L 365, Vollsperrung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen in der Ortsdurchfahrt Sitzerath, aufgrund eines liegengebliebenen Schwertransportes Für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen besteht keine Vollsperrung. (19.09.2017, 01:43)

Priorität: Dringend

10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
10°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Lehrt Teufelsgeiger Garrett bald an Musikhochschule?

Kommt er an die Saarbrücker Musikhochschule? Rektor Thomas Duis wirbt weiterhin für sein Engagement .

Kommt er an die Saarbrücker Musikhochschule? Rektor Thomas Duis wirbt weiterhin für sein Engagement .

Saarbrücken. Ein Tag wie kein anderer in der Hochschule für Musik (HfM). Von „Saarbrücken 21“ wird geredet, vom „Wutbürger“, der nun auch der Musikhochschule Dissonanzen beschere. Dissonanzen aber wohl vor allem in den Ohren des Rektors Thomas Duis (Foto: bub). „Eigentlich wären wir soweit, dass man die Zusammenarbeit mit David Garrett hätte starten können“, sagt Duis gestern nach einem Diskussionsmarathon mit Studierenden und Lehrenden seiner Hochschule. Seit der Schließung der Schauspielabteilung an der HfM vor zehn Jahren wurde dort nicht mehr so energisch gestritten.

Attraktivität der Musikhochschule steigern

Gute zwei Stunden wird gestern Mittag – nicht öffentlich – im brechend vollen Konzertsaal debattiert. Duis versucht Seit' an Seit' mit Garretts Manager Tobias Weigold, der eigens angereist war, seine Vorstellungen zu vermitteln. Vorstellungen davon, wie der Klassikstar und Popbeau Garrett die Attraktivität der Musikhochschule nach innen wie nach außen steigern könne.

Doch das wollen nicht alle so sehen. Der Unmut in der Studentenschaft ist massiv. Garretts Exkurse in eher seichte Rockgefilde vertrügen sich nicht mit dem Qualitätsanspruch der Hochschule, rumort es just unter Geigen-Studenten. Von „einsamen Entscheidungen der Hochschulspitze“ spricht man, von miserabler Kommunikation. Ohnehin lasse sich keiner durch den Namen Garrett zu einem Studium nach Saarbrücken locken. Ein Musikstudium ist schließlich nichts für Kurzentschlossene. Davor liegen Jahre intensivsten Unterrichts. Und: Solche Werbung braucht die kleine, aber erfolgreiche Hochschule auch nicht.

Zum Teil kommen auf einen Studienplatz bis zu 50 Bewerber – aus aller Welt.

Poprummel in der Hochschule?

Aber auch die an der HfM unterrichtenden Geigen-Professoren fühlen sich, so heißt es, brüskiert. Es ist gar davon die Rede, dass der eine oder die andere Lehrende überlege, der HfM den Rücken zu kehren. Man befürchtet wohl, dass sich mit dem Publikumsdarling Garrett Poprummel in der Hochschule breit mache. Wohl nicht von ungefähr. Schließlich ist der Geiger auch ein Liebling der Bunten Blätter.

Duis, seit sieben Jahren Rektor der Hochschule, zeigt sich sichtlich überrascht von so viel Widerstand. „Da hat sich eine Problematik entwickelt, die ich so nicht für möglich gehalten hätte“, gibt er zu – und sieht „weiteren Gesprächsbedarf“, will für seine Idee werben. Vor allem aber deutlich machen, wie das Engagement des Deutsch-Amerikaners eigentlich gedacht ist. So solle Garrett eben nicht als weiterer Geigen-Professor an die HfM kommen. Es gehe vielmehr genau um das, was der Springinsfeld zwischen Rock und Klassik, der sein Publikum auch fern des bürgerlichen Konzertsaals in Massen findet, mitbringt. Man könne sich eine Zusammenarbeit mit dem Hochschulorchester vorstellen, mit der Big Band. Und schließlich werde an der HfM ja auch Musikmanagement vermittelt. Also, wie findet man als Künstler oder Kunstvermittler seinen Markt? Dies ließe sich gerade mit einem Star wie Garrett exemplarisch durchspielen. Und Garrett-Manager Weigold ergänzt: „Ein Projekt könnte ja auch darin bestehen, dass man mal durchexerziert, was zu einem Konzert von der Karte über Marketing, Technik und Auftritt alles dazu gehört.“

Zwei Projekte mit dem Geiger

Zunächst, stellt Duis klar, gehe es auch nur um zwei Projekte mit dem Geiger. Je eines in 2012 und 2013. „Das sehe ich als Experiment. Passt das zusammen mit der Hochschule oder nicht“, sagt Duis. Und das solle man doch einfach mal ausprobieren, wirbt der Rektor. Ähnlich sieht das Weigold, der Garrett in puncto klassischer Konzerte vertritt. Ja, Garrett sei „sehr interessiert“ an diesem Engagement. Aber der prominente Violinist habe fraglos auch zahlreiche Verpflichtungen, eine Dauer-Präsenz in Saarbrücken, mithin normaler Unterricht, könne nicht das Ziel sein.

Engagement mit Hochschulgeldern bestritten

Zudem tritt Duis Befürchtungen entgegen, Garretts Engagement solle mit Hochschulgeldern bestritten werden. Noch fiele dafür eine andere Stelle weg. „Es sind ausschließlich Drittmittel“, betont der Rektor. Ergo gebe es auch keinen Landeszuschuss – da könnte schon eher ein Professoren-Titel als Lockstoff wirken. Wer die privaten Geldgeber(innen) sind, will Duis freilich nicht preisgeben. Auch nicht, wie weit sie ihre Schatullen öffnen für den Teufelsgeiger. „Aber“, sagt Duis unter Nicken des Managers: „Es ist günstiger als es ein Konzert Garretts in Saarbrücken wäre.“

Der Rektor will nun weiter für Garretts Verpflichtung trommeln. Die Bedenken seiner Geige lehrenden Kollegen nehme er ernst. „Aber wenn wir jetzt die Chance hätten, einen außergewöhnlichen Pianisten zu gewinnen, würde ich den auch als Bereicherung für die Hochschule sehen“, sagt Duis als Pianist quasi in eigener Sache. Dennoch, in der Kommunikation sei vielleicht nicht alles optimal gelaufen, seit vor eindreiviertel Jahren die Verhandlungen begannen. Hochschulintern aber, betont er, habe er korrekt informiert. Man könne solche Verhandlungen aber nicht in aller Öffentlichkeit führen. Da gäbe es etwa Interessen anderer Akademien.

Duis jedenfalls bleibt optimistisch, dass es von 2012 an zu einer Zusammenarbeit mit Garrett kommt, er überzeugen kann. Und auch Garretts Manager bleibt gelassen. Das Engagement der Studenten für ihre Hochschule sei doch positiv. Und in diesem Punkt zumindest herrscht Einigkeit.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein