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Ludweiler Waldpädagoge will Kinder, Eltern und Erzieher für den Wald begeistern

Arnulf F. Staap zeigt als Waldpädagoge vom Verein Maltiz Kindern und Jugendlichen den Wald. Auch bei der Volkshochschule des Regionalverbands.

Arnulf F. Staap zeigt als Waldpädagoge vom Verein Maltiz Kindern und Jugendlichen den Wald. Auch bei der Volkshochschule des Regionalverbands.

Herr Staap, früher gingen wir als Kinder einfach in den Wald spielen. Heute gibt es Waldpädagogik. Was war früher anders?

Arnulf F. Staap: Ich bin in Ludweiler aufgewachsen. In der Freizeit und in den Ferien waren alle Kinder der Straße oder des Dorfes draußen. Ganz ohne Betreuung. Die Älteren haben Verantwortung für die Jüngeren übernommen. Kinder ab dem lauffähigen Alter waren draußen. Das war eine sehr erlebnisreiche Zeit.

Warum?

Staap: Spielen ist hochkonzentriertes Lernen. Als wir damals draußen waren, haben wir sehr viel gelernt. Den Hochpunkt meines naturkundlichen Wissens hatte ich mit zehn bis zwölf Jahren. Das ist als aktives Wissen mein Fundament von heute. Und das war auch hochkarätiges soziales Lernen. Man hat sich in eine Gruppe integriert. Innerhalb der Gruppe ist viel reguliert worden. Und wir hatten keine technisierten Spiele. Wir haben mit dem gespielt, was wir gefunden haben. Manche der Spiele spiele ich heute mit den Kindern im Wald. Zum Beispiel Feuerholzversteck, Suchspiele, Räuber und Gendarme, Hütten bauen.

Wie wachsen Kinder heute auf?

Staap: Heute ist das so: Viele Kinder sind die ganze Zeit programmiert mit einem relativ strikten Zeitplan in Kitas und Schulen. Da ist kaum mehr Zeit für spontane Aktivitäten wie Walderkundungen. Dabei ist das so wichtig, um gewisse Grundbedürfnisse der Kinder zu stillen. Ich mache zum Beispiel mit einer freiwilligen Ganztagsschule ein Programm, bei dem wir einmal in der Woche drei Stunden in den Wald gehen. Die drei Stunden vergehen im Minutenrausch. Die Kinder fangen sofort an zu Laufen, wenn wir in der Nähe des Waldes sind. Sie haben einen unheimlichen Bewegungsdrang. Dabei habe ich über die Jahre gemerkt, dass erkunden, erforschen, sich in der Natur bewegen für die Kinder am wichtigsten ist. Danach richte ich auch meine Programme aus. So habe ich jetzt die Waldräuberbande gegründet und war vergangene Woche mit Kindern einer Ganztagsschule als Waldräuber im Wald. Sie haben zum Beispiel gemeinsam einen schweren Stamm einen Berg hochgetragen, um oben daraus ein Lager zu bauen. Und dabei haben sie erlebt, dass es nicht darum geht, ‚ich bin der größte', sondern wir schaffen etwas zusammen. Eine sehr wichtige Erfahrung.

Dafür ist Waldpädagogik da?

Staap: Eigentlich ist in der Forstwirtschaft Waldpädagogik Öffentlichkeitsarbeit für den Wald. Es geht darum, den Menschen für den Wald zu sensibilisieren. Für mich aber steht der Mensch, das Kind, im Mittelpunkt. Deswegen habe ich mich ganz davon abgewandt, für die Waldpädagogik im klassischen Sinne Werbung zu machen. Kinder machen sich alleine für den Wald stark, wenn sie der Wald begeistert. Und das sehe ich als unsere Aufgabe. Denn heute ist es nicht mehr so, dass Eltern ihre Kinder ohne Aufsicht autonom in der Landschaft spielen lassen.

Wovor haben die Eltern Angst?

Staap: Für viele Eltern und auch für Erzieherinnen und Lehrer ist der Wald eine unbekannte Größe. Sie haben Angst davor, mit den Kindern in den Wald zu gehen, weil sie Angst haben, dass da vieles passieren kann. Dabei ist der Wald als Spielplatz einer der ungefährlichsten Orte. Bei Waldkindergärten ist die Unfallhäufigkeit nahezu Null. Und im Wald sind die Erzieher auch viel näher an den Kinder dran, weil viele Störeinflüsse weg sind. Man kann auch beobachten, dass in allen Kompetenzen zwischen den Gruppen drinnen und draußen ein riesiger Sprung liegt. Wir bieten deshalb Fortbildungen an, bei denen es vor allem darum geht, den Erwachsenen die Angst vor dem Wald und wilden Tieren zu nehmen. Und viele unserer Angebote sind auch Elternpädagogik, damit die Eltern wissen, was sie mit Kindern im Wald machen können. Denn heute scheint es notwendig geworden zu sein, dass ein Moderator mitgeht, weil sich die Kinder alleine im Wald gar nicht betätigen können.

Welchen Tipp haben Sie für Eltern und Erzieher , die mit Kindern in den Wald gehen wollen?

Staap: Für Kinder ist der Weg das Ziel. Die Kinder wollen nicht wandern gehen sondern einen Ort erkunden. Kinder lieben die Wiederholung, die gleichen Orte. Sie wollen nicht jedes Mal ein neues Programm. Kleine Kinder brauchen ein kleines Areal. Das Areal wird größer, je älter die Kinder werden. Und man muss bedenken, dass bei allen Menschen und Kindern die Sehnsucht nach Wildnis und Natur ganz tief vorhanden ist. Eine tolle Erfahrung ist es etwa, einem Kind einen Käfer über die Hand laufen zu lassen. Das Bedürfnis, dass Original anzufassen und zu erleben, ist sehr stark. So habe ich neulich zum Beispiel einen Waldspaziergang mit Schafen angeboten. Wir hatten auch kleine Lämmer dabei. Anfangs haben sich die Kinder nicht getraut, die Tiere anzufassen. Nach drei Stunden war das ganz normal.

 

Zum Thema:

Auf einen BlickDer Waldpädagoge Arnulf F. Staap bietet über seinen Verein Maltiz und über die Volkshochschule des Regionalverbands verschiedene Waldprogramme in Großrosseln, Dudweiler, Kleinblittersdorf und Riegelsberg an. Aktuell hat die VHS Großrosseln mit Staap die Familienveranstaltungen „Waldspielplätze“ aufgelegt. Die Auftaktveranstaltung „Märchenhafte Schafe“ ist am Samstag, 19. März, 15 Uhr in der alten Schule in Nassweiler. Anmeldung bei der VHS unter Tel. (0681) 5064380 oder 4381. Die Teilnahme kostet drei Euro für Erwachsene und zwei Euro für Kinder ab drei Jahren. Mehr Infos gibt es bei der VHS oder beim Verein Maltiz Naturerfahrung und Waldpädagogik, Tel. (0 68 98) 43 95 65.maltiz.euvhs-saarbruecken.de
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