L 365, Vollsperrung für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen in der Ortsdurchfahrt Sitzerath, aufgrund eines liegengebliebenen Schwertransportes Für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen besteht keine Vollsperrung. (19.09.2017, 01:43)

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Leinenpflicht: Saarbrücker Hundebsitzer auf den Barrikaden - werfen Stadt Abzocke vor

Saarbrückens Hundehalter hadern mit der Anleinpflicht. Sie werfen der Stadt Abzocke vor und fordern auch nahe der Innenstadt Möglichkeiten, ihr Tier von der Leine zu lassen. Dafür sammeln sie Unterschriften.

Von SZ-Redakteur Frank Kohler


Saarbrücken. Der Partydreck vom Vorabend ragt noch am Nachmittag aus dem Rasen. Becher, Flaschen noch und noch. Reinhold Kirch macht das wütend. Er wird noch wütender, wenn er auf seinen Hund blickt. Den darf er auch auf der Staden-Insel, wo gerade der Dreck liegt, nicht von der Leine lassen. Sonst sind 25 Euro fällig, falls ihn jemand vom Kommunalen Ordnungsdienst erwischt. „Die Stadt soll lieber endlich gegen die Vermüllung hier vorgehen.“ Kirch, mit Tütchen für die Hinterlassenschaften seines Lieblings ausgerüstet, fühlt sich deswegen ungerecht behandelt, und er ist nicht allein.

Das Wort „Abzocke“ fällt oft, als die Hundehalter gegen Mittag zusammenstehen. während ihre Lieblinge übermütig an den Leinen zerren. „Morgens um halb acht kassieren die ab, wenn hier noch niemand außer uns Hundehaltern ist.“ Von „Kriminalisieren“ ist die Rede. als die Diskussion Fahrt aufnimmt. Vom Knöllchen, auch für den nicht angeleinten Uralt-Terrier, der nur noch mühsam mit Frauchen Schritt halten kann. Und von Abzocke. Inge Schaunburg will, dass das aufhört. Sie fordert ein bisschen Freiheit für ihren Boxer Hugo und seine Artgenossen. Auf dieser Insel. Und nicht irgendwo am Stadtrand.

„Wir möchten, dass Hundehalter ihre Tiere auf der Insel am Heizkraftwerk am frühen Morgen und späten Abend ohne Leine laufen lassen können. Und dafür haben wir Unterschriften gesammelt.“ Mehrere hundert sind schon zusammengekommen. wie dicht beschriebene Bögen voller Adressen und Unterschriften zeigen. Die Stadt denkt schon über das Anliegen nach, wie deren Sprecher Thomas Blug sagt. Schließlich seien in Saarbrücken nach den jüngsten Zahlen – von Ende 2009 – 5054 Hunde gemeldet.

Mehrere tausend nicht gemeldete dürften hinzukommen. „Wir prüfen, ob und in welchem Umfang das Ausweisen von Hunde-Auslaufflächen sinnvoll sein könnte. Das Ergebnis geben wir nach Abschluss der Diskussion in den nächsten Wochen bekannt.“ Blug macht kein Hehl daraus, dass die Verwaltung „dieser Idee weiterhin sehr kritisch gegenübersteht“. Das Argument: „Außerhalb der bebauten Ortslage gilt keine Anleinpflicht, zum Beispiel in unseren Wäldern.“

Und im sehr grünen Saarbrücken lasse sich der Wald von fast überall in wenigen Minuten zu Fuß erreichen. Die Stadt sei zudem von idyllischen Weihern, Wiesen und Feldern umgeben. „Dort gilt ebenfalls keine Anleinpflicht. Artgerechter Auslauf für Hunde ist möglich“, sagt Blug. Und setzt noch hinzu: „Kritisch sehen wir zudem die Kosten und die praktische Umsetzbarkeit solcher Hundeauslaufflächen.“

Rechtlich stehe die Saarbrücker Anleinpflicht auf solidem Fundament, versichert Blug mit Blick auf Urteile aus anderen Bundesländern.

Dort waren Hundehalter erfolgreich gegen ihre Knöllchen vor Gericht gezogen. Das saarländische Polizeigesetz sehe seit 2007 ausdrücklich vor, dass Polizeiverordnungen wie die der Landeshauptstadt einen Leinenzwang für Hunde vorschreiben. Stadtsprecher Blug folgert: „Damit wurde Rechtssicherheit geschaffen und der Rechtsprechung aus anderen Ländern entgegengetreten. Daher haben die Entscheidungen aus anderen Ländern mit einem anderen Polizei- und Ordnungsrecht bei uns keine Gültigkeit. Zudem ist unsere Polizeiverordnung zum Anleinzwang klar formuliert.“

Klar formuliert ist aber auch das Anliegen von Inge Schaunburg und ihren Mitstreitern. Sie hoffen, dass es auf der kleinen Staden-Insel morgens und abends nicht beim Anleinzwang bleibt



Stichwort


Diese Vorschriften müssen Hundehalter in Saarbrücken beachten. Sie stehen in der „Polizeiverordnung über die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung auf Straßen und in Anlagen der Landeshauptstadt Saarbrücken“:


Hunde dürfen nicht ohne Aufsicht frei herumlaufen. Die Mitnahme von Hunden zum Beispiel auf Kinderspielplätze, Liegewiesen oder in Bäder Sportanlagen, auf Badeplätze, auf Schulhöfe, Anlagen von vorschulischen Einrichtungen sowie Friedhöfe und Bestattungsplätze ist verboten. Auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen sind Hunde an der Leine zu führen. Hundekot muss unverzüglich beseitigt werden. Wer Hunde mit sich führt, hat dafür zu sorgen, dass niemand gefährdet wird und dass Anlagen nicht beschädigt werden. Hundekot: Den Haltern oder Führern von Hunden ist es untersagt, die öffentlichen Straßen und Anlagen durch Hunde verunreinigen zu lassen. Von Hunden verursachte Verunreinigungen sind vom Halter oder Führer unverzüglich zu beseitigen. Hierzu ist ein geeignetes Hilfsmittel für die Aufnahme und den Transport mitzuführen (z. B. Tütchen) und auf Verlangen vorzuzeigen.

Bußgeld: Wer gegen diese Vorschriften verstößt, kann mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro bestraft werden. ole


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