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Leere Karussells und große Sorgen: Saar-Schausteller kämpfen um ihre Existenz

Saarbrücken. Sommerzeit ist Volksfestzeit. Seit April reisen Schausteller durchs Land, versuchen mit ihren Fahrgeschäften und Buden den Menschen auf Märkten, Kirmessen und Volksfesten Abwechslung zu bieten. Doch Schausteller klagen über große Umsatzeinbußen, reden von Existenz bedrohenden Zeiten. „Wenn es weiter bergab geht, ist die Zukunft mancher Schausteller ungewiss“, erklärt Ralf Jockers aus Püttlingen, Sprecher des Saarverbandes der Schausteller.

Über 50 aktive Schaustellerfamilien sind dem Landesverband als Mitglieder gemeldet. „Und alle wollen sie von ihrem Geschäft leben“, sagt Jockers. Er selbst ist seit 1975 Schausteller, trat in die Fußstapfen seines Vaters. Und so geht es den meisten seiner Kollegen. Seit über 30 Jahren im Geschäft, dabei immer die gleiche Route zu fahren, „da sieht man mittlerweile schon mehrere Generationen, die zu mir kommen“, erklärt der Schausteller. Er betreibt einen Autoskooter und zwei Greifwagen. Wenigstens 20 Stationen quer durchs Saarland fährt er in der Sommersaison an.



Und auch seine Kollegen im Schaustellergewerbe sind jedes Wochenende unterwegs. Das Fahrgeschäft auf den Lkw verfrachtet, die Wohnwagen im Schlepptau, steuern sie einen Platz nach dem anderen an. Ankommen, aufbauen, einige Tage das Geschäft betreiben, abbauen, nächste Station anfahren. Jockers Autoskooter hat eine Länge von 35 Metern, drei Wohnwagen braucht er für seine Touren, außerdem einen Packwagen. „Das muss alles unterhalten und gewartet werden“, erklärt der Püttlinger. Für den Aufbau seines Fahrgeschäftes braucht er etwa zwölf Stunden, für den Abbau wiederum vier Stunden. Dabei helfen ihm vier Arbeitskräfte. „Die wollen auch bezahlt werden“, sagt er.

Das Interesse an der Kirmes sinkt

Am Kirmesort angekommen, sind zunächst einmal Platzgebühren fällig. „Im Durchschnitt sind das etwa 500 Euro“, sagt Jockers. Jedes Fahrgeschäft braucht Strom, also klemmt der örtliche Energieversorger die Kabel an das öffentliche Netz an. „Das kostet zwischen 100 und 200 Euro“, erklärt der Schausteller. Hinzu kommen die eigentlichen Energiekosten. Gesamtkosten, die viele Schausteller kritisieren. „Manche Kommunen haben Ansichten, was die Standmieten betreffen, das ist schon eine Frechheit“, kritisiert Manuela Roos. Auch sie klagt über schlechte Geschäfte, spricht von „Existenzgefährdung“. „Die Kosten laufen uns weg, das Fahrgeschäft stößt mehr und mehr auf Desinteresse“, sagt sie.

Bei Besuchern sitzt das Geld nicht mehr so locker

Und das sind auch Rückmeldungen, die Jockers bekommt. Seit Jahren sei das Fahrgeschäft rückläufig. „Jedes Jahr etwa um zehn Prozent“, erklärt er. Die Fahrpreise allerdings, die von Kirmesbesuchern kritisiert werden, verteidigt er. „So viel teurer sind die Karten nicht geworden“, sagt Jockers und zieht den Vergleich mit den allgemeinen Preiserhöhungen. „Das Geld sitzt nicht mehr so locker“, weiß der Schausteller und meint: „Die Menschen müssen sparen und auf der Kirmes lässt es sich ganz gut sparen.“

Aber was macht der Schausteller, der vom Kirmesgeschäft alleine nicht mehr leben kann? Manche, dazu zählt auch Jockers, versuchen auch die Wintermonate zu überbrücken, nutzten die Gunst des Weihnachtsgeschäftes. Weihnachtsbaumverkauf oder Beteiligungen an Weihnachtsmärkten, das sind notwendige Zusatzgeschäfte. „Diese Einkünfte brauchen wir, um weiter existieren zu können“, erklärt er.
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