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Leben in Ruinen: Natur erobert die Kriegs-Bunker

Regionalverband. Als Treffpunkt hat Martin Lillig den Abzweig nach Bietschied gewählt. An der Landstraße zwischen Heusweiler und Holz hat man einen Blick auf gut ein Dutzend Bunker - erkennt sie aber keineswegs sofort, denn oft sind es nur noch überwucherte Ruinen. Bio-Geograf Martin Lillig ist beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Saarbrücken für das Projekt "Grüner Wall im Westen" zuständig. 24 Überreste von Westwall-Bunkern gab es allein rund um Bietschied, beziehungsweise zwischen Holz und Bietschied.

Lebensraum für Tiere

Bereits in den 80er Jahren hatte ein Zoologe vom Naturkundemuseum in Bad Dürkheim gefordert, dass die Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg erhalten bleiben, weil sie zu einem wichtigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen geworden seien. In Rheinland-Pfalz stehen bereits alle Bunker und Höckerlinien (Panzersperren aus Beton-"Höckern") unter Denkmalschutz. Im Saarland wird darüber noch diskutiert.

Drei gesprengte Bunker sind hier oben am Abzweig nach Bietschied auf Anhieb zu entdecken. Sie stechen auch durch die sie umgebenden Gehölze hervor, wie Weiden, wilde Kirschen oder Ahorn. Ohne den Bewuchs würde so mancher Bunkerrest "unter den Pflug kommen", sagt Martin Lillig. Diese kleinen Biotope bieten Verstecke für Säugetiere und Nistplätze für Vögel, und sie geben Insekten Nahrung. In Bietschied hat Lillig speziell den Laufkäfer untersucht. Er besichtigt und bewertet Bunker. Das heißt, er achtet beispielsweise darauf, ob sie für Fledermäuse attraktiv sind oder ob sich Flechten angesiedelt haben, die Nahrung für Schmetterlinge und Käfer sind.

Rund um Bietschied findet man die ganze Palette vom restlos entfernten oder gesprengten bis zum völlig intakten Bunker. Weitere Untersuchungsschwerpunkte liegen am Würzbacher Berg, zwischen Ensheim und Heckendalheim, am Litermont und in Dörrenbach (St. Wendel). So hat man bei St. Wendel in den Flechten sogar einen bisher unbekannten Pilz entdeckt.

Unterhalb von Schloss Bietschied steht ein intakter Bunker. Gerade weil er noch keine Schäden aufweist, ist er für Tiere kaum zu gebrauchen, erst durch Öffnungen in Flughöhe und Bodennähe würde er für sie interessant werden. Nur wenige Schritte entfernt gibt es eine große gesprengte Bunkeranlage. "Die gesprengten Anlagen mit vielen Spalten sind für Tiere am günstigsten", sagt Lillig. Sie bieten zum Beispiel Lebensraum für die Höhlenkreuzspinne, die Zackeneule (ein Nachtfalter, der 2010 zum Höhlentier des Jahres gekürt wurde) und die Fledermaus.

Auch Fuchs, Dachs und Marder haben hier eine Heimat gefunden. Zwischen Schmelz und Körprich soll sogar eine Wildkatze an einem Bunker gesichtet worden sein. Alte Bunker, erläutert Lillig, hätten auch "eine Trittbrettfunktion", das heißt, wenn sich Füchse oder Rehe mit ihrem Nachwuchs auf Wanderschaft begeben, weil sie einen größeren Lebensraum brauchen, bewegen sie sich von Gehölz zu Gehölz und kampieren zwischendurch in den Bunkerbiotopen.

www.bund-saar.de

Auf einen Blick

Zum Thema "Rettungsnetz Wildkatze" hat der BUND eine Ausstellung in Form von drei "Info-Tipis" zusammengestellt. Die Ausstellung wird zur Zeit im Infozentrum vom Naturpark in Weiskirchen präsentiert. Die "Info-Tipis" können auch ausgeliehen werden. Infos dazu gibt's bei Martin Lillig per E-Mail an: info@bund-saar.de hof Hintergrund

Die Westwall-Linie verläuft vom Niederrhein bis Basel. Insgesamt geht man von 17 000 bis 20 000 Bunkern aus. Etwa 4100 davon liegen im Saarland. Die meisten Bunker wurden nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten gesprengt. Die saarländische Bunker-Linie führt von Saarhölzbach in Richtung Zweibrücken. Um das Saarbrücker Stadtgebiet führen großräumig zwei Linien. Hinter Bous teilt sich der Westwall in den Nord- und Südstrang. St. Arnual, Ensheim, Niederwürzbach, Webenheim bilden den südlichen Teil. Der nördliche Teil führt von Eiweiler und Heusweiler nach Quierschied. hof
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