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Marpinger Gemeinderat hat Angst vor lautem Federvieh



Marpingen/Urexweiler. Auf dem Land sind Menschen in der Regel jede Menge Viechereien gewohnt. Große, kleine, mit Fell, mit Federn. Einzeln, oder mehrere auf einem Fleck. Im Prinzip bis heute ein gewohntes Bild. Und trotzdem sorgt in Urexweiler eine Hühnerfarm für ausgeprägten Unmut. Alles andere als ruhig und beschaulich geht es laut Augenzeugenberichten einiger im Marpinger Gemeinderat vertretenen Lokalpolitiker in dem betroffenen Wohngebiet zu. Von idyllischer Stille in der Friedhofstraße: keine Spur. Denn etliches Federvieh trampele Anrainern mächtig auf den strapazierten Nerven herum. Und trotzdem: Der Geflügelliebhaber stellte im Rathaus einen Antrag, diese bereits bestehende und darüber hinaus noch zu erweitertende Zucht nun rechtlich absegnen zu lassen. Zuerst befasste sich der Urexweiler Ortsrat mit dem brisanten Thema. Ergebnislos, weil das Gremium nicht wusste, was der Antragsteller überhaupt will.

Dazu Vize-Ortsvorsteher und CDU-Gemeinderatsmitglied Markus Barrois: „Der Ortsrat hat die Entscheidung vertagt, weil nicht klar war, was beantragt wurde: ein Neubau für einen Stall oder die Geflügelhaltung an sich.“ Grundsätzlich seien 20 Hühner plus Hahn in einem Wohngebiet durchaus zulässig, kämen ganz ohne Genehmigung aus, ergänzte Barrois. Darauf fuße die bereits in der Urexweiler Friedhofstraße angesiedelte Zucht. Jedoch mit einem eklatanten Unterschied, wie Gemeinderatsmitglied Stefan Kunz (SPD) ergänzte: „Mehrere 100 Geflügel bilden bislang vor Ort den Kern des Zuchtbereichs.“ Nach seinen Beobachtungen folglich ein Vielfaches der genehmigungsfreien Population. Und als sei das nicht alles schon indiskutabel genug, wolle der Antragsteller sein Gelände samt neuem Stall künftig Perlhühnern zur Verfügung stellen. Das nach Kunz daraus resultierende neue Problem: „Es gibt keine lauteren Hühner als Perlhühner.“

Barrois, nach eigenen Angaben passionierter Geflügelzüchter, sprang ihm während der Debatte argumentatorisch zur Seite: „Das ist das Lauteste, was es gibt. Ich hatte auch mal Perlhühner, aber nicht länger als einen Monat.“ Es zeichnete sich ab, dass der Rat einer lärmenden Perlhuhn- Zucht in einem Wohngebiet nicht zustimmen werde. Doch so ganz sicher, ob ein Veto überhaupt rechtlich zu halten sei, war sich Peter Keßler (CDU) nicht: „Können wir das verbieten?“ Alfred Neis (SPD) sah indes den Antragsteller im Zugzwang: „Der bisherige Stall ist wohl ohne Genehmigung gebaut worden. Wir sollten uns also nicht vor den Karren spannen lassen, nachträglich etwas zu legitimieren.“

Was den fraktionslosen Paul Schäfer nicht davon abbringen ließ, die Ablehnung des Bauantrags aus formalen Gründen in Frage zu stellen. CDU-Fraktionschef Bernd Müller hatte eine Weile die Diskussion seiner Ratskollegen verfolgt, um dann inbrünstig zu resümieren: „So was schmerzt: Bei 20 Perlhühnern machen wir nicht mit. Bei 20 Elefanten würden wir zustimmen.“ Seine Einschätzung war nach der Abstimmung nicht von der Hand zu weisen: Mit zwei Gegenstimmen wurde der Perlhuhn- Stallbau in dem Urexweiler Wohngebiet abgeschmettert.


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