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Macht Arals Modell den Spritpreis stabil?

Saarbrücken/Bochum. Aral, mit 23 Prozent Marktanteil die Nummer eins im deutschen Tankstellen-Gewerbe, wird wieder einmal angefeindet. Die Bochumer BP-Tochter wolle mit einem neuen Provisionsmodell für seine Pächter offenbar ein höheres Preisniveau in Deutschland einführen, so die Kritiker. Tankstellen-Pächter, die einen hohen Preis am Markt längere Zeit verteidigen, sollen eine höhere Provision erhalten. Dieses Modell soll in einigen Testregionen – unter anderem im Saarland – ab 1. September eingeführt werden. „Das Provisionsmodell dient auf keinen Fall dazu, höhere Preise am Markt durchzusetzen“, verteidigte sich der Spritriese gestern. „Wir wollen uns nicht mit steigenden Provisionen aus dem Markt rauspreisen“, sagte ein Aral-Sprecher gegenüber unserer Zeitung. „Wir möchten mit neuen Verträgen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Tankstellen erhalten.“ Ein Aral-Tankstellenpächter aus dem Saarland meinte auch, „dass ich nichts davon habe, wenn ich höhere Preise als die Konkurrenz verlange“. „Dann erhalte ich zwar pro Liter mehr Provision, aber an meiner Tankstelle herrscht gähnende Leere.“ Zurzeit kassiert ein Pächter pro Liter Sprit 1,1 Cent an Provision, so der Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG). Hinzu komme eine Grundvergütung zwischen 13 000 und 14 000 Euro pro Jahr. Das Aral-Modell sieht vor, dass zentral ein Referenzpreis festgelegt wird. Verkauft der Pächter das Benzin teurer, erhält er eine Provision von zwei Cent.



Erreicht er den Referenzpreis, bleibt die Vergütung gleich. Er kann den Referenzpreis um bis zu zwei Cent unterschreiten. Wenn Aral ihm das zugesteht, erhält er weiter die derzeit gültige Provision. Erlöst der Pächter drei bis vier Cent weniger als der vorgegebene Referenzpreis, muss er mit Abzügen rechnen. „Das Modell hat Charme für die ganze Branche“, ist ZTGGeschäftsführer Jürgen Ziegner überzeugt. Er rechnet fest damit, „dass dann die nervende Dreherei an der Preisschraube aufhört“. Vor dem Wochenende würden die Preise angehoben, „Richtung Sonntagabend bröckeln sie wieder ab“. Montag morgens komme erneut ein Schub, der nicht lange anhält. Denn jeder warte, bis der erste Wettbewerber reagiert und die Preise senkt. 196 mal haben die Tankstellen im vergangenen Jahr die Preise angehoben oder sind wieder zurückgerudert. „Das System des festen Provisionssatzes pro Liter belohnt diejenigen Pächter, die viel Sprit verkaufen. Und das geht nur über den Preis“ erläutert Ziegner. Wer diesen aber länger oben halten kann, ohne Gefahr zu laufen, Provisionserträge zu verlieren, sorge für eine Verstetigung am Markt. Hoher Aufwand Ob sich das Modell durchsetzt, bezweifelt Ziegner noch. „Es ist wegen der unterschiedlichen Provisionssätze mit viel Aufwand verbunden“. Gespannt wartet er auf das Ergebnis des Versuchs, der ab 1. September auf ein halbes Jahr angelegt ist. 250 Aral-Stationen in Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland sollen daran teilnehmen. Das sind etwas mehr als zehn Prozent der 2400 Aral-Tankstellen.



Im Saarland seien das höchstens drei Stationen, meint ein Aral-Pächter, der nicht dabei ist. Um welche Tankstellen es sich handelt, gab die BP-Tochter nicht bekannt. Beim Automobil-Club ADAC gibt man sich wegen dieses Experiments gelassen. „Ob sich das Modell durchsetzt, muss am Ende der Markt entscheiden“, sagt ADAC-Sprecher Jürgen Grieving. „Beim Vergleich der Tankstellen-Preise wird Aral den einen oder anderen Stammkunden verlieren“, ist er überzeugt. „Der Wettbewerb wird weiter angefeuert.“
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