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Mann (72) prellt Ärzte und Apotheker um 16 Millionen

Von SZ-Redakteur Wolfgang Ihl

Saarbrücken. Mit gut einem Jahr Verspätung hat das Landgericht gestern einen 72 Jahre alten Angeklagten zu viereinhalb Jahren Gefängnis wegen Anlagebetruges im ganz großen Stil verurteilt. Mit einem entsprechenden Urteil hatten Prozessbeobachter eigentlich schon Anfang 2010 gerechnet. Aber dann setzte sich der geständige Rentner im damals laufenden Strafprozess nach Südamerika ab. Es dauerte eine Weile, bis er dort gefunden, inhaftiert und zurück nach Deutschland geschickt wurde.

Nach Feststellung der Richter im zweiten Anlauf des Strafprozesses hatte der gelernte Koch bereits in den 80er Jahren damit begonnen, die Basis seines ganz speziellen Geldanlagemodells zu legen. Damals war er in der Versicherungs- und Anlageberatung tätig. Mitte der 90er Jahre warb er speziell in Fachzeitschriften für Ärzte, Apotheker oder Jäger mit ertragsträchtigen, sicheren und langfristigen Geldanlagen. Er versprach zwischen acht und vierzehn Prozent Zinsen bei Garantie des eingesetzten Kapitals. Etwa 100 Geldanleger ließen sich darauf ein und zahlten insgesamt 16 Millionen Euro.

Das Geld wurde angeblich bei Firmen des Angeklagten in der Schweiz und später in Gibraltar sicher angelegt.
Das stimmte nach Feststellung der Richter aber nicht. Der Angeklagte habe die Millionen vielmehr selbst investiert – in das Unternehmen eines Schweizers in Panama. Dieser Schweizer versprach und zahlte offenbar zeitweise eine sagenhafte Rendite von 48 Prozent. Davon konnte der Angeklagte problemlos die Zinsen seiner Geldanleger zahlen und sich ein Leben im Luxus mit Nobelimmobilien sowie Nobelkarossen der Marken Ferrari, Lamborghini, Jaguar und Landrover leisten. Aber dann platzte 2004 die Spekulationsblase.

Die Firma des Schweizers – offenbar die Basis eines Schneeballsystems – brach zusammen und das angeblich sicher angelegte Kapital der Anleger des Angeklagten war weg. Der Angeklagte teilte dies seinen Kunden mit und stellte jegliche Zahlungen an sie ein. Er verfügte damals noch über ein Vermögen von 20 Millionen Euro. Ermittler konnten davon Sachwerte von 12 Millionen Euro sicherstellen. Unklar ist bis heute der Verbleib von rund acht Millionen Euro Bargeld, die Ende 2004 angeblich in Panama deponiert gewesen sein sollen.

Dieses Land war im Jahr 2010 dann auch das Ziel der Flucht des Angeklagten. Dort wurde er entdeckt und kam in Haft, bevor er nach Deutschland ausgeliefert wurde. Die Haftbedingungen müssen schlimm gewesen sein. Der Angeklagte kritisierte sie gar als unmenschlich. Die Saarbrücker Richter rechneten die Haft in Panama deshalb im Urteil doppelt auf die nun noch zu verbüßende Haftzeit an. Mehr sei nicht möglich, betonte die Vorsitzende. Schließlich habe der Angeklagte freiwillig in Panama gelebt. Dann müsse er auch die dortigen Bedingungen bis zu einem gewissen Punkt akzeptieren.
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