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Lernen saarländische Grundschüler bald keine Schreibschrift mehr?

Spitzen, Bögen und Schleifen sind typisch für die Schreibschrift. Drei verschiedene Arten werden an deutschen Grundschulen gelehrt (siehe Infobox). Doch in einigen Bundesländern sind die miteinander verbundenen Buchstaben auf dem Rückmarsch. Stattdessen wird den Schülern immer häufiger eine neue Grundschrift beigebracht, die der Druckschrift ähnelt.

Da die Kultusministerkonferenz keine Vorgaben bei Schriften macht, sondern lediglich festgelegt hat, dass Schüler nach der vierten Klasse „eine gut lesbare Handschrift flüssig schreiben“ können sollen, gleicht die Situation in den Ländern einem Flickenteppich. Im Saarland schreibt das Kultusministerium im Kernlehrplan Deutsch der Grundschule aus dem Jahr 2009 vor, dass nach der Druckschrift die Schulausgangsschrift – eine verbundene Schreibschrift (siehe Grafik) – gelehrt werden soll.



Seit dem Schuljahr 2013/14 erprobt die Grundschule Wiedheck in Brebach-Fechingen auf eigenen Wunsch hin für zunächst vier Jahre die Grundschrift. Ab dem neuen Schuljahr startet auch die Grundschule in Saarbrücken-Füllengarten mit dem Modellprojekt. Jährlich müssen sie dem Ministerium Projektberichte abliefern. „Ich war anfangs wirklich skeptisch“, sagt Saskia Schönhöfer, Schulleiterin der Grundschule Wiedheck. Doch dann habe sie das Konzept überzeugt und auch Schulkonferenz und Eltern stimmten dem Versuch zu. Statt der Druckschrift und später der Schreibschrift wird den Erstklässlern nun nur noch die Grundschrift beigebracht. Diese besteht zunächst aus unverbundenen Buchstaben.

Gegen Ende des ersten Schuljahrs erlernen die Kinder Möglichkeiten, wie sie Buchstaben miteinander verbinden können. „Die Häkchen an den Buchstaben verleiten zum Zusammenschreiben. Viele Schüler machen dies auch von selbst“, hat Schönhöfer beobachtet. „Ob sie jetzt beim ‚sch’ alle drei Buchstaben miteinander verbinden oder nur das ‚ch’, bleibt ihnen überlassen.“ Das Ziel sei die Entwicklung einer individuellen Handschrift. Aber Kinder dürften sich auch gänzlich gegen Verbindungen entscheiden.

Die Vorgaben, wonach die Handschrift eines Viertklässlers gut lesbar und flüssig sein muss, seien auch bei der Grundschrift erfüllt. „Auch Erwachsene machen in ihren Handschriften Stopps, verbinden nicht mehr jeden Buchstaben miteinander“, sagt die Pädagogin. Zudem könne die Umstellung auf die Schreibschrift für Kinder einen Bruch darstellen: Sie schrieben anfangs langsamer als in der ihnen vertrauten Druckschrift.

Das Erlernen einer der drei Ausgangsschriften sei ein Umweg, der Zeit und Geld koste, findet der private Grundschulverband, der die Grundschrift entwickelt hat. Kritiker sehen in der Grundschrift die Abschaffung der Schreibschrift und die Zerstörung eines Kulturguts. Für den Verband ist die neue Schrift ebenfalls eine Schreibschrift. Bereits in der Vereinfachten Ausgangsschrift seien nicht mehr alle Buchstaben miteinander verbunden.

„Es gibt bislang keine Studien darüber, wie sich die Grundschrift auswirkt“, sagt die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV), Lisa Brausch. „Durch das Ausprobieren muss man zu belastbaren Ergebnissen kommen.“ Der SLLV begrüße daher, dass im Saarland zunächst der Modellversuch gestartet wurde.

„Eine flächendeckende Einführung ohne Vorlauf würden wir ablehnen.“ Persönlich steht die Grundschulpädagogin der neuen Grundschrift kritisch gegenüber. „Ich bin skeptisch, ob das funktioniert.“ Ihr fehle das Gebundene, die Grundschrift ähnele zu sehr der gedruckten Schrift. „Für Kinder, die Schwierigkeiten bei der Umstellung von Druck- auf Schreibschrift haben, oder eine Lese-Rechtschreibschwäche haben, kann die Grundschrift durchaus ein Gewinn sein.“ Aber sie sieht Schwierigkeiten für Kinder bei der Entwicklung einer persönlichen Handschrift.
Brausch hält es für sinnvoll, dass Kindern eine Handschrift beigebracht wird. „Beim Schulwechsel kommt es zu Schwierigkeiten, wenn die neue Klasse eine andere Schrift erlernt hat.“ Meinung  Erstmal nur ein Versuch
 
Von SZ-Redakteurin
Ute Klockner

 
Hand aufs Herz: Wer verbindet beim Schreiben noch alle Buchstaben, wie er es in der Grundschule gelernt hat? Das Problem bei der Grundschrift ist daher nicht, dass nicht alle Buchstaben verbunden sind, sondern dass es den Kindern völlig frei gestellt ist, ob sie überhaupt Verbindungen in ihre Handschrift integrieren wollen. Schlimmstenfalls tritt ein, was auch die Erfinder der Grundschrift nicht wollen: das Aus für die Schreibschrift. Doch welche Auswirkungen es hat, Kindern keine der drei klassischen Ausgangsschriften mehr beizubringen, lässt sich heute noch nicht sagen. Daher ist es zu begrüßen, dass das hiesige Bildungsministerium zunächst auf einen Modellversuch setzt und von einer sofortigen flächendeckenden Einführung der Grundschrift absieht. Hintergrund In den 16 deutschen Bundesländern wurden bisher drei Schreibschriften praktiziert: seit 1953 die „Lateinische Ausgangsschrift", die 1972 reformiert wurde. Daraus entstand die „Vereinfachte Ausgangsschrift“. Die „Schulausgangsschrift“ wurde 1968 in der damaligen DDR entwickelt und danach angewandt. Auf Initiative des privaten Grundschulverbandes entstand nun die „Grundschrift“.
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