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Mal herzlich, mal unerbittlich: Basketball-Trainer René Spandauw

Der Erfolgstrainer übt auf die Basketballerinnen der Saarlouis Royals beim Training schon mal massiven Druck aus. Doch auf diese Weise brachte er bereits einige seiner Schützlinge bis in die Nationalmannschaft. Privat ist der Holländer eher ein herzlicher Typ.

Saarlouis.
Die Passantin schaut verdutzt, als könne sie nicht so recht glauben, was sie da gerade erlebt hat. Sie wollte doch nur mit ihrem Fahrrad auf einer Fußgängerbrücke über den Saaraltarm an dem großen Holländer vorbei, der dort läuft. Als der artig Platz macht und sie sich mehr pro forma leise bedankt, sagt dieser laut: „Bitteschön. Gern geschehen. Einen schönen Tag noch.“ Und grinst dabei freundlich.

Herzlich, verständnisvoll...

In einem Café in der Saarlouiser Altstadt freut sich die junge Bedienung, den 52-Jährigen zu sehen. Küsschen links und rechts, die Stimmung ist entspannt. Die Szene wiederholt sich des Öfteren, sobald jemand den Basketball-Trainer, der aufgrund seiner Körpergröße von 1,95 Metern kaum zu übersehen ist, erkennt. Bei Männern natürlich ohne die Küsschen, aber nicht weniger herzlich.

Zwei typische Szenen für René Spandauw, Trainer der Saarlouis Royals. „Ich kann nichts dafür, ich bin einfach so“, sagt er. Aber wie ist „so“ bei einem Menschen, der zumindest bei den Besuchern der Heimspiele der Saarlouiser Basketballerinnen einen eher cholerischen Eindruck erweckt? Da passiert es nämlich eher selten, dass er ruhig auf seiner Bank sitzt und sich das Spiel anschaut.

... und unerbittlich
Viel öfter schreit er. Laut. Weil er unzufrieden ist mit dem, was er sieht. Manchmal wechselt er eine Spielerin aus, würdigt sie dabei keines Blickes. Gerade wenn sie sich auf die Bank setzen will, zitiert er sie zu sich und signalisiert ihr, dass sie sofort wieder ins Spiel kommt. Bis es soweit ist, schaut er sie eindringlich an, stellt ihr kurze und präzise Fragen. „Wirst du jetzt kämpfen?“ zum Beispiel. Es wirkt, als übe er einen geradezu unmenschlichen Druck aus, gerade auf die jungen Spielerinnen.

Doch es funktioniert. Seit Jahren sucht er sich deutschlandweit Talente und formt sie bis zu Nationalspielerinnen – wenn sie mitziehen. Die besten Beispiele sind Stina Barnert und Romy Bär, zurzeit zwei Leistungsträgerinnen im Nationalteam – und dabei gerade mal knapp über 20.

Doch es gibt auch den anderen René Spandauw. Der, der sich selbst als lieb, gewissenhaft und verständnisvoll bezeichnet. „Und ernst, wenn es sein muss, aber auch witzig, wenn es sein darf“, fügt er hinzu. Doch passt das zu dem, was nach außen dringt? Spandauw erinnert sich an das erste Foto, das er in der Saarbrücker Zeitung von sich sah. Das war 2004. Er hat einen grau-braunen Anzug an und schreit am Spielfeldrand. „Ja, das sieht alles andere als sympathisch aus“, gibt er zu. Aber noch heute besteht er darauf, dass er dieses Jacket nicht kennt: „So eins hatte ich nie.“ Er grinst wieder.

