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Manuel Andrack: Der Wahlsaarländer hat ein „Saar-Lexikon” verfasst

Der bundesweit erfolgreiche Wanderbuch-Autor Manuel Andrack ist unter die Regionalautoren gegangen. Beim Merziger Gollenstein-Verlag erscheint dieser Tage sein Buch, in dem er skurrile und harte Fakten über das Saarland zusammengetragen hat.

Von SZ-Redakteurin Cathrin Elss-Seringhaus

Saarbrücken. Alle Naturfreundhäuser des Saarlandes. Die häufigsten Schmetterlingsarten. Die Namen aller saarländischen Winzer. Klingt eigentlich ganz vernünftig.

Und dann das: Die Inventarliste der Pfarrkirche St. Peter in Theley vom 18. Juni 1971. Die Besuchszeiten der hiesigen Gefängnisse. Alle Single-Titel von Ingrid Peters. Das will man doch nicht wirklich wissen. Aber so ist das mit der Sammel-Leidenschaft: Nichtiges gesellt sich zu Kostbarem, über die Relevanz entscheidet der Sammler.  Hier ist das Manuel Andrack, bis 2007 Kompagnon von Harald Schmidt in dessen TV-Late-Night-Show, danach Autor, vor allem von Wanderratgebern.

Vor allem ist Andrack aber eins: seit zwei Jahren Wahlsaarländer, der Liebe wegen. In dieser Rolle entwickelte er eine immense Wissbegier in Sachen neue Heimat. Herausgekommen ist dann das, ein weiteres Geschenkbuch aus der Abteilung Saar-Mentalität und -Lebensart. Freilich folgt Andracks Buch einem neuen Stil, funktioniert als Überraschungs-Mix. In Andracks „Saar-Sammelsurium“ (Gollenstein, 16,90 Euro) finden sich wenige statistische und sehr viele historische Fakten, Zitate großer Dichter, Hausmannskost-Rezepte und Liedtexte. Vieles zählt bereits zum Lyoner-Land-Standardwissen.  Originalität garantieren jedoch die Passagen über den Saar-Sport. An drack ist bekanntlich ein Fußball-Freak. Insgesamt liefert er leichte, sympathische Unterhaltungs-Kost. Nach dem Modell „Bücher, die die Welt nicht braucht“, aber mag.

Tage verbrachte er im Saarbrücker Stadtarchiv und im Landesarchiv, fräste sich durch Regionalliteratur, Chroniken, Heimatbücher. Pickte skurrile Zufalls-Funde zusammen oder recherchierte gezielt: Wer saß 1938 neben Hitler in der Führerloge, als das Gautheater eingeweiht wurde? „Das Buch folgt dem Chaos-Prinzip“, sagt Andrack. Und, das gibt er zu, einem Trend. Lexika der erstaunlichen Tatsachen haben Konjunktur. „Das ist kein hartes Faktenbuch.  Trotzdem soll man es als Nachschlagewerk nutzen.“ Andrack spricht von einem „Besserwisser-Buch“.

An der Theke hört er die Saarländer schon sagen: „Das hast du doch bei Andrack gelesen.“ Was denn nun? Banalitäten wie die Aufzählung aller Bauernmärkte.

Pfiffiges, nämlich erste und letzte Sätze in Büchern von und über Oskar Lafontaine. Charmantes zudem wie die Namen aller Wölfe im Merziger Freigehege. Die heißen Alfons oder Wolfgang und nur selten Amarok. „Ich suche den gewissen Dreh“, meint Andrack. Und gibt Antworten auf Fragen, die nie einer stellen würde. Auch liest man einige Peinlichkeiten. Die sind wohl unvermeidlich, wenn ein Autor meint, Fakten mit flapsigen Kommentaren aufpeppen zu müssen. So stellt Andrack der Liste aller Literaten, die seit 1960 den Kunstpreis erhielten, voran: „Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht eines der Werke der Preisträger gelesen habe“. Dann gibt er aber doch seinen Senf dazu. Auch verrät er uns seine sechs saarländischen Lieblings-Dialektwörter. Wer dieses Buch kauft, muss also nicht nur das Saarland schätzen, sondern auch den Autor.

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