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Max Ophüls: Die letzten vier Spielfilme des Wettbewerbs starten heute

Der dritte  Wettbewerbstag in Saarbrücken: Heute starten die vier letzten Spielfilme.

Der dritte Wettbewerbstag in Saarbrücken: Heute starten die vier letzten Spielfilme.

Es ist einer der vielen Filmemacher-Albträume: Die Förderung platzt, die Produzenten suchen das Weite – und das am ersten Drehtag. So geht es dem Filmteam in „Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“: Eigentlich wollte es Kleists Novelle als historiensattes Spektakel inszenieren, doch nun fehlen Geld, Bauten, Statisten, Pferde. Was tun? Der unbeirrbare Regisseur (Robert Gwisdeck, überzeugend sturköpfig) spannt die bayerischen Dörfler am Drehort ein und setzt seinen Star in Ermangelung eines Pferdes auf einen Ochsen. Komödiantisch beginnt dieser Film von Aron Lehmann (Regie und Buch): Er lässt pompöse Künstler-Egos implodieren und jongliert gekonnt mit Klischees von Provinz und Filmer-Gewerbe. Doch dann verlässt er diese Ebene und wird düsterer, der Regisseur im Film kämpft bis zum letzten um seine Vision und reitet schließlich selbst in die große letzte Schlacht – wenn auch ohne Pferd, wie einst „Die Ritter der Kokosnuss“ bei Monty Python. Bei „Kohlhaas“ aber hat das eine ungeahnte Würde und Überzeugungskraft. Eine gewitzte Verbeugung vor der Macht der Fantasie – und vor künstlerischer Unbeirrbarkeit. tok

Heute, 22 Uhr; Freitag, 17.30 Uhr; Samstag 9.30 Uhr, Sonntag 19.15 Uhr – jeweils im Cineestar.



Sascha (Jasna Fritzi Bauer) hat vor nichts und vor niemandem Angst. Die Hölle, die kennt sie schon. Die junge Frau sah mit an, wie ihr Stiefvater ihre Mutter erschoss. Jetzt lebt der Teenager mit Geschwistern in einer öden Hochhaussiedlung. Sie ist so furchtlos wie schlau und hat noch Träume: „Ich will meinen Stiefvater Vadim töten und ich will ein Buch schreiben über meine Mutter.“ Bettina Blümner hat mit ihren Dokumentationen „Prinzessinnenbad“ und „Naked City“ bewiesen, das sie eine gute Beobachterin und talentierte Filmemacherin ist. Nun legt sie mit „Scherbenpark“ (Buch: Katharina Kress) ihr Spielfilmdebüt vor, eine berührende Geschichte über eine junge Frau, die lernen muss, mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig zu werden und dabei nicht zu vergessen, ihr eigenes Leben zu leben. Mit Jasna Fritzi Bauer hat sie eine großartige Hauptdarstellerin gefunden, die die unterschiedlichsten Emotionen mit Bravour meistert. tr

Heute 19.30, Fr 22, Sa 10.30, So 13.30 Uhr, jeweils im Cinestar.



Die brisante Frage, wie es dazu kommt, dass ein Schüler Amok läuft, reizte in den vergangenen Jahren nicht wenige Filmemacher. Das Spektrum reichte von Michael Moores Investigativ-Doku „Bowling for Columbine (2002) bis zum Betroffenen-Porträt „Die Lehrerin“ von 2011. Thomas Sieben hat einen anderen, subtileren Zugang gewählt: Sein zweiter Spielfilm „Staudamm“, stellt den Großstädter Roman (Friedrich Mücke) in den Mittelpunkt, der in einem Nebenjob Gerichtsdokumente einliest und zum Abholen weiterer Akten an den Ort des Geschehens ins Allgäu geschickt wird. Für den jungen Mann eine eher lästige Pflicht. Im Dorf lernt er Laura (Liv Lisa Fries) kennen, die bei der Tat dabei war. Über die Beziehung zu dem Mädchen beginnt Roman nicht nur, sich für das Geschehene zu interessieren. Immer mehr rückt für ihn die Frage nach den Beweggründen des Täters in den Vordergrund. War der tatsächlich einfach nur „krank“, wie Roman zu Beginn lapidar urteilt, oder sind dessen in Briefen festgehaltene aufgestaute Gefühle Romans eigenen viel näher als er es je vermutet hätte? Geschickt gelingt es Sieben, den Zuschauer über den Erkenntnis- und Gefühlsprozess eines – von Mücke äußerst glaubwürdig verkörperten – Unbeteiligten, mit eben dieser Frage selbst zu konfrontieren. Ein ruhiger, konzentrierter Film mit eindringlichen düsteren Bildern. Einer der stärksten Wettbewerbsbeiträge. jkl

Heute 20, Freitag 10, Samstag 12, Sonntag 19 Uhr: Cinestar.



Assoziationen zu literarischen Dystopien à la Orwells „Farm der Tiere“ weckt der Film „Freiland“. Er erzählt satirisch zugespitzt von einer Staatsgründung mitten in Deutschland. Geplant ist ein Gegenentwurf zu der als spätkapitalistisches Auslaufmodell betrachteten Bundesrepublik. Das idealistisch gestartete Projekt scheitert jedoch, weil sich letztlich die autoritären Kräfte durchsetzen, um eine Diktatur zu installieren. Moritz Laube siedelt seine Geschichte in einem alten Schloss irgendwo im brandburgischen Land an, wo eine Gruppe versprengter skurriler Aussteiger um den Ex-Lehrer Niels Deboos (Aljoscha Stadelmann) den Aufbau von „Freiland“ vorantreiben. Die Staatsflagge wird gehisst, Verwaltungsaufgaben aufgeteilt. Spritzig und temporeich beginnt der Film und erlahmt dann allzu schnell. Die Ernsthaftigkeit, mit der Freilands Bewohner ihr absurdes Projekt vorantreiben, ist zunächst witzig. Doch was folgt – Ränkekämpfe, bizarre Rituale wie ausgewürfelte „Paarungstage“ – ist bei allem Improvisationstalent der Schauspieler eine Spur zu überdreht. Zudem wirkt die Geschichte zunehmend konzeptlos. Spätestens beim Blutbad am Ende fragt man sich, was der Film eigentlich erzählen will. jkl

Heute 22.30, Freitag 19.45, Samstag 10 Uhr Cinestar; Sonntag um 13 Uhr im Filmhaus.


Knapp und gut: Ein Blick auf die Kurzfilme Der Kurzfilmwettbewerb bietet einige Entdeckungen: Um Vertrauensverlust und jugendliche Ängste geht es ebenso wie um Kulturschock, Beschneidung – und eine Wohnung, die für ihre Mieter tödliche Folgen hat.

Zwei Sportsfreunde haben sich für die Weltmeisterschaft im Rudern qualifiziert – nun trainieren sie eisern, doch einer der beiden verliert in seinem „Siegeshunger“ den Blick für die Realität. Der zwölfminütige Film von Chiara Grabmayr (Regie, Buch und auch Schnitt) ist ein Musterbeispiel für knappes, okönomisches Erzählen. In schwarzweißen Breitwandbildern erzählt sie von Ambition, Vertrauensbruch und dem Ende einer Freundschaft – mit keiner Szene und keinem Satz zuviel, hier zählt jede Geste.

Drastisch und rätselhaft ist der Film „Gasp“ von Eicke Bettinga, der wie eine viertelstündige Studie in Zurückgezogenheit und Beklemmung wirkt – ein Jugendlicher scheint nicht herauszukommen aus seiner (Panzer-)Haut; die seelisch angeschlagene Mutter setzt ihm zu, die über ihm im Wald rauschenden Birkengipfel scheinen das einzige Symbol für Weite und Ruhe. So könnte man den eigenwilligen Film interpretieren – oder auch ganz anders, denn er geht mit seiner Bedeutung nicht hausieren, packt durch Darsteller und ausgesuchte Bilder dennoch. tok

Beide Filme laufen im Kurzfilmprogramm 1 des Wettbewerbs, jeweils im Cinestar: Heute 16.30, Freitag 13.30 und am Sonntag um 16.15 Uhr.

  Die Beschneidung von Jungen ist ein Erregethema, das Kölner Beschneidungsurteil hat hitzige Debatten ausgelöst. In „Meine Beschneidung“ (15 Minuten) erzählt der Hamburger Arne Ahrens von dem jungen Ümit. Der ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und fährt jetzt in den Sommerferien mit seiner Familie in die Türkei zu seiner Beschneidung. Einfühlsam und mit Humor stellt Ahrens das Thema Integration auf den Kopf: Ein Deutschtürke erlebt in der Heimat seiner Eltern einen Kulturschock. Originell.

Wie man ein schweres Thema – zerrüttete Ehe, allein gelassenen Kinder – glaubwürdig, spannend und stilistisch originell aufbereiten kann, das zeigt Mariejosephin Schneider mit „Das Geschenk" (12 Minuten). Der kleine Tommi hat sich in die Welt der Indianer zurückgezogen, um die Streitereien seiner Eltern ertragen zu können. Und so geht es vom Küchentisch direkt in die Welt des Wilden Westens – zu dem Apachenhäuptling und seinem weißen Bruder. Stark. tr

Beide Filme laufen im Kurzfilmprogramm 3: Heute 17.30, Samstag 9.30 und Sonntag 13 Uhr im Cinestar.


Von einer Wohnung, die nicht gerne allein ist, erzählt der Wiener Dominik Hartl in „Spitzendeckchen" (26 Minuten). Die junge Anna mietet in Wien eine Altbauwohnung und macht sich sogleich ans Streichen und Tapezieren. Doch kaum ist sie fertig, sieht alles wieder wie zuvor aus. Die Wohnung scheint ein Eigenleben zu führen – und Anna verändert sich rasant. Ein origineller, skuriller Film mit schwarzem Humor und Horror-Einlagen – typisch wienerisch. tr

Heute 13 Uhr, Cinestar; Freitag, 10 Uhr, Filmhaus; Sonntag, 19.30 Uhr, Cinestar.



