A1 Saarbrücken Richtung Trier Zwischen AS Saarbrücken-Neuhaus und AS Riegelsberg Unfallaufnahme, Gefahr (18:18)

A1

Priorität: Dringend

0°C
weather-
0°C
weather-

Manipulations-Verdacht: Saarbrücker Szene-Wirte in Haft

Symbolfoto.

Symbolfoto.

. Nur ein winziges Schild am Briefkasten eines Hauses am St. Johanner Markt in der Saarbrücker Altstadt weist auf den Firmensitz der Coyote GmbH, einer Gesellschaft für Restauration und Gastronomie, hin. Die Post, die Briefträger dort für die beiden Geschäftsführer S. (55) und B. (52) einwerfen, erreicht derzeit ihre Empfänger kaum. Die beiden Szene-Gastronomen, die in bekannten Kneipen rund um den St. Johanner Markt, im Heidelberger Coyote Café und wohl auch in einem Luxemburger Café das Sagen hatten, sind derzeit nur sehr schwer erreichbar. Beide sitzen seit mindestens zehn Tagen in der Justizvollzugsanstalt auf der Saarbrücker Lerchesflur in Untersuchungshaft. Staatsanwaltschaft und Ermittlungsrichter gehen nach Informationen unserer Zeitung von Fluchtgefahr aus. Bereits vor zwei Wochen erfolgte eine groß angelegte Durchsuchungsaktion, in deren Rahmen Geschäftsführer S. in einem Marktlokal festgenommen worden sein soll. Umfangreiches Beweismaterial, unter anderem Kassensysteme und Computer wurden dabei beschlagnahmt. Gegen Geschäftsführer B. wurde erst einige Tage nach der Razzia am St. Johanner Markt ein Haftbefehl vollstreckt.

 

Die Steuerfahndung ist dem 55-jährigen Saarbrücker S. und seinem drei Jahre jüngeren Geschäftspartner B. mit Wohnsitz in Riegelsberg sowie angeblichen Adressen in Panama und Kontakten nach Kuba seit Monaten auf der Spur. Die Ermittler gehen – so SZ-Informationen – derzeit davon aus, dass das Duo von 2010 bis 2014 mehr als 1,4 Millionen Euro Steuern hinterzogen hat. Sollte sich dieser Betrag als Schaden zum Nachteil des Fiskus bestätigen, droht ihnen eine mehrjährige Haftstrafe.

 

Bei einem Großteil der angeblich hinterzogenen Abgaben soll es sich – so war zu erfahren – um Umsatzsteuer handeln. Es geht aber offenbar auch um Körperschafts-, Solidaritätsbeitrag und Gewerbesteuer. Nach Recherchen unserer Zeitung ist davon auszugehen, dass die Fahnder konkrete Hinweise auf Manipulationen an den Kassen von Gaststätten in Saarbrücken und Heidelberg entdeckt haben. Die tatsächlich erzielten Umsätze sollen über Jahre hinweg verschleiert worden sein. Betriebsprüfer, die 2011 bei der Firma auftauchten, sollen Alarm geschlagen und ihre Kollegen von der Steuerfahndung eingeschaltet haben. So war zu erfahren, es bestehe der Verdacht, die Kneipenchefs hätten sich per Laptop in das Kassensystem einiger Lokale eingeloggt und mit Hilfe eines eingespielten Programmes die Umsätze verändert. Angeblich soll es dafür sogar Belege geben, die an einzelnen Tagen Differenzen von mehr als 1000 Euro zwischen dem abgerechneten Umsatz und den tatsächlich erzielten Einnahmen dokumentieren. Dies war wohl Anlass für die Steuerprüfer, den gebuchten Wareneinsatz mit den Preislisten zu überprüfen, was zu gravierenden Differenzen führte.

 

Die Rechtsanwälte Professor Guido Britz (St. Ingbert) und Joachim Giring ( Saarbrücken ), die die Szene-Gastronomen verteidigen, bestätigten auf Anfrage die Verhaftung ihrer Mandanten. Gegen die Haftbefehle sei zwischenzeitlich Beschwerde eingelegt worden. Zu den Tatvorwürfen wollten Britz und Giring allerdings keine Angaben machen. Pressestaatsanwältin Victoria Hänel teilte mit, „aus rechtlichen Gründen“ sei die Staatsanwaltschaft an einer Auskunft gehindert. Hintergrund ist das Steuergeheimnis.

 

Derweil führt in diesem Wirtschaftskrimi mindestens eine Spur nach Panama und möglicherweise zu Briefkastenfirmen in dem Steuerparadies. Wie unsere Zeitung erfahren hat, fanden die Ermittler bei einem der Beschuldigten eine Visitenkarte, die ihn als Präsident einer Firma in Panama vorstellt. Die auf der Karte angegebene Handynummer soll auf eine Firma der beiden inhaftierten Geschäftsführer in Saarbrücken registriert sein. Auch eine Kreditkarte einer Bank in Panama soll bei der Razzia vor zwei Wochen beschlagnahmt worden sein.
Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein