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Lothringer Bäcker erfindet Brotback-Automaten

Homburg-Haut. Das japanische Fernsehen war schon da. Die arabische Presse auch. Und gerade kommt noch eine Mail von einem potenziellen Investor aus Rio de Janeiro: Der lothringische Bäcker Jean-Louis Hecht (50) aus Hombourg- Haut ist derzeit ein begehrter Mann. „Manchmal kann ich diesen Wahnsinn selbst kaum glauben“, sagt er und kratzt sich ratlos am Kopf. „Der Wahnsinn“ ist vor allem das weltweite Interesse an einer grauen, etwa zwei Meter großen und 1,2 Tonnen schweren Maschine, die neben Hechts Bäckerei „La boulangerie d’Antan“ an der Metzer Landstraße und vor einer weiteren Filiale Hechts in Paris steht.

Es ist ein Baguette-Automat, der an allen Tagen der Woche und rund um die Uhr frisch gebackene und – vor allem handgemachte und nicht industriel- hergestellte – Baguettes verkauft. „Die Revolution im Bäcker-Handwerk“ wie Hecht versichert. Und so funktioniert sie: Ein Baguette benötigt im Schnitt 20 Minuten Backzeit. Hecht backt seine Brote zwölf Minuten im normalen Holzofen vor – und legt sie danach in eine Kühlkammer des patentierten Automaten. Je nach Kunden- Nachfrage transportiert ein Greifarm nach und nach das knusprige Weißbrot in den Ofen des Apparates, wo Hecht ihm noch acht Minuten bei ein paar 200 Grad gönnt. Wirft der Kunde an der Straße einen Euro ein, holpert wieder dank des Greifarms und einer Mini-Rutsche ein lauwarmes Baguette samt Verpackung aus dem Automaten.



„Ich liebe es, dass das Baguette noch warm ist, wenn es hier rauskommt“, begründet Alain Poitier aus Freyming, warum er das Brot nicht in der geöffneten Bäckerei, sondern am Automaten kauft. Macht sich Jean-Louis Hecht so nicht selbst Konkurrenz? „Im Gegenteil. Ab 30 am Automaten verkauften Baguettes ist es ein rentables Geschäft. Im Moment verkaufe ich täglich über hundert und an Sonntagabenden, wenn die Bäckerei geschlossen ist, stehen die Leute hier draußen Schlange.“ Der Bäckermeister muss jetzt sogar noch jemanden einstellen, um den Ansturm auf sein Automaten- Brot bewältigen zu können.

Damit hätte er vor mehr als zehn Jahren nicht gerechnet, als er noch mit seinem Kompagnon Jean-François Bir und fünf Elektrotechnik-Studenten an dem Prototyp für die Baguette- Maschine herumgebastelt hat. Doch dann ging alles ganz schnell: 2002 stellen Bir und Hecht ihr Konzept bei einer großen Messe in Paris vor und lassen sich im Anschluss ihre Maschine patentieren. Gebaut wird sie zunächst in Portugal. Wert: 55 000 Euro. Bis alle Teile montiert sind, braucht es 250 Stunden. Dank einer ausgeklügelten Software kann der Bäcker die Maschine sogar per Handy steuern, wenn er nicht im Geschäft ist, sondern zu Hause auf der Couch liegt. Was in nächster Zeit wohl nicht häufig vorkommen wird, denn vier weitere Maschinen sind in der Mache und wollen bald bestückt sein: Zwei kommen nach Apach, wo es gar keine Bäckerei mehr gibt, eine nach St. Avold und eine nach Petit Ebersviller.



Und dann wollen Jean-Louis Hecht und sein Geschäftspartner eine eigene Firma gründen – Pani Concepts – um ihr Produkt zu vermarkten. Denn es gibt auch Anfragen aus den Niederlanden. Und aus Russland. Und von einer großen amerikanischen Supermarkt- Kette, die den Baguette- Automaten aus Lothringen haben möchte. „Französisches Baguette? Darauf stehen die Amerikaner, da müssen wir uns keine Sorgen machen“, sagt Jean-Louis Hecht. Nur die Anfragen aus Deutschland ließen noch auf sich warten. Ob sein Baguette gegen Roggenmischbrot eine Chance hat?

Kontakt über E-Mail: Hecht.JeanLouis@gmail.com
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