Zwischen Kung Fu und Kuhstall
Die verborgene Welt einer chinesischen Kung-Fu-Eliteschmiede; Nachwirkungen eines Geiseldramas auf hoher See – Der Ophüls-Dokumentarfilmwettbewerb liefert dieses Jahr starke Stoffe. Ein Blick auf weitere sechs Beiträge.

Von SZ-Redakteur Johannes Kloth

Saarbrücken. „Tränen sind ein Ausdruck von Unfähigkeit.“ – Ein brutaler Satz, der einen umso mehr erschauern lässt, wenn er aus dem Mund eines neunjährigen Mädchens kommt. Xin Chenxi ist Schülerin an der größten Kung-Fu-Schule Chinas, in der 26 000 junge Menschen mit einer Härte trainiert werden, die wohl selbst GSG-9-Mitglieder nicht in ihrer Ausbildung erfahren. Der Filmemacher Inigo Westmaier hat dort faszinierende Bilder gedreht und mit „Drachenmädchen“ eine großartige, verstörende Doumentation über das Innenleben der Eliteschmiede vorgelegt. Er sprach mit Eltern, Trainern, dem Schulleiter, Mönchen des benachbarten Shaolin-Tempels, aber auch einem Mädchen, das dem Druck nicht stand hielt und floh. Der Film vermittelt das komplexe Bild eines Systems, in dem menschliche Wärme und das, was wir unbeschwerte Kindheit nennen, geopfert werden – zu Gunsten der vagen Hoffnung auf sozialen Aufstieg.

Zu den stärksten Beiträgen gehört auch Andy Wolffs „Der Kapitän und sein Pirat“. Vier Monate war 2009 das Frachtschiff „Hansa Stavanger“ in der Hand somalischer Piraten. Nachdem die Reederei 2,75 Millionen Euro Lösegeld gezahlt hatte, kamen die Geiseln frei. So weit das Bekannte. Wolff hat nun das Kunststück vollbracht, den Anführer der Piraten in Somalia ausfindig zu machen, um mit ihm über die Entführung, vor allem aber über sein Verhältnis zum Kapitän des Frachters, Krzysztof Kotiuk, zu sprechen. Ließ sich Kotiuk auf ein Bündnis mit dem Piratenanführer ein, wie Crewmitglieder heute behaupten? Wolff zeigt einen traumatisierten, gefeuerten Kapitän, der um seine Ehre kämpfen muss, sowie einen gewissenlosen Gangster, der durch die Beschreibung des Alltags in Mogadishu eine Ahnung davon vermittelt, wie er dazu wurde. Das parallel montierte Doppelporträt, das in unglaublichen Bildern Piraten bei der Planung weiterer Kaper-Aktionen zeigt, ist spannend bis zu letzten Minute.

Ein Kalb kommt zur Welt: Mit vereinten Kräften ziehen Bauer Konrad und sein Sohn Philipp das Neugeborene an einem Strick auf die Welt. Die Kamera zeigt staunende Kinderaugen und strahlende Hofbesitzer. Landromantik? Der Eindruck täuscht. Tobias Müller demonstriert in „Sauacker“ am Beispiel des schwäbischen Jungbauern Philipp eindrucksvoll, wieviel Willenskraft und Selbstbewusstsein heute nötig ist, einen Hof zu führen. Phlipp muss sich mit Kreditgebern auseinandersetzen, mit seinem Vater, den er als Innovationsverweigerer betrachtet und mit seiner Freundin, die das Landleben nicht mehr aushält. Müller ist stiller Beobachter eines starken Charakters, der sich durch nichts und niemand von seinem Weg abbringen lässt.

Zu empfehlen ist auch „Nowhereman“ von Leonie Stade und Annika Blendl. Das Thema – die Geschichte eines straffällig gewordenen Jugendlichen – ist nicht neu, Protagonist Cajo jedoch ein Glücksfall für die Filmemacherinnen, da der junge Mann erstaunlich differenziert über seine Gefühle zu sprechen vermag. Man möchte den charmanten 22-Jährigen wachrütteln – und weiß doch nach diesem Film, dass nur er alleine sich aus dem Sumpf ziehen kann. In „Nägel mit Köpfen“ geht Marko Doringer der Frage nach: Kann man ein Leben als Paar führen, ohne eigene Wünsche aus den Augen zu verlieren? Doch statt tatsächlich „Paare, die symbolhaft für meine Generation stehen“ zu zeigen, lässt Doringer (Jahrgang 1974) ein Grüppchen selbstbezogener Mittdreißiger in 93 langen Filmminuten darüber lamentieren, dass Kinder zu bekommen Kompromisse schließen bedeutet. Allerhöchstens das Zerrbild einer Generation.

Strapaziös auch Florian Barons biografische Reflexion „The final call“. Der monotone Monolog vor dem Hintergrund verwackelter Bilder aus Fukushima und epischer Naturaufnahmen von den Osterinseln verlangt viel Aufmerksamkeit ab und liefert nur wenig Erkenntnis-Gewinn.

Alle Termine im Internet: www.max-ophuels-preis.de

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