L 365, Vollsperrung zwischen Ortsausgang Sitzerath, Straße "Muswiese" und Nonnweiler-Bierfeld, Einmündung Maasberg (Zufahrt zur Fa. Diehl), aufgrund eines defekten Schwertransportes (01:43)

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Lothringer Fotograf (28) stribt bei Anschlag in Syrien

Thionville. 2011 war sein Jahr. Libyen, Tunesien, Ägypten. Jubelnde Menschen. Demonstranten, die – schon halb am Boden liegend – Steine werfen. Rebellen mit Waffen. Von Granaten zerstörte Häuser. Eine verkohlte Hand. Gadaffis Leiche. Rémi Ochlik hat alles fotografiert. Er war immer so nah dran wie möglich – so nah am Krieg, dass es ihn nun selbst das Leben gekostet hat. Mit nur 28 Jahren starb der Fotograf aus Lothringen im syrischen Homs bei einem Granatenangriff. In Florange, seiner Heimatstadt, und Thionville, wo er Abitur machte, wehen die Fahnen auf Halbmast.

Abenteurer wollte Ochlik werden, heißt es im „Républicain Lorrain“ (RL). Nach dem Abitur studiert Ochlik Photografie an der Pariser Schule Icart. Zunächst fotografiert er vor allem auf Demos – gegen den Irak oder das G 8-Treffen. Schon während eines Praktikums bei der Foto-Agentur Wostock versucht er, in Kriegsgebiete entsendet zu werden – doch man hält ihn für zu jung. „Man wollte meinen Tod nicht auf dem Gewissen haben“, sagte er 2004 dem RL.

In diesem Jahr habe er dann „den richtigen Riecher“ gehabt – mit nur 20 Jahren macht sich der Lothringer auf eigene Faust nach Haiti auf, landet mitten in einem Bürgerkrieg. Er fotografiert schreiende, verzweifelte Menschen. Ein Junge, der sich einseift, hinter ihm stehen Panzer und Soldaten. Ein regloser Verletzter auf einem Gehsteig – und zahlreiche Leichen. Eines der erschreckendsten Bilder: ein nackter, toter Körper liegt in einem Müllhaufen, an der Leiche schnüffelt ein Schwein.

Die Fotos sind nur kleine Ausschnitte von endlosen Grausamkeiten, die Ochlik gesehen hat. „Man ist gerade 20 und hat keine Lust zu sterben, man würde alles dafür geben, weit weg und nie hergekommen zu sein“, soll Ochlik nach seiner Rückkehr der Zeitung „Alsace“ gesagt haben. Doch er kehrt immer wieder zurück. „Der Krieg ist schlimmer als eine Droge“, sagte Ochlik damals, dem zahlreiche Kollegen ein außergewöhnliches Talent bescheinigen. In Haiti habe er sich bewähren können und es habe ihn darin bestätigt, dass Kriegsfotograf der richtige Beruf für ihn sei, sagte er 2004 dem RL. Der junge Lothringer war „alles andere als hitzköpfig, er war extrem ruhig, fast kalt, sehr überlegt“, meinte der französische Journalist Alfred de Montesquiou im britischen „Guardian“. Für seine Haiti-Fotos erhält Ochlik den François-Chalais- Preis für junge Reporter und darf die Bilder beim internationalen Fotofestival in Perpignan ausstellen. 2005 gründet er die Foto-Agentur IP3, seine Fotos werden unter anderem vom Time Magazine, Le Monde und Paris Match abgedruckt.

Er besucht Orte, die nur wenige ausländische Journalisten gesehen haben – wie 2006 eine Anstalt für psychisch Kranke in Sierra Leone. Die Bilder zeigen Menschen, die auf dreckigen Matratzen liegen, mit dem Fuß ans Bett gekettet. 2008 besuchte Ochlik Flüchtlingscamps in Nord-Kivu (Kongo) – ein von der Weltöffentlichkeit kaum beachtetes Kriegsgebiet. Zwei Wochen vor seinem Tod wird Ochliks Bild eines libyischen Rebellen beim renommierten Fotografie-Preis World Press Photo Award ausgezeichnet – vermutlich seine letzte Ehre.

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