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Mann bedroht Vermieterin mit Erbsenpistole

Saarbrücken. Die schärfsten Mittel des Strafrechts hat das Landgericht gegen einen 30 Jahre alten Saarländer eingesetzt. Der Arbeitslose hatte einen Arbeitsamts- Arzt und seine Vermieterin angegriffen. Wegen Körperverletzung in zwei Fällen wurde er deshalb zu sieben Monaten Haft und unbefristetem Aufenthalt in der forensischen Psychiatrie verurteilt. Noch im Gerichtssaal wurde der bislang nicht vorbestrafte Mann festgenommen. Sein Verteidiger hatte dies kommen sehen: „Wir sollten hier nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen.“

Sein Mandant sei so etwas wie ein kranker Spatz. So ähnlich hatte auch die psychiatrische Sachverständige den gelernten Handwerker eingestuft. Die Medizinerin berichtete, dass der 30-Jährige seit 1997/ 1998 unter einer paranoiden Schizophrenie leide. Dies sei eine schwere Erkrankung des Denkens, die in Schüben auftrete und grundsätzlich behandelt werden könne. Seit 1998 habe der Angeklagte solche Schübe. Er sei daraufhin auch mehrfach für kurze Zeit in Behandlung gewesen. Er habe diese Behandlungen aber jeweils zu früh und entgegen dem Rat seiner Ärzte abgebrochen. Er habe sich jeweils fit gefühlt, unbedingt arbeiten und sein Geld selbst verdienen wollen.

Das Problem dabei, so die Gutachterin weiter: Mit jedem nicht auskurierten Schub bleibe etwas zurück. Der Angeklagte reagiere deshalb nun extrem empfindlich auf äußere Einflüsse. Er sei ständig überfordert, reagiere gereizt und aggressiv. Dies sei Ausdruck seiner Erkrankung. Man könne sich das etwa so vorstellen, als habe er „ständig einen Schwelbrand im Gehirn“. Sein Leben sei so ähnlich, wie ein Mobile im Wind – ständig in Bewegung. Und er versuche, es irgendwie ins Gleichgewicht zu bringen.

Richtig schwierig wurde dies, als dem Mann wegen seiner Erkrankung eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde. Nun war er ärgerlich auf die Ärzte. Sie seien dafür verantwortlich, dass er nicht arbeiten und Geld verdienen dürfe, sagte der Angeklagte. Dabei sei er doch fit. Und Medikamente brauche er auch nicht. Die nehme er deshalb erst gar nicht ein. Es müsse schließlich auch ohne Pillen gehen. Und wenn er sich nicht gut fühle, gehe er joggen. Dann sei er ruhiger. Dass dies nicht funktionieren kann, zeigte sich im März 2009 und im April 2010.

Im ersten Fall ging der Mann mit einer Softair- Pistole – er sprach von „Erbsenpistole“ – seine Vermieterin auf offener Straße an. Sie hatte seine Wohnung gekündigt. Er hielt ihr die Waffe an den Kopf, drückte wohl auch ab und drohte sie umzubringen. Erst als die Frau die bunten Kügelchen aus der Pistole sah, wurde ihr langsam bewusst, dass sie mit einem Spielzeug bedroht wurde. Im zweiten Fall griff der Angeklagte ohne ersichtlichen Grund den Arzt an, der ihn fürs Arbeitsamt untersuchen wollte, und trat ihm in die Beine.

Der Mediziner flüchtete. Fazit der psychiatrischen Gutachterin und der Richter: Es sei wahrscheinlich, dass sich solche oder schlimmere Dinge wiederholen. Der Angeklagte sei in seinem aktuellen Zustand gefährlich für die Allgemeinheit geworden. Er müsse in psychiatrische Behandlung. Weil er dies nicht freiwillig tue, müsse es unter Zwang geschehen. wi
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