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Letzte Zuflucht Frauenhaus

Diese Frau hat in einer Einrichtung in Herne (Nordrhein-Westfalen) Zuflucht gefunden. Auch in dem Haus in Saarlouis hat jede Bewohnerin ihr eigenes Zimmer. Foto: Hitij/dpa</p>

Diese Frau hat in einer Einrichtung in Herne (Nordrhein-Westfalen) Zuflucht gefunden. Auch in dem Haus in Saarlouis hat jede Bewohnerin ihr eigenes Zimmer. Foto: Hitij/dpa

Es gibt Schicksale, die kann Hanne Beyer-Wagner nicht vergessen. „Klar versuche ich, nach Feierabend abzuschalten“, sagt die Leiterin des Frauenhauses in Saarlouis , „aber in manchen Fällen ist das nicht möglich.“ Ein solcher Fall ist der von Alia (Name geändert). Die junge Frau flüchtete mit ihrem Mann und ihrer Tochter aus Syrien. „Die drei haben Schreckliches erlebt“, erzählt Beyer-Wagner. Von einem Gefängnisaufenthalt in Bulgarien bis hin zur illegalen Grenzüberquerung. „Während der Flucht hat der Ehemann Alia immer wieder geschlagen.“ In Deutschland versteckte sich die Syrerin bei Verwandten. Doch ihr Gatte bedrohte sie weiter und wollte ihr das Kind wegnehmen. „Alia hat das irgendwann nicht mehr ausgehalten. Sie hat sich einfach in den Zug gesetzt und ist weggefahren. In Saarlouis musste sie aussteigen, weil ihre Tochter so sehr geweint hat.“ Die beiden landeten schließlich im Frauenhaus.

In der Einrichtung, die vor 30 Jahren gegründet wurde, gibt es zwölf Plätze. Sie sei meist zu über 100 Prozent belegt. „Im Notfall können wir 16 Personen aufnehmen. Mehr geht aber auf gar keinen Fall.“ 2015 haben 47 Frauen und 41 Kinder in dem Haus Unterschlupf gefunden. In der Regel bleiben die Bewohnerinnen etwa 45 Tage, bis sie ihren eigenen Weg einschlagen und ihre Wohnsituation geklärt ist. Doch eine Auszugsfrist gibt es nicht. „Der längste Aufenthalt zog sich ein Jahr hin.“

Die meisten Frauen, die in Saarlouis Zuflucht suchen, sind zwischen 30 und 40 Jahre alt und kommen aus dem umliegenden Kreisgebiet. Alle sind Opfer von physischer, psychischer oder sexueller Gewalt in der Partnerschaft. „Frauen, die psychisch krank oder drogenabhängig sind, können wir nicht aufnehmen“, erklärt Beyer-Wagner. Sie achtet vor dem Einzug auch darauf, dass die Grundfinanzierung geklärt ist. Sprich die Frauen müssen beim Jobcenter gemeldet und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Ist das nicht der Fall, müssen sie ihren Aufenthalt selbst bezahlen.

Nach ihrer Ankunft erhalten die Frauen ein Willkommenspaket mit Essen und Hygieneartikeln. In einem Aufnahmegespräch erzählen sie, was ihnen zu Hause passiert ist und ob eine Gefährdung vom Partner ausgeht. „Schutz und Sicherheit, das ist für die Frauen in den ersten Tagen besonders wichtig.“ Jede Bewohnerin bekomme ein eigenes Zimmer. Küche, Bad und Wohnzimmer müssen sich die Frauen teilen. „Sie leben zusammen wie in einer WG“, sagt Beyer-Wagner. Einmal pro Woche gibt es eine gemeinsame Einkaufsfahrt. Jederzeit stehen Sozialarbeiterinnen, Erzieherinnen und langjährige Mitarbeiterinnen als Gesprächspartner bereit. Sie helfen auch bei allen bürokratischen Gängen etwa zu Ämtern, Ärzten, Gerichtsterminen und bei der Wohnungssuche. „Die Frauen brauchen in ihrer Krise Entlastung.“ Dennoch müssen sie von Anfang an selbst für sich und ihre Kinder sorgen.

Das sei besonders für die ausländischen Frauen eine große Herausforderung. Denn die müssten nicht nur mit ihrer schwierigen Situation klarkommen, sondern auch noch Sprachprobleme und kulturelle Unterschiede überwinden. Der Anteil an Immigrantinnen liegt im Saarlouiser Frauenhaus bei über 50 Prozent. „Seit der Flüchtlingswelle wenden sich vermehrt syrische Frauen an uns“, erzählt Beyer-Wagner. Sie findet die Arbeit mit den ausländischen Bewohnerinnen schwierig, vor allem aber spannend. „Diese Frauen sind sehr dankbar für die Hilfe. Sie geben alles dafür, ihr Leben alleine auf die Reihe zu bekommen.“

So auch Alia. Nach etwa neun Monaten im Frauenhaus hatte sie Deutsch gelernt, ihrer Tochter einen Kita-Platz besorgt und eine Wohnung gefunden. „Der Abschied fiel mir schwer“, erinnert sich Beyer-Wagner. Sie lässt die Bewohnerinnen meist mit gemischten Gefühlen gehen. „Auf der einen Seite bin ich stolz, auf der anderen Seite habe ich Angst, dass sie wieder zu ihren Männern zurückgehen.“ Das sei leider häufig der Fall. Bei Alia nicht. Sie hat es geschafft und sich ein eigenes Leben aufgebaut. Ab und zu schaut sie noch im Frauenhaus vorbei. „Die Besuche werden aber immer seltener“, sagt Beyer-Wagner. Doch sie wird die junge Syrerin und ihre Tochter für immer im Herzen tragen.

Frauen, die Hilfe brauchen, erreichen das Frauenhaus Saarlouis Tag und Nacht unter der Telefonnummer (0 68 31) 22 00. Die geheime Adresse der Einrichtung erfahren sie im Laufe des Telefonats.

 

Zum Thema:

 

Das Frauenhaus Saarlouis steht unter der Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt . Finanzielle Unterstützung erhält die Einrichtung vom „Förderverein Frauenhaus Saarlouis , Hilfe für Frauen in Not“. Dieser wurde 1985 gegründet. Seine Aufgabe ist es, Hilfs- und Schutzmaßnahmen für misshandelte Frauen und ihre Kinder zu fördern. Vorsitzende ist Sabine Grünwald. Wer Mitglied werden will, zahlt einen jährlichen Mindestbeitrag von 30 Euro. Der Verein freut sich über Spenden, auf das Konto: 57182, Kreissparkasse Saarlouis , BLZ: 59350110. sara

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