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Mehr Anrufe bei Homburger Giftzentrale

Homburg. 134 Fälle schwere, durch salpetersäurehaltige Kalk- und Rostlöser verursachte Gesundheitsschäden hatte das Deutsche Giftinformationszentrum dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) seit 1999 gemeldet. Verursacher ist das türkische Reinigungsmittel "Por Cöz", das mindestens 20 Prozent Salpetersäure enthält. Dass nun das Bundesumweltamt ein Verkaufsverbot für dieses Produkt herausgegeben hat, sehen Dr. Heidi Meyer und Axel Hahn vom BfR als dringend notwendige Konsequenz. Beide waren am Freitag Gastreferenten in Homburg zur Fachtagung der Gesellschaft für Klinische Toxologie.

Die blaue Plastikflasche mit einem Liter Kalk- und Reinigungsmittel war in türkischen Supermärkten erhältlich. Die Produktbeschreibung sei nur unzureichend in deutscher Sprache ausgewiesen gewesen. "Außerdem hatte es keine gute Kindersicherung", erklärte Hahn in einem Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Das Produkt sei für Kinder lebensgefährlich. Dr. Meyer, die den Reiniger intensiv untersucht hatte, schilderte den Fall eines dreijährigen Mädchens, das nach Einnahme des Reinigers schwerste Verätzungen vom Mundraum bis in den Dünndarmbereich erlitten habe. Und das Mädchen sei kein Einzelfall gewesen. Das Bundesumweltamt habe mit dem Verbot des hoch ätzenden Mittels nur einen Teilerfolg erzielt. Das Verbot gilt nur bis zu einer endgültigen Entscheidung der Europäischen Kommission. "Wir fordern ein generelles Verbot solcher scharfen Säuren", sagte Hahn. Zwischen drei bis fünf Prozent sollte ein Produkt maximal Salpetersäure enthalten. "Ob wir das erreichen, wissen wir nicht", meinte Hahn. 

Das Informations- und Behandlungszentrum für Vergiftungen an der Universitätsklinik des Saarlandes registrierte im vergangenen Jahr 1349 Anrufe. "Ein Anstieg von etwa 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr", erklärte Mario Scheer vom Homburger Klinikum. 71 Prozent der Anrufer sind besorgte Eltern, deren Kinder eine bestimmte Substanz eingenommen haben. "Oft sind Kinder betroffen, die im Entwicklungsalter sind, dann, wenn sie beginnen ihre Umwelt zu entdecken", erklärte Scheer. Reiniger, Spülmittel, Beeren und andere giftige Pflanzen werden ausprobiert. Scheer empfiehlt Eltern, ein Notfall-Set bereitzuhalten. "Viel Wasser und Tee im Notfall trinken, das ist nie falsch", sagte er. Entschäumende Tropfen und Kohletabletten sollten auch nicht fehlen. "Wichtig ist jedoch, umgehend den Kontakt mit uns aufzunehmen", meinte Scheer.

Das Informations- und Behandlungszentrum für Vergiftungen ist 24 Stunden am Tag erreichbar. Neben Hilfestellung bei Notfällen erteilt das Zentrum auch gelegentlich Informationen zu Medikamenten, Produkten und Pflanzen. Die Bereitschaftsärzte können auf eine Datenbank zurückgreifen, die gemeinsam mit den neun deutschen Giftinformationszentren und dem BfK entwickelt wurde. Hier sind alle Produkte im Bereich Wasch- und Reinigungsmittel sowie Pflegemittel mit ihren Inhaltsstoffen aufgelistet.

Giftnotruf-Nummer: Tel. (0 68 41) 1 92 40.

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