A6 Metz/Saarbrücken Richtung Kaiserslautern AS Rohrbach Bauarbeiten, Ausfahrt gesperrt, Einfahrt gesperrt bis 16.10.2017 06:00 Uhr (18.09.2017, 06:59)

A6

Priorität: Dringend

15°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
15°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

„Man muss die Entspannung im Alltag einbauen“

Herr Horn, warum werden viele Menschen im Urlaub krank?

Horn: Es gibt viele Hinweise dafür, dass Menschen, die gewohnt sind, unter Stress zu arbeiten, verlernen, ihre Grenzen wahrzunehmen. Und in dem Moment, wo die Arbeit abbricht, kommen sie in Kontakt mit dem, was sie sonst immer verdrängen. Das sind Gefühle, die mit Lebensproblemen zu tun haben, mit Konflikten, Trauer, Angst. Ihr Körper reagiert dann mit Stress-Symptomen. Diese können ein depressives Gesicht tragen oder körperliche Leiden hervorrufen.

Ist der Begriff der „Freizeit-Krankheit“ denn gängig?

Horn: Das Phänomen ist nicht neu, schon vor fast 100 Jahren hat Sándor Ferenczi, ein Freud-Schüler, den Begriff der Sonntagsneurose geprägt. Wir sprechen klassisch, wenn es sich um psychische Krankheitsbilder handelt, von einer Entlastungsdepression. Bei eher körperlichen Erkrankungen in der Freizeit hat sich noch kein Begriff durchgesetzt, weil es bislang noch zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen dazu gibt. Aber „Leisure sickness“ passt im Grunde gut.

Welche Menschen leiden vor allem darunter?

Horn: Was sehr mit dem Problemfeld verbunden ist, ist ein Begriff, der meiner Meinung nach zu Unrecht aus der Mode geraten ist: die Arbeitssucht. Es gibt viele Menschen, die sich in den Berufsalltag stürzen, weil sie dort Anerkennung bekommen und tatsächlich süchtig werden. Sie stürzen sich so eskalierend in den Arbeitsprozess, dass sie nicht mehr merken, dass sie sich selbst schädigen. In diesem Sinne kann die „Leisure sickness“ auch eines der ersten Symptome des Burnout-Syndroms sein.

Steigt die Zahl der Patienten, die mit Symptomen einer „Freizeit-Krankheit“ zu Ihnen kommen?

Horn: Man sieht dieses Phänomen auch in unserer Klinik. Ob die Zahl der Betroffenen steigt, lässt sich nicht feststellen, weil statistische Vergleiche fehlen. Als Arzt kann ich sagen: Das Phänomen ist sehr häufig, vor allem bei den Überstrapazierten, überzogen Pflichtbewussten. Wir kennen Lehrer, die am ersten Ferientag einen Hörsturz bekommen oder Leute, denen das Gleiche auf der Flugreise in den Urlaub passiert. Andere fahren mit dem Wohnwagen ans Meer, und in dem Moment, in dem der Urlaub beginnen könnte, stürzen sie in eine tiefe Depression oder bekommen Fieberschübe.

Warum passiert das?

Horn: Der Schutzschild des Körpers bricht in den Leerlaufphasen zusammen. Unter Stress ist der Körper in einem Zustand der hormonellen Dauer-Alarmierung. Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol werden in großen Mengen ausgeschüttet. Irgendwann verliert der Körper die Fähigkeit, das hormonelle Stress-System wieder herunter zu regulieren. Vieles daran ist aber noch unerforscht.

Was kann man tun?

Horn: Sich einen gelassenen Arbeitsstil zulegen mit regelmäßigen Entspannungsphasen und einer hohen Achtsamkeit für das, was man selbst braucht und was man eigentlich möchte im Leben. In der Klinik bieten wir solche Achtsamkeits-Trainings an. Das Problem bei den Dauer-Gestressten ist, dass sie schon an Pausen denken, aber diese Pausen immer verschieben, bis zum nächsten großen Urlaub, bis zur Rente. Doch das nützt nichts: Man muss die Entspannung im Alltag einbauen.

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein