ausführlich über Symptome, Übertragung, Behandlungsmöglichkeiten und Konsequenzen gesprochen.

Bei den Zehntklässlern ist der Wissensstand unterschiedlich. Manche wagen sich ein bisschen mehr aus der Deckung, andere bleiben zurückhaltend, zum Beispiel dann, wenn die Mädchen aus dem „Grabbelsack“ Verhütungsmittel, Hygieneartikel und mehr herausziehen, um darüber zu sprechen: vom Frauenkondom über die Menstruationstasse bis zur Spirale. Am Ende kommt die Gruppe noch einmal zusammen, alle erhalten eine kleine Tüte mit Infomaterial, Kondomen und einer Anleitung zur Benutzung als Daumenkino – spielerische Aufklärung eben.

 

Zum Thema:

Wer sich für das Projekt Sexualaufklärung und Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten an Schulen im ganzen Saarland interessiert, der kann sich per E-Mail an die Homburger Lokalgruppe wenden: homburg@sicher-verliebt.de. Weitere Infos gibt es auch auf der Internetseite der Bundesvertretung der Medizinstudierenden Deutschlands: www.bvmd.de, zum Projekt unter www.sicher-verliebt.de ust
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