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Leitpfosten ADAC und Sicherheitsrat zweifeln an Spareffekt



Saarbrücken. Der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) im Saarland hat sich dafür entschieden, ein deutsches Tabu zur Disposition zu stellen: den Leitpfosten an Landstraßen. Anders als in etlichen anderen europäischen Ländern ist er in Deutschland aus dem Straßenbild kaum noch wegzudenken. Mit seinen beidseitig angebrachten Reflektoren dient er vor allem bei Nacht der Abgrenzung der Fahrbahn und dem Erkennen von deren Verlauf. Doch nun ist der LfS auf den Plan getreten und überlegt, die Pfosten teilweise zu entfernen.

Er verweist darauf, dass es sich um „nicht zwingend vorgeschriebene Verkehrseinrichtungen“ handle, deren „Beschaffung und Unterhaltung hohe Kosten und großen Arbeitsaufwand“ verursache. Hochgerechnet auf alle acht Meistereien koste die Beschaffung aller Leitpfosten am Saar- Straßennetz ungefähr 1,6 Millionen Euro. Eine „teure Daueraufgabe“ sei zudem die regelmäßige Unterhaltung. Dabei gehe es um den Ersatz alter Leitpfosten, die Instandsetzung nach Vandalismus, die Neuausrichtung nach Unfällen und Mähvorgängen, die Reinigung und Wiederanbringung von Reflektoren nach Bruch oder Diebstahl oder auch die Wiederaufstellung nach Räumeinsätzen im Winterdienst.

Vor diesem Hintergrund haben sich der LfS und die Verkehrsbehörde des Landkreises Saarlouis dafür entschieden, in einem Modellversuch auszutesten, ob auch eine Welt ohne Leitpfosten vorstellbar ist. Die Wahl fiel auf die täglich mit bis zu 1000 Fahrzeugen befahrene und damit als verkehrsarm geltende L 354 zwischen dem Abzweig der B 405 (zwischen Ittersdorf und Bundesgrenze) und dem Ortseingang von Niedaltdorf. Für die Strecke sprachen lauf LfS der ebene Verlauf sowie die Begrenzung des Straßenzuges mit Bäumen, Sträuchern und Hecken, die eine gute Erkennbarkeit des Verlaufs ermöglichten. Zudem dürfe man dort nur Tempo 50 fahren.

Ferner werde man eine neue, reflektierende Randmarkierung auftragen, damit vor allem auch nachts der Verlauf der Strecke gut erkennbar sei. LfS-Sprecher Klaus Kosok kündigte an, auf einer Länge von über sechs Kilometern alle Pfosten abzubauen und dann ein Jahr abzuwarten, ob sich ein auffälliges Unfallbild ergibt. Wenn der Versuch erfolgreich sei, erwäge man eine Übertragung auf andere Strecken. Indes äußerte sich Christoph Hecht, Fachreferent für Verkehrsicherheit und Straßenbewertung beim ADAC in München, „überrascht“ über den saarländischen Versuch. Denn wenn man dann ersatzweise einen erhöhten Aufwand für die Fahrbahnmarkierungen habe, relativiere sich dieser Einspareffekt deutlich.

Außerdem gebe es natürlich auch Wetterlagen wie Schneefall, bei denen eine Fahrbahnmarkierung nicht mehr weiterhelfe, weil man sie dann schlicht nicht mehr sehe. Detlev Lipphard, Referent für Straßenverkehrstechnik beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat, wies darauf hin, dass gerade gut reflektierende Fahrbahnmarkierungen „richtig viel Geld“ kosteten, was den erhofften Einspareffekt von 1,6 Millionen Euro in Frage stelle. Abgesehen davon stehe dieser in keinem Verhältnis zum gestiegenen Unfallrisiko, denn volkswirtschaftlich gesehen koste ein Verkehrstoter bereits rund eine Million Euro.


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