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Lehrerverband: „System bricht zusammen, wenn weiter gekürzt wird“

. Die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV) ist sauer. „Eine Kollegin hat mich angerufen, die hat drei Inklusionskinder in der Klasse und jetzt weitere drei syrische Kinder, die kein Wort Deutsch sprechen. Wie soll sie das alleine stemmen?“, sagt Lisa Brausch. An den Grund- und Gemeinschaftsschulen fehlten durch Rechenfehler in einem Gutachten der Berater von Price Waterhouse Coopers (PWC) und durch die aktuelle Zuwanderung von Flüchtlingskindern Lehrer und Schulsozialarbeiter an allen Ecken und Enden. „Das System wird zusammenbrechen, wenn weiter von der Landesregierung gekürzt wird“, betonte Brausch. Aus den Reihen des SLLV wird besonders Kritik an der CDU geäußert, die sich noch im „Dornröschenschlaf“ befinde. „Ich werde die CDU-Abgeordneten in die Schulen einladen, die sollen sich die Lage mal ansehen“, erklärte Brausch.

Die Grundschullehrerin berichtete, dass die so genannte „Mobile Lehrerreserve“ jetzt vollständig im Einsatz sei für die 32 zusätzlichen Grundschulklassen für 923 Flüchtlingskinder im Grundschulalter, die bis gestern in diesem Schuljahr 2015/16 an Saar-Grundschulen angekommen seien. „Es ist bereits jetzt so, dass die Kinder, die etwa drei Monate da sind, als Dolmetscher dienen müssen für die täglich neu Hinzukommenden. Die haben dann kaum Zeit, selbst zu lernen“, sagte Brausch. Die Kinder, meist Syrer, seien wohlerzogen, lernwillig und motiviert. „Aber sie bringen auch Traumata von der Flucht und aus dem Krieg mit“, sagte Brausch. Dafür stünden aber keine Sozialarbeiter und Psychologen bereit. „Es ist eigentlich ein Verbrechen, dass man da nicht reagiert“, so die SLLV-Chefin.

Bildungsminister Ulrich Commerçon ( SPD ) teilte der SZ mit, dass seit Beginn des Schuljahres rund 2500 Flüchtlingskinder auf die Schulen verteilt worden seien. 63 neue Klassen seien gebildet worden. Im ersten Schulhalbjahr bis Ende Januar rechnet Commerçon mit mindestens 4000 schulpflichtigen Kindern, sodass er weitere 30 zusätzliche Klassen bilden will. Commerçon gibt Brausch Recht, dass die Prognose der Beratungsfirma PWC über die zurückgehenden Schülerzahlen von 2010 nicht mehr haltbar sei. „Der Schülerrückgang ist abgeflacht“, drückt es der Minister aus. Deshalb würden bis 2017 83 Lehrerstellen weniger abgebaut als ursprünglich geplant. „Bei dieser Anpassung wurde der gestiegene Zuzug von Flüchtlingen noch nicht berücksichtigt“, räumt Commerçon aber ein. Der Sozialdemokrat geht jetzt sogar von einem „Aufbau von Lehrerstellen“ aus. Dafür müsse im Doppelhaushalt 2016/17 Vorsorge getroffen werden, fordert Commerçon. Auch aktuell bestehe „dringender Handlungsbedarf“: Über 100 Stellen, die durch den Einsatz der „mobilen Lehrerreserve“ in den neu gebildeten Flüchtlingsklassen gebunden seien, müssten aufgestockt werden, da die Grippewelle bevorstehe.

Commerçon befindet sich derzeit in schwierigen Verhandlungen mit den Gralshütern der Schuldenbremse im Finanzministerium und im Kabinett. Finanzminister Stephan Toscani ( CDU ) beantwortete gestern eine SZ-Anfrage, wie mindestens fünf Millionen Euro in diesem Jahr für 100 zusätzliche Lehrer im laufenden Haushalt finanziert werden sollen, nicht. Toscani ließ mitteilen, dass eine interministerielle Arbeitsgruppe ein „aktuelles Gesamtbild der Lage und eine möglichst valide Vorausschau für die kommenden Monate“ erstelle. „Auf dieser Basis wird die Landesregierung in den nächsten Tagen die aus heutiger Sicht absehbaren finanziellen und personellen Bedarfe ermitteln und hierfür Lösungsvorschläge vorlegen“, so Toscani. Erst danach seien Antworten möglich.

Wo allerdings die zusätzlichen Grundschullehrer herkommen sollen, steht in den Sternen. „Der Grundschullehrermarkt ist leer gefegt“, sagte SLLV-Chefin Brausch. Die niedrige Besoldung im Saarland habe daran ihren Anteil.
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