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Lebensmittel sollen besser gekennzeichnet werden

Brüssel/Straßburg. Für Marmelade, Dosen-Suppe und Nudeln brechen neue Zeiten an. Nach dreijährigem Streit hat das Europäische Parlament in Straßburg gestern die neuen Regelungen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln gebilligt. Nachdem die Ampel schon länger vom Tisch ist, werden nahezu alle Nahrungsmittel mit kleinen „Steckbriefen“ versehen, die jeden Inhaltsstoff penibel auflisten – vom Kaloriengehalt über Fette und gesättigte Fettsäuren über Kohlehydrate, Zucker, Salz und Eiweiß. Die Angaben sollen vergleichbar sein und müssen deshalb alle einheitlich pro 100 Gramm oder 100 Milliliter aufgeführt werden.

„Unser Verhandlungsergebnis kann sich wirklich sehen lassen“, sagt die Fachfrau der konservativen EVP-Fraktion in der europäischen Volksvertretung, Anja Weisgerber. Das sehen auch die Verbraucherschützer: „Ein guter Schritt nach vorne.“ Schließlich sollen die neuen Vorschriften der Union auch Imitate deutlich entlarven. Ob eine Pizza mit Käse belegt wurde oder nur mit Analogmasse, soll der Kunde deutlich auf der Verpackung ablesen können.  Und auch „aus Fleisch- oder Fischstücken zusammengefügte“ Produkte dürfen nicht länger wie bisher als Schinken oder Fisch verkauft werden.



Wie wenig man den Lebensmittel-Herstellern im Umgang mit der Wahrheit über den Weg traut, zeigen die Vorgaben für die Beschriftung: Die Schrift soll nämlich mindestens 1,2 Millimeter groß sein (als Maßstab gilt das „x“), sogar den Kontrast zwischen farbigem Hintergrund und Tabelle hat Brüssel geregelt. Zu den Fortschritten gehört auch, das fortan alle Fleischsorten (Rind, Schwein, Geflügel, Schaf, Ziege) einen Nachweis über die Herkunft tragen müssen.
Ausnahmen von der neuen Kennzeichnungspflicht gibt es lediglich für offen verkaufte Waren wie Wurst, Brot, Brötchen, Obst und Gemüse. Und auch die alkoholischen Getränke, die mehr als 1,2 Prozent Alkohol enthalten, sind von der exakten Kennzeichnung befreit. Wein und Bier müssen also weiter nicht preisgeben, wie viele Kalorien in ihnen stecken. Mit diesen Sonderregelungen wollte die EU den Bedürfnissen des Mittelstands und des Handwerks Rechnung tragen.

Vorteile bieten die Kennzeichnungsvorschriften vor allem für Allergiker. „Sie sollen wissen können, was sie wissen müssen“, sagt die Berichterstatterin für die novellierte Richtlinie, Renate Sommer (CDU). Deshalb müssen allergene Bestandteile auf dem Mini-Steckbrief auch durch gefettete Buchstaben hervorgehoben werden.  Es sei denn, der Produktname verrät schon, dass die Ware entsprechende Substanzen („Nussschokolade“) enthält.

Bis zur großen Revolution im Einkaufsregal wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Die Hersteller haben nämlich drei Jahre Zeit, um sich auf mehr Klarheit und Transparenz bei Lebensmitteln einzustellen, kleinere Unternehmen dürfen sogar noch fünf Jahre warten, um die Änderungen zu übernehmen. Der Grund: Vor allem mittelständische Betriebe ordern die Etiketten oft für mehrere Jahre im Voraus.



Meinung
Durchblick ohne Mehrwert
Von SZ-Korrespondent Detlef Drewes


Es geht um den Durchblick. Europas Verbraucher sollen wissen können, was sie essen. Wen es nicht stört, dass der Schinken zusammengepappt wurde oder dass das Eis keine Milch enthält, der kann auch weiter kaufen, was billig und trotzdem gut ist. Aber die neuen Regelungen der EU zur Kennzeichnung von Lebensmitteln legen wenigstens offen, wo der Kunde bislang getäuscht und in die Irre geführt wurde. Die übrigen Beschriftungen sind ein Fortschritt, werden aber kaum das erreichen, was Ausgangspunkt dieser Reform war. Eigentlich wollte man ja Dickmacher und Bluthochdruck-Treiber entlarven. Dieser Erkenntnisgewinn ist minimal. Eine Hilfe ist das, was da nun penibel ausgearbeitet wurde, trotzdem. Vor allem für Menschen, die wegen einer Erkrankung bei ihrem Einkauf besonders genau sein müssen. Für alle anderen ändert sich wenig. Es sei denn, man verbringt künftig Stunden mit der Lektüre von Bio-Steckbriefen.
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