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„Manchmal bin ich schon erstaunt, wie die Leute parken"

„Wenn ich in der Zone bin, schaue ich mir diese Straße immer an“: Holger Höpfner biegt flotten Schrittes in die Neikesstraße ein, eine kleine Straße in St. Johann mit einem Wendehammer. Hier gibt es Anwohnerparkplätze, Ticketbereiche, Parkplätze für Behinderte, Halteverbotszonen, und ganz in der Nähe sind Krankenhaus, Seniorenheim und Turnhalle. Unterschiedliche Interessen treffen hier zusammen, weiß Höpfner.

Er ist Verkehrskontrolleur. Kaum da, hat der 44-Jährige Arbeit: Ein Wagen steht doppelt falsch – im Halteverbot und auf dem Gehweg. „Ich verwarne ihn, weil er auf dem Gehweg steht, denn das könnte insbesondere für Rollstuhlfahrer problematisch werden“, sagt Höpfner. Er kann, erzählt der Mann im blau-weiß gestreiften Diensthemd, „immer nur einen Verstoß ahnden“. Die Sache mit dem zugeparkten Bürgersteig wiege hier schwerer. Höpfner schaut noch ins Auto, bevor er sein Dienst- Smartphone aus der Gürteltasche zieht und das entsprechende Programm wählt. Er fotografiert das Verkehrsschild und den Wagen aus mehreren Perspektiven, erfasst, auch mit dem Mobiltelefon, Kennzeichen, Zeit, Ort und weitere Daten. Alles wird abgespeichert. Dann zieht er aus der Seitentasche seiner Hose einen Zettel, befestigt ihn am Scheibenwischer: Die Info für den Fahrer, dass er in Kürze Post, nämlich einen Anhörbogen, bekommen wird. Dieser ganz normale Arbeitstag für Holger Höpfner startete offiziell um 7.39 Uhr. Der gebürtige Pirmasenser ist einer der Außendienstmitarbeiter der städtischen Verkehrskontrolle (siehe „Hintergrund“). Er überwacht den ruhenden Verkehr.

In zwei Schichten gehen er und seine Kollegen montags bis samstags auf verschiedene Touren. Sie sind – abzüglich Pausen und Absprachen in der Zentrale in der Großherzog-Friedrich- Straße – stets draußen. Tagsüber allein, am Abend zu zweit. Da kommen schnell mal zehn bis 15 Kilometer zusammen. Auch wenn er ab und zu mit Bussen und Bahnen fährt (das darf er kostenlos): Nicht umsonst hat Höpfner stets eine Wasserflasche dabei, nicht von ungefähr sind manchmal die Beine schwer. „Elf Zonen gibt es, die wir zu Fuß abgehen“, erzählt der 44-Jährige. Jeweils eine Woche sei man in einer Zone. Die Außenbezirke würden mit dem Auto angefahren.

Die kleine Straße, die in seine heutige „Zone 4/5“ (Nauwieser Viertel bis St. Johanner Markt) gehört, wird ihn in den nächsten 20 Minuten beschäftigen. Fünf Fahrzeuge notiert er, vier davon haben weder am Automaten noch per SMS einen Parkschein gelöst (was zehn Euro kostet), dazu kommt der Gehwegparker mit 20 Euro. Die Beträge sind bundesweit gleich. Höpfner kennt die falschen Annahmen mancher: „Wir haben übrigens keine Vorgaben, dass man mit soundsovielen Fällen reinkommen muss.“ Er lächelt: „Und wir werden auch nicht an den Umsätzen beteiligt.“

Es geht weiter. „Manchmal bin ich schon erstaunt, wie die Leute parken. Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt der Mann mit der Brille. Höpfner entdeckt so einiges: Unlesbare Anwohnerparkausweise; Wagen ohne Parkschein; Anwohnerfahrzeuge, die auf Plätzen stehen, für die ihr Ausweis gar nicht gilt; einen Bus, der auf einem Behindertenparkplatz hält; den Kleintransporter eines Handwerkers, der ohne Ausnahmegenehmigung auf dem Gehweg parkt oder auch einen Pkw, der am selben Morgen schon anderswo erfasst wurde. „Manchen ist das vielleicht egal“, sagt er. Einerseits. Auf der anderen gebe es aber auch die, sagt er betroffen, „die einen anbetteln, weil sie die 15 Euro nicht zahlen können.“

Seit Herbst ist Holger Höpfner dabei, er ist einer der „Neuen“, die zusätzlich eingestellt und ausgebildet wurden. Seinen Job als Stationsleiter am Flughafen hatte der gelernte Kaufmann nach der Schließung des Air Berlin- Schalters verloren.

