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Laster-Lärm legt Nerven blank

An der Heringsmühle zeigen Martin und Carmen Kuntz, Marcus Otto und Sabine Aulenkamp (von links), wie gefährlich nahe ihnen dort die Lastzüge kommen. Die Aussicht, dass das noch monatelang so weitergeht, setzt ihnen zu. Foto: Becker&Bredel

An der Heringsmühle zeigen Martin und Carmen Kuntz, Marcus Otto und Sabine Aulenkamp (von links), wie gefährlich nahe ihnen dort die Lastzüge kommen. Die Aussicht, dass das noch monatelang so weitergeht, setzt ihnen zu. Foto: Becker&Bredel

An der Heringsmühle ist es 17.50 Uhr. 30 Tonnen Eistee rollen, von mehreren hundert PS gezogen, Richtung Saarbrücken davon. Rotwein aus Spanien nimmt später die Gegenrichtung.

 

Wer wie der Frachtriese gen Ensheim abbiegt, darf ja nicht aufs Trottoir geraten. An der Einmündung überwuchert die gefährlichste Pflanze Saarbrückens den schmalen Bürgersteig. Nur rund 60 Zentimeter Pflaster sind noch übrig.

 

Wie wenig das ist, zeigt der nächste Lastzug. Er zwängt sich Richtung L 108 in die Straße. Sein Brummen bohrt sich tief ins Ohr. Zugmaschine und Anhänger lassen auch bei 30 km/h alles vibrieren. Die Lärmschleppe verschwindet erst hunderte Meter weiter an der Steigung Richtung Ensheim. Schon kommt der nächste lange Laster. Und der nächste. Ein Mädchen will mit einem Kuchen Richtung Ortskern. Nur wie? Hier noch aneinander vorbeizukommen zehrt an den Nerven. Bloß nicht stolpern.

 

17.55 Uhr. Endlich: Haus Nummer 10. Dort wohnt Familie Kuntz. Vielleicht zweieinhalb Meter vom Getöse und Tausenden Tonnen Fracht getrennt, seit die Fechinger Talbrücke für die dicken Brummis dicht ist. Martin Kuntz öffnet für Sekunden die Tür zum Hof. Bloß schnell wieder zu damit. Würde Hund Oskar jetzt nur ein paar Zentimeter zu weit rauslaufen, wäre er tot.

 

Regen- und windgeschützt stehen Tisch und Stühle für Besucher bereit. Lärmgeschützt ist hier nichts mehr seit dem 24. März. Dabei bleibt es vorerst, auch wenn zumindest die Pkws wieder auf die Fechinger Talbrücke dürfen. Das gilt für Lastwagen wohl erst ab Dezember (SZ vom 6. Juli). Also bleibt für um die 2500 Lastwagen pro Tag die schmale Heringsmühle ein Stück A 6-Ersatz. „Dabei ist es an den Montagabenden noch ruhig“, sagt Kuntz. Wie zum Widerspruch geht der Satz fast im Lärm des nächsten Lastwagens unter. In die kurze Stille hinein meldet sich ein weiterer Autotransporter.

 

Kuntz erkennt oft die Fracht am Lärm, den sie macht. Jetzt hört er das Poltern neuer Lieferwagen auf dem Anhänger mit Ostblock-Kennzeichen. Dieser Transitverkehr müsse aufhören, verlangen Martin und Carmen Kuntz. Die beiden fordern für sich und all die anderen, die dort im Krach festsitzen: „Wir wollen diesen Lkw-Lärm nicht von der Heringsmühle nach Scheidt oder nach Schafbrücke verlagern. Der Transit-Schwerlastverkehr muss auf den Autobahnen bleiben. Dort gehört er hin.“ Dafür haben sie demonstriert. Aber im Krach sitzen sie weiter, als sei nichts geschehen.

 

18.20 Uhr: Ortswechsel. Im lärmverseuchten Wohnzimmer wird die Runde komplett. Sabine Aulenkamp und Marcus Otto sind hinzugekommen. Jeder Lastwagen lässt das Parkett schwingen. Auch der spanische Weinlaster, der jetzt seinen Auftritt hat. Hund Oskar wendet erschreckt den Blick zum Fenster.

