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Mathe und Physik: Viel zu wenig Lehrer

Not macht erfinderisch: Das Saar-Bildungsministerium gleicht den Lehrermangel in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern durch Unterricht, den fachfremde Pädagogen halten, aus.

Saarbrücken.
An den weiterführenden Schulen im Saarland gibt es in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern keinen strukturellen Unterrichtsausfall. Das hat jetzt der Sprecher des Bildungsministeriums Erik Harms der SZ auf Anfrage mitgeteilt. Harms schränkte diese Aussage allerdings mit der Feststellung ein, dass „kurzfristige krankheitsbedingte Ausfälle ohne detaillierte Umfragen nicht zu quantifizieren“ seien.

So seien im ersten Halbjahr des Schuljahrs 2009/10 an den Erweiterten Realschulen (ERS) im Fach Mathematik 83.000 Stunden erteilt worden. An Gymnasien seien es 87.500 Mathestunden, an Gesamtschulen sei eine Zahlenfeststellung wegen Fächerzusammenlegungen nicht möglich. In Physik wurden demnach an den ERS 21.000 Stunden im ersten Schulhalbjahr gegeben, an den Gymnasien 29.000 Physikstunden. Chemische Experimente sahen Realschüler in 20.000 Stunden, Gymnasiasten in 25.000 Stunden. Im Fach Biologie erfuhren Realschüler in 30.100 Stunden auch etwas über die Vererbung, Gymnasiasten bekamen 36.200 Bio-Stunden.

Lehrer für Mathe und Physik fehlen
Harms räumte ein, dass an den Gymnasien „ein erhöhter Bedarf“ an Lehrkräften in den Fächern Mathematik und Physik auszumachen sei. „Dennoch wird durch organisatorische Maßnahmen gewährleistet, dass es zu keinem Unterrichtsausfall kommt,“ betonte Harms. Dies werde unter anderem dadurch erreicht, dass ein Lehrer, der zum Beispiel in den Fächern Deutsch und Physik unterrichte, verstärkt im Physikunterricht eingesetzt werde.

Dennoch muss neun Prozent des Unterrichts in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern an den weiterführenden Schulen im Saarland von fachfremden Lehrern erteilt werden, berichtete Harms. Hinzu kommt ein weiterer Unterrichtsanteil, der von Klassenlehrern im fünften und sechsten Schuljahr fachfremd unterrichtet werde. Wenn der Klassenlehrer zum Beispiel Fachlehrer für Physik ist, übernehme dieser auch den Matheunterricht, da er beim Studium entsprechende Kenntnisse erworben habe.

Quereinsteiger werden angeworben
Das Bildungsministerium versucht dem nach wie vor nicht behobenen Lehrermangel in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern durch die Anwerbung von Seiteneinsteigern zu begegnen. Das sind etwa Hochschulmitarbeiter aus dem akademischen Mittelbau, die es leid sind, auf unabsehbare Zeit mit befristeten Verträgen abgespeist zu werden. Durch das Seiteneinsteigerprogramm wurden in den Jahren 2004-2009 für die Realschulen 42, für die Gymnasien 17 und für die Gesamtschulen 13 Lehrer gewonnen, die im Durchschnitt zwischen Mitte 30 und Anfang 40 Jahre alt sind.

Zudem betreibe das Ministerium, so Harms, „eine intensive Werbung für die Aufnahme eines mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehramtsstudiums“. Hier seien bereits Erfolge erzielt worden: 2004 gab es nur 115 Mathe-Lehramtsstudenten im Saarland, 2008 seien es bereits 208 gewesen. Harms geht von einem weiteren Anstieg aus, ohne diesen zu belegen. Zudem werde an den Schulen bereits frühzeitig das Interesse an den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern gefördert. Die Mathe-Olympiaden, an denen sich immer mehr Schüler beteiligen, scheinen den Erfolg dieser Maßnahmen zu bestätigen.

Die Möglichkeit, als Fachlehrer über die Pensionsgrenze hinaus weiterzuarbeiten und so dem Lehrermangel zu wehren, hat nach Angaben von Harms bisher nur ein Gymnasiallehrer mit einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächerkombination für sich genutzt. Immerhin bleibt den Schülern weiterführender Schulen trotz des Lehrermangels in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern eines erspart: Zeugnisse, in denen hinter dem Fach Physik oder Chemie ein Stempel prangt „Wegen Lehrermangels nicht erteilt“ – wie noch in den 1970er Jahren.



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