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Leserinnen: Polizei zögert zu lange, bevor sie Tier aus Auto befreit

„Notfalls haut die Polizei ihn raus“ lautete das Fazit eines SZ-Artikels über die Rettung eingesperrter Hunde aus überhitzten Autos. „Stimmt nicht!“, entgegnet SZ-Leser-Reporterin Gabriele Lichtenauer. Sie hatte nach einem Vorfall auf der Folsterhöhe den Eindruck, die Polizei habe „so gut wie nichts unternommen“, um einen kleinen Hund aus einem verschlossenen Auto zu holen. „Der Hund suchte verzweifelt einen Ausgang aus seinem Brutkasten.“ Eine geschlagene Stunde habe die Polizei versucht, den Halter zu ermitteln. Der habe „nur höchst widerwillig“ sein Tier befreit. Für Lichtenauer steht fest: „Anspruch und Wirklichkeit liegen bei der saarländischen Polizei offensichtlich weit auseinander.“

Weit auseinander liegen auch die Einschätzungen Lichtenauers und der Polizei. Wie die Inspektion Alt-Saarbrücken mitteilte, war der Hund „augenscheinlich wohlauf“, als die Streife eintraf. „Wir haben über das Kennzeichen den Halter ermittelt.“ Er sei erschienen und auf sein Fehlverhalten angesprochen worden. Natürlich sei es vom Halter nicht in Ordnung gewesen, den Hund im verschlossenen Auto zu lassen. Allerdings dauerte das Ganze nach Angaben der Polizei maximal eine halbe Stunde. Und der Hund sei eben nicht so schlecht dran gewesen, um das Einschlagen einer Scheibe zu rechtfertigen.

Ähnlich weit auseinander liegen die Leser-Reporterinnen Barbara Hofmann und Heike Hehl sowie die Polizei nach einem Zwischenfall in der Franz-Josef-Röder-Straße. Dort habe über Stunden ein kleiner Hund in einem Auto gesessen, auf das die Sonne knallte. „Die Fensterscheiben waren zwar ein wenig geöffnet.“ Dennoch sei es sehr heiß im Wagen gewesen. „Der Hund zeigte zwar noch keine Erschöpfungserscheinungen, aber da wir nicht wussten, wie lange er schon eingesperrt war, informierten wir um 10.50 Uhr die Polizeidienststelle Alt-Saarbrücken in der Hoffnung, dass man den Hund raushaut, denn für uns war schon Not am Tier!“

Die Polizisten hätten aber „noch“ keine Notwendigkeit gesehen, den Hund zu befreien. Die Polizei dürfe erst eingreifen, wenn der Hund sichtbar stark erschöpft sei, und dies sei für sie noch nicht der Fall. Die Halterin sei festgestellt, aber nicht zu erreichen. Als sie gegen 12 Uhr erschien, habe sie den Kofferraum geöffnet.

„Dort lag noch ein großer Hund, der sehr mitgenommen aussah.“ Reaktion der Halterin? Sie habe aufs Gericht gemusst und nicht gewusst, wo sie die Tiere lassen sollte. „Was wäre gewesen, wenn statt der Hunde ein Kind im Auto gesessen hätte? Muss man dann auch erst den Moment abwarten, bis dieses einen entkräfteten Eindruck erweckt, bevor eingegriffen wird?“ Zur Rechtslage antwortet Horst-Peter Schäfer vom Landespolizeipräsidium: „Was die Polizei tun kann, hängt immer vom Einzelfall ab.

Es gibt zum einen das Tierschutzgesetz, demzufolge ein Tier wegen seiner Haltungsbedingungen nicht zu Schaden kommen darf. Andererseits müssen wir die Verhältnismäßigkeit wahren: Wie heiß ist es? Wie geht’s dem Tier? Müssen wir sofort handeln? Oder haben wir noch Zeit, den Halter zu ermitteln und kommen zu lassen? Da wir bei jedem Einsatz das passende Mittel anwenden müssen, um zum Ziel zu kommen, können wir nicht aufs Geratewohl eine Scheibe einschlagen, wenn es noch andere Möglichkeiten gibt. Ohne den geschilderten Einzelfall zu kennen, gehe ich davon aus, dass die Kollegen so handelten, weil aus ihrer Sicht keine Gefahr für den Hund bestand.“

Die Tipps für diesen Artikel bekamen wir von den SZ-Leser-Reporterinnen Heike Hehl, Barbara Hofmann und Gabriele Lichtenauer.


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