 

„Wir haben einen Lärmpegel von 62 Dezibel noch bei geschlossenen Fenstern. Die Nerven liegen blank, und wir können nicht mehr schlafen“, sagt Aulenbacher. 62 Dezibel: Das ist, als ob einem jemand dazwischenquatscht – immer.

 

Langjährige Mieter sind nach zwei Monaten Dauerschall weggezogen. Leerstand, der ins Geld geht wie die Gebäudeschäden. Hoffnung, dass dafür jemand aufkommt? Fehlanzeige. „Hier wird Eigentum vernichtet“, sagt Martin Kuntz.

 

Wie schlimm es sogar während des nächtlichen Fahrverbots ist, zeigt ein Smartphone-Film: Während einer einzigen Wartephase aufs Fußgängergrün stauen sich in der Dunkelheit sieben Lkw an der Ampel.

 

Das könnte noch bis zum Winter weitergehen. Den Glauben, dass die Politiker vorher etwas für die 200 Lärm-Opfer tun, hat Aulenkamp aufgegeben. „Das ist denen doch egal.“

 

18.50 Uhr. Als die Heringsmühle im Rückspiegel kleiner wird, versammeln sich an den Ampeln die nächsten Brummis. In beiden Richtungen.

 

Zweimal am Tag muss Peter Momber aus Ormesheim im Auto über die Umleitung. Was er dort sieht, geht ihm so auf die Nerven, dass er sich als Leser-Reporter bei der SZ meldete. Seine Liste gilt den Schildern ebenso wie dem Fehlverhalten von Fahrern. Los geht's mit dem Schilderwald ab Güdingen. Die Tempovorgaben wechseln oft. Von 80 auf 60, dann auf 40, wieder auf 60, ja sogar noch einmal auf 80 km/h. Sein Fazit: Genug Schilder, aber unübersichtlich. Mit gefährlichen Folgen unter der Brücke. Momber: „Lkw-Fahrer wissen nicht, ob sie nach links zurück Richtung Paris oder nach rechts Richtung Mannheim abbiegen müssen.“ Sie setzen also zurück, mit dem Smartphone navigierend. Brandgefährlich in der Abfahrt, findet Momber. Weiter geht's an der Einmündung. Linksabbiegen ist verboten. „Es wird aber getan.“ Besonders oft, während die Fahrer noch das Ohr am Handy haben. Falschparker vor den Geschäften, die sich dort ihr Essen besorgen und dafür sogar den Sattelzug stehen lassen, vergrößern den Stress. Dem Chef der Polizeiinspektion Brebach, Helmut Schliwinsky, und seinem Stellvertreter Robert Hauer bleibt angesichts der langen Liste nur, an die Regeln zu erinnern. Dass die Polizei nicht dauernd kontrollieren kann, liege auf der Hand. Dass rücksichtslose Fahrer das ausnutzen, leider auch.

 

Den Tipp für den Artikel bekamen wir von Peter Momber aus Ormesheim. Weitere Tipps bitte unter (06 81) 5 95 98 00.

 

 

Meinung:

 

Bürger verdienen gute Antworten

Von  Frank Kohler

 

Seit die Fechinger Brücke für Brummis tabu ist, staut sich Wut im Tal. Oben ist ein kniffliges System installiert, das Lkws von der Brücke fernhält. Den Menschen am Nadelöhr Heringsmühle hält den Brummi-Transitverkehr tagsüber niemand vom Hals. Und nachts ist keiner in der Lage, Verstößen gegen das Fahrverbot Einhalt zu gebieten. Die Familien an der Heringsmühle wollen nach Monaten im Dauerlärm und Dieselabgasen Taten von der Politik. Sollte es wirklich nicht möglich sein, die Heringsmühle von Frachtriesen zu verschonen, dann muss Verkehrsministerin Anke Rehlinger das den Menschen an Ort und Stelle erklären und eine ganze Weile bleiben. Am besten im Garten der Familie Kuntz.  
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