Aus Ormesheim wegzuziehen, war keine Option, schließlich arbeitet seine Frau auch hier. Da kam die Stellenanzeige gerade recht. „Ich bin grundsätzlich sehr froh über diesen Job, er macht mir viel Spaß.“ Es gebe viele Parallelen zum vorherigen: „Man hat auch viel mit Kunden zu tun und viele Bürgergespräche.“ Von denen gebe es – ja, wirklich! – mehr positive als negative. Beweise dafür bieten sich an diesem Morgen viele: „Wo kann ich parken, wenn ich ins Krankenhaus will?“, will einer wissen. Höpfner zeigt auf Flächen in der Nähe. „Können Sie mir wechseln, damit ich das Ticket bezahlen kann?“, heißt es kurz drauf. Der Mitarbeiter des Ordnungsamtes hat Tipps, wo das geht. Dankbar auch ist das verirrte Paar mit dem fremden Kennzeichen, dem Höpfner den Weg beschreibt.

Manchmal gibt es Lob der Anwohner für die Kontrollen. „Die netten Gespräche merke ich mir, von denen lebe ich, die schlechten sind direkt vergessen“, so seine Strategie. Der Kontrolleur sieht sich als Botschafter der Stadt, ist nett und zuvorkommend. Und bleibt es auch, wenn das Gegenüber unfreundlich reagiert. Die Bandbreite reicht hier von Ignoranz über Muffeligkeit bis hin zu harschen Sätzen. Bei verbalen Angriffen schalte er auf Durchzug, sagt Höpfner. Einmal erlebte er, dass die Grenze überschritten wurde: Da riss ihm ein wütender Autofahrer das Handy aus der Hand.

„Wir müssen alle gleich behandeln, nichtsdestotrotz kann ich manche gut verstehen“, sagt der Kontrolleur. Zum Beispiel den jungen Lieferanten in der Bleichstraße. Der fragt ihn verzweifelt, wo er mit seinem Lkw, darin ist eine 500-Kilo-Ladung, sonst parken soll als direkt vor dem Geschäft – auf der Fahrradspur. Höpfner belässt es bei einer mündlichen Verwarnung, weil der Mann einsichtig ist und direkt wegfährt.

Der 44-Jährige geht weiter auf seiner Tour. „Ich muss für das geradestehen, was ich verwarne und wie ich es verwarne“, sagt er. Auch etwas später lässt er das Smartphone in der Tasche: „Das ist ja quasi eine Notlage.“ Ein Auto steht in der Betzenstraße im absoluten Halteverbot. Darin: Eine Frau mit einer Baby-Trinkflasche in der Hand, ein Kind neben sich: „Ich musste anhalten, das Kind hat so geschrien“, entschuldigt sie sich hektisch. Statt eines Knöllchens bekommt die sichtlich dankbare Frau Tipps, wo sie das Baby besser ungestört trösten kann. Das ist sicherlich eines dieser Gespräche, an die sich Kontrolleur Höpfner noch länger erinnern wird.

HINTERGRUND

Die Landeshauptstadt, teilt Stadtsprecher Thomas Blug mit, hat derzeit 40 Außendienstmitarbeiter in der Verkehrskontrolle. Im Oktober 2013 wurden 20 zusätzliche Kontrolleure eingestellt (die SZ berichtete). Angehende Verkehrskontrolleure besuchen zu Beginn einen sechswöchigen Lehrgang zum ruhenden Verkehr, der bestanden werden muss. Aufbaulehrgänge können folgen.

Alle Mitarbeiter nehmen jährlich an Deeskalationsschulungen teil. Die Kontrollen finden im gesamten Stadtgebiet statt. Darüber hinaus gibt es bei Beschwerden der Bürger Schwerpunktkontrollen. Die Außendienstmitarbeiter in der Verkehrskontrolle überwachen sowohl den ruhenden als auch den fließenden Verkehr und sind für die Rotlichtüberwachungsanlagen zuständig.

Dazu dürfen sie nach § 56 OWiG Verwarnungen erteilen und ein Verwarngeld zwischen fünf Euro und 55 Euro erheben und gegen Quittung auch kassieren. Nach § 53 Abs. 1 OWiG und § 163 b StPO haben die Kontrolleure dieselben Rechte und Pflichten wie bei der Verfolgung von Straftaten, insbesondere die Befugnis zur Identitätsfeststellung (§ 9 SPolG).

2013 hatte die Stadt laut Blug durch die Kontrollen insgesamt Einnahmen von 2 185 928,18 Euro (ruhender und fließender Verkehr sowie Rotlichtverstöße). up

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