Jemand, der sich einbringt
Dieses Foto zeigt nur eine Seite von vielen. Der andere Spandauw wohnt nicht nur im Saarland, er lebt hier. Er bringt sich ein. Er stürmt gemeinsam mit den Narren beim Fastnachtsumzug das Rathaus. Und er unterhält sich mit jedem. Ohne Ausnahme. Dazu hat Spandauw eine Geschichte parat: „Als ich in den USA war, habe ich mich des Öfteren mit dem Hausmeister der Halle unterhalten, in der wir immer gespielt haben. Irgendwann fragte der mich, warum ich das überhaupt tue. Sonst zeige keiner Interesse an ihm. Er konnte das nicht verstehen.“

Doch für Spandauw gibt es keine Unterschiede: „Jeder spielt seine Rolle in einer Gemeinschaft. Jeder ist wichtig. Ob es nun der Trainer oder der Hausmeister ist.“ Vielleicht ist das der Satz, der Spandauws Einstellung am treffendsten beschreibt. Typisch für ihn sind aber auch die Aktionen, für die er sich zusammen mit seiner Mannschaft immer wieder zur Verfügung stellt. Bei den „Sternen des Sports“ ist er Pate. Er spielt öfter mal Golf für einen guten Zweck. Mit den Royals kochte er in einem Nobelrestaurant und spendete die Einnahmen. Und das nicht aus PR-Gründen. „Wir alle haben eine soziale Verantwortung, sollten uns engagieren“, sagt er.

Die Brücke zum Sport ist da schnell geschlagen. Und doch überraschen die Sätze, die der sonst so ehrgeizig wirkende Spandauw von sich gibt. „Erfolg ist mehr, als Spiele zu gewinnen. Ein Sieg ist schön, aber es gibt Wichtigeres. Beispielsweise Freude zu vermitteln. Kampfgeist. Menschlich sein, und dazu gehören eben auch Niederlagen.“

"Viele nehmen Sport viel zu ernst"
Er will mit seiner Mannschaft ein Teil, ein Spiegel der Gesellschaft sein, in der er lebt. „Viele nehmen Sport viel zu ernst. Ob das nun Fans oder die Sportler und Funktionäre sind. Wir müssen uns immer wieder klar machen, dass wir in einer bevorzugten Position sind. Wir haben die Freiheit, unser Leben zu gestalten und in einem Zweig zu arbeiten, der eigentlich ein Hobby ist. Ich denke, das wird von vielen nicht mehr geschätzt.“

Als Beispiel nennt er den FC Barcelona, der zu einem Spiel nach Mailand wegen des Vulkanausbruchs auf Island nicht fliegen konnte, sondern mit dem Bus fahren musste. Spandauw zückt sein Handy, berechnet damit die Entfernung und schüttelt dann den Kopf: „977 Kilometer, das sind etwa neun Stunden. Aber diese Spieler – die übrigens Millionen verdienen – haben sich beschwert.“

Millionen verdient Spandauw nicht als Trainer einer Frauen-Basketball-Mannschaft in Saarlouis. Im Ausland wäre es etwas mehr als hier, aber dorthin will er nicht. Er will etwas entwickeln, ohne dass ihm jeder hineinredet – und das kann er im Saarland. Auch er ist vom Erfolg abhängig, das weiß er.

Spandauw ist auch derjenige, der sich am wenigsten aufregt, wenn sich einmal eine etablierte Spielerin aus Saarlouis verabschiedet. Denn für ihn bedeuten „anhaltende Änderungen“ erst Fortschritt: „Wenn Leute ihre Chance wahrnehmen und sich entwickeln, Verantwortung übernehmen, dann können gute und große Dinge entstehen.“

Zur Person
Geboren am 8.Juni 1958 in Groningen – Diplom in Sportmanagement, Master in Sportmanagement an der University of Southern Mississippi, Hattiesburg (USA) Basketball-Coach seit 1982, unter anderem der Jugend-Nationalmannschaften der Niederlande.

Dozent bei Trainerfortbildungen in den Niederlanden, Belgien, Deutschland, USA, England, Schottland. Von 2001 bis 2003 beim USC Freiburg, danach Assistenztrainer an der University of Southern Mississippi, seit Juli 2004 Trainer der TV Saarlouis Royals.
Größte Erfolge mit Saarlouis: Deutscher Pokalsieger 2008, 2009 und 2010; Deutscher Meister 2009 und 2010
Halbfinale im Fiba Europe Cup 2010










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