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Letzte Phase des Saar-Bergbaus gestartet

Ensdorf. Zwei unterschiedliche Gefühle prägten gestern die Stimmung der Bergleute im Bergwerk Saar: Wehmut und Stolz. Wehmut, weil gestern mit dem Abbau-Beginn im Flöz Wahlschied Ost auch das Ende des Bergbaus im Saarland spürbar in Gang gekommen ist. Stolz, weil die Mannschaft es in einer Rekordzeit von zwei Monaten geschafft hat, den Streb 8.5, den ersten der drei Strebe im Flöz Wahlschied Ost, betriebsfertig zu machen. Üblicherweise sind für eine solche Aufgabe drei bis vier Monate normal. "Unsere Mannschaft war hoch motiviert, und das, obwohl das Ende bereits feststeht", sagt Armin Zapp, der mit für die Vorbereitung des Abbaus im neuen Feld zuständig war. Bis zum letzten Augenblick werkelten die Bergleute gestern, um den Starttermin zu halten.

Entsprechend geschäftig ging es in der gestrigen Frühschicht zu. Wieder und wieder startete und stoppte das Förderband, wurde der Kettenförderer getestet, Elektriker justierten die Steuerungen, bis um zehn Uhr Ayhan Özdogan die Schrämmaschine in Bewegung setzte und damit den Abbau im neuen Feld startete. Mit lautem Getöse und in Sprühnebel eingehüllt schälten die mächtigen Meißel die Betonverschalung vor dem Streb ab und legte damit die erste Kohle frei.

Mit dem Abbau im Flöz Wahlschied Ost endet der Bergbau im Saarland. Nur noch drei Strebe wird das Bergwerk Saar hier abarbeiten, dann ist Mitte 2012 endgültig Schluss mit der Kohleförderung an der Saar. "Das ist schon etwas Besonderes", sagt Mechatroniker Ron Rauen. "Hier liegen fast 300 Jahre Bergbaugeschichte in den letzten Zügen.

Der Auslaufbergbau soll das sozialverträgliche Auslaufen des Bergbaus gewährleisten. Für einen Großteil der aktuell noch 3319 Bergleute im Saarland heißt das, dass sie jetzt mit einer gewissen Verlässlichkeit ihre Zukunft planen können. Nach dem großen Grubenbeben am 23. Februar 2008 sah das nicht so aus. Damals hatte die saarländische Landesregierung den Bergbau wegen der "Gefahr für Leib und Leben" sofort gestoppt. Unter den Bergleuten herrschte große Unsicherheit. "Damals haben wir uns schon große Sorgen um unsere Zukunft gemacht", sagt Reviersteiger Hans-Jürgen Keller. "Ich habe auch überlegt, ob ich mich noch einmal umschulen muss." Keller wird bis nun bis zur Pensionierung im Bergwerk Saar beschäftigt bleiben.

Die drei Strebe im Flöz Wahlschied Ost sollen bis Mitte 2012 noch 2,5 Millionen Tonnen Kohle liefern. Damit, so Bergwerksdirektor Friedrich Breinig, "ist ein sozialverträgliches Auslaufen gesichert". Allerdings müssen sich 1700 der saarländischen Bergleute auf eine Weiterbeschäftigung in anderen Bergwerken der RAG einstellen. Bereits im kommenden Jahr werden 160 Bergleute nach Ibbenbüren versetzt. Auch Stephan Hess, Betriebsratsmitglied im Bergwerk Saar wird noch ein paar Jahre Pendeln müssen. "Ich werde wohl noch zwei, drei Jahre in einem anderen Bergwerk arbeiten müssen", sagt der 45-Jährige. "In meinem Alter ist das aber nicht so schwierig, da hat man ja ein Ziel vor Augen." Problematischer sei es für die Kollegen, die für lange Zeit nach Ibbenbüren oder Marl wechseln müssen. "Fast alle haben hier ein Haus, eine Familie und feste Bindungen. Da ist ein solcher Schritt schwer", sagt Hess. Vor solchen Schwierigkeiten sieht sich Armin Zapp. Er erwartet, dass er noch sechs bis sieben Jahre außerhalb des Saarlandes arbeiten muss. Sein Haus will er aber nicht verkaufen, auch seine Familie werde wohl bleiben, sagt er. "Mann muss sehen, Fernfahrer sind auch immer auf Achse"

Christian Lory, Auszubildender zum Industriemechanik im 3. Jahr, würde dagegen gerne nach Ibbenbüren wechseln. Doch er wird sich wohl nach einer anderen Stelle im Saarland umschauen müssen. "So wie es aussieht werde ich im Mai, wenn die Lehre beendet ist, noch ein halbes Jahr übernommen", sagt Lory. Was dann kommt, weiß er noch nicht. "Man muss flexibel sein", sagt der 20-Jährige.

Trotz der unsicheren Zukunft sind die Bergleute froh, dass der Abbau weitergeht. "Bergmann ist man mit Herzblut", sagt Zapp. Der Zusammenhalt sei etwas ganz Besonderes. Reizvoll ist für die Bergleute aber auch der Einsatz neuester Technik. In den Streben 8.6 und 8.7 kommt erstmals ein hoch moderner Kohlehobel zum Einsatz.

Obwohl es wenige Tage vor Abbaubeginn Proteste des Landesverbands der Bergbaubetroffenen gab, ist Markscheider Volker Hagelstein optimistisch, dass der Abbau in Wahlschied Ost ohne größere Grubenbeben ablaufen wird. Die Region habe nur einen geringen Sandsteinanteil, außerdem finde der Abbau in geringer Tiefe statt und die darüberliegenden Gesteinsschichten seien durch früheren Abbau schon gebrochen. Die Gegend gelte deshalb als besonders erschütterungsarm.
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