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Mehr Anrufe wegen finanzieller Not

Saarbrücken. Aus Verzweiflung über die Wirtschaftskrise wenden sich offenbar zunehmend mehr Saarländer an die Telefonseelsorge Saar. „Wir verzeichnen in den vergangenen zwei bis drei Monaten einen ruckartigen Anstieg der Gespräche, in denen es um finanzielle Existenzängste geht“, erklärte der evangelische Leiter der Telefonseelsorge, Pfarrer Volker Bier, unserer Zeitung.

Im Jahr 2008 wandten sich 2,4 Prozent aller Anrufer wegen Geldnöten an die Telefonseelsorge. „Für 2009 deutet bislang alles darauf hin, dass dieser Prozentsatz um etwa die Hälfte steigen wird“, sagte Bier.

In den sieben Jahren, in denen er bei der Einrichtung arbeitet, habe er einen „solch heftigen Anstieg“ in diesem Bereich noch nicht erlebt. Bier: „Wir werden in eine Ohnmacht geführt, die wir mit den Menschen aushalten müssen.“

Vor allem junge Männer in der Altersgruppe von 25 bis 35 Jahren gehörten zu den Anrufern und den von Armut, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Verschuldung und massiver materieller Angst und Not direkt Betroffenen. Bier: „Statt einer Sinnsuche im Leben beschäftigt diese Männer die Frage: Wo bekomme ich das Geld her, um meine Familie und mich durch den heutigen Tag zu bringen?“

Junge Anruferinnen seien zwar in der Regel nicht selbst von Arbeitslosigkeit betroffen, litten aber unter den Folgen derselben für die Familie. Bier: „Die materielle Not beeinträchtigt das soziale Miteinander.“

Zudem sei eine immer größer werdende Kluft zwischen „jenen, die Arbeit haben und zu viel arbeiten müssen“, und jenen, „die keine Arbeit haben und sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen“ anhand der Anrufe deutlich spürbar, so der Pfarrer. In den Gesprächen versuche das Team der Telefonseelsorge, die Betroffenen durch Zuhören zu begleiten. Bier: „Die Menschen rufen uns an und schleppen – im übertragenen Sinn – ein Bündel mit schweren Steinen mit sich herum. Wir versuchen, sie daran zu erinnern, dass da irgendwo in dem Bündel auch noch eine Brotdose steckt.“
Christine Koch-Dillenburger (SZ)
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