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Lebenmittel- Kontrolleure: 90 Prozent der Schinken- Proben falsch deklariert

Von SZ-Mitarbeiterin Caroline Biehl

Saarbrücken. Saarländische Gastwirte machen häufig falsche Angaben darüber, welche Schinkenprodukte sie im Essen verwenden. Das ist das Ergebnis einer Sonderkontrolle des Landesamts für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz (LSGV). Nach Angaben des saarl ändischen Verbraucherschutzministeriums beanstandeten die Kontrolleure in 18 der 19 beprobten Lokale, dass die Wirte den (vermeintlichen) Schinken falsch deklariert hatten. Elf Mal fehlten darüber hinaus Angaben über die im Kochschinken verwendeten Zusatzstoffe. Bei den kontrollierten Gaststätten handelt es sich überwiegend um Pizzerien.
Verbraucherschutzminister Gerhard Vigener (CDU) sagte: „Wo Schinken draufsteht, muss auch Schinken drin sein. Es kann nicht sein, dass der Verbraucher über Bestandteile und Inhaltsstoffe getäuscht wird: ein paar Schinkenstückchen mit schnittfestem Stärkegel machen noch keinen Schinken aus.“ Was Vigener meint, sind so genannte Schinken-Imitate. Sie tauchten in 14 der 19 Proben auf, ohne als solche kenntlich gemacht zu sein.

Fleischreste und Stärkegel

Bei den Imitaten liegt der Fleischanteil zwischen 52 und 55 Prozent. Das Fleisch wird in kleine Teile zerhexelt und mit Wasser und Stärkegel zu einem Stück gepresst. „Im Prinzip geht es bei der Herstellung um die Frage: Was mache ich mit den Fleischresten, die beispielsweise vom Knochen abgeschabt werden?“, erklärt der Ernährungswissenschaftler Jan Prinzhausen von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. „Man presst sie und macht ein Produkt daraus.“ Solange das richtig ausgezeichnet wird, ist es okay. Aber wenn es als hochwertigeres Produkt gekennzeichnet wird und auch noch Diese Schinken-Imitate sind nicht verboten, müssen aber als solche ausgewiesen werden. „Wenn ein Produkt als hochwertigeres Produkt gekennzeichnet wird und dann noch womöglich auch zu dem Preis verkauft wird, ist es eine Täuschung.“ Diese gilt mindestens als Ordnungswidrigkeit, bei Vorsatz sogar als Straftat.
Bei manchen Personen könnte ein falscher Schinken sogar die Gesundheit gefährden. Durch das im Imitat verwendete Stärkegel liegt der Kohlenhydrat-Anteil in der Wurst höher als im normalen Schinken. „Wenn man einen ausgeglichenen Energiehaushalt hat, spielt das keine Rolle“, sagt Prinzhausen. „Wenn aber Typ-1- und Typ-2-Diabetiker große Mengen von Kohlehydraten essen, ohne es zu wissen, spritzen sie sich womöglich falsch.“ Theoretisch wäre so ein Szenario möglich.

Gutgläubige Wirte?

Praktisch unumstößlich bleibt die Täuschung der Verbraucher: So kann auch der Geschäftsführer des Gaststättenverbands Dehoga Saarland, Frank Hohrath, das Ergebnis nur „bestimmt nicht schön“ finden. Er vermutet, dass die Wirte nicht vorsätzlich, sondern fahrlässig und gutgläubig gehandelt haben: „Ich gehe davon aus, dass viele Gastronomen nicht richtig hingeschaut haben beim Kauf.“

Auch auf der Verpackung muss stehen, um welche Schinkenart es sich handelt. Doch: „Oft ist die Schrift zu klein oder nur schwach gedruckt“, weiß Eva-Maria Loch, bei der saarländischen Verbraucherzentrale. Dem Verbraucher rät sie, auf die Zutatenliste zu schauen: „Im Restaurant kann man nur nachfragen.“ Das Ministerium hat nun angekündigt, Wiederholungstäter im Internet zu veröffentlichen. Hohrath hält dieses Vorhaben allenfalls für eine Maßnahme zur Abschreckung, denn: „Veröffentlicht werden darf erst nach Ende des Bußgeldverfahrens. Das dauert viel zu lange“, unter Umständen bis zu eineinhalb Jahre. Bis dahin sind wieder viele Schinkenpizzen über die Theke gegangen.



Meinung


Von Caroline Biehl

Da bleibt manchem die Pizza im Halse stecken. Ein gepresstes Stück aus Fleischresten, Stärkegel und Wasser landet auf der Pizza und der Verbraucher isst und zahlt im guten Glauben für Formfleisch- oder sogar Kochschinken. Dass viele der nun aufgeflogenen Wirte beim Feilbieten der Schinken-Imitate nicht vorsätzlich gehandelt haben mögen, wie es der Gaststättenverband vermutet, macht die Sache kein bisschen besser. Im Gegenteil: Diese Gastronomen wurden der Verantwortung gegenüber ihren Gästen nicht gerecht. Der Wirt verspricht eine bestimmte Ware und hat dafür zu sorgen, dass er sein Wort hält. Schließlich glaubt ihm sein Gast und zahlt auch dafür. Der Verbraucher zahlt dafür. Dann hat der Wirt dafür sorgen, dass er sein Wort hält. Ware – und der Verbraucher glaubt das. Dann müssen sie dafür sorgen, dass die Ware das auch ist. Ein Gastwirt aber, der nicht darauf achtet, was er in seinen Einkaufswagen und später auf die Pizza tut, einer, der vielleicht auch die Verbraucherschutzregeln gar nicht genau kennt, der ist schlicht ein schlechter Gastwirt.


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