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Mehr Auswahl für die Oberstufe

Hannah begeistert sich für Naturwissenschaften – ab Herbst möchte sie daher an der Saar-Uni Biophysik studieren. Um auf das Studium optimal vorbereitet zu sein, hätte sie gerne in der Oberstufe in einem der zwei Erweiterungskurse (E-Kurse) Physik gewählt. Doch das ist im Saarland nicht möglich. Seit der Reform der gymnasialen Oberstufe im Jahr 2007 kann für die E-Kurse nur zwischen Mathe, Deutsch und einer Fremdsprache gewählt werden.

Die E-Kurse werden fünf Stunden pro Woche unterrichtet, alle anderen Fächer nur vier- beziehungsweise zweistündig. Ziel damals war es, dadurch mehr Allgemeinbildung im Abitur zu verankern. „Da ich in Fremdsprachen nicht so mega-gut bin, blieb mir nichts anderes übrig, als Mathe und Deutsch zu wählen“, sagt Hannah. Da die Schüler nicht nach Interesse entscheiden könnten, wählten sie häufig das für sie „kleinere Übel“. Das führe dazu, dass im E-Kurs Mathe das Niveau der Schüler sehr unterschiedlich sei: „Die einen langweilen sich, die anderen verstehen nichts“, meint Hannah.

Die geringe Auswahl und eine fehlende Vertiefung stößt seit Monaten auf Kritik bei Schülern, Eltern und Lehrern (wir berichteten). Niveauverluste haben auch Lehrer beobachtet: „Im Vergleich zum alten System mit den Leistungs- und Grundkursen ist ein Leistungsverlust festzustellen. Die Leistungskurse etwa hatten einen höheren Anspruch als die heutigen Erweiterungskurse“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung der Oberstudiendirektoren der saarländischen Gymnasien (VOS), Wolfram Peters. Schüler seien in fachlicher Hinsicht schlechter auf ein Studium bestimmter Fachgebiete vorbereitet, findet der Saarländische Philologenverband. „Die Universitäten klagen über schlechte Vorkenntnisse, vor allem in den Naturwissenschaften. Trotz der Verpflichtung zur Matheprüfung im Abitur sehen sie abnehmende Mathekenntnisse vor allem der Saarländer“, teilen die Vorsitzenden der Landeselternvertretung Gymnasium (LEV), Stefan Münkner und Nicola Rödder, mit.

Das Bildungsministerium berät seit Monaten mit den Verbänden über mögliche Änderungen im Oberstufen-System. Eine erneute Reform wolle man nicht, doch sei Spielraum für Anpassungen. Ein erstes Konzept dafür wolle man im Sommer vorstellen und dieses dann mit den Bildungsvertretern und dem Koalitionspartner diskutieren.

„Die Wahlmöglichkeiten sind aktuell eingeschränkt. An das Ministerium wurde der Wunsch nach einer Ausweitung der Wahlmöglichkeiten herangetragen. Darüber wird zurzeit nachgedacht“, erklärt Bildungsminister Ulrich Commerçon ( SPD ). „Weiter gibt es den Wunsch nach Vertiefung in einem breiteren Fächerspektrum. Auch darüber diskutieren wir derzeit.“ Daher werde überlegt, ob Schüler ab dem übernächsten Schuljahr eine Gesellschaftswissenschaft oder eine Naturwissenschaft als einen der beiden E-Kurse wählen können. Nicht gerüttelt werden soll an den fünf Abiturprüfungen (vier schriftlich, eine mündlich) – andere Bundesländer haben nur vier.

Bislang ist eine Abiturprüfung etwa in Mathe Pflicht. Dies könnte sich ändern. Es werde überlegt, falls ein Schüler etwa eine Fremdsprache und eine Naturwissenschaft als E-Kurse wählt, dass dann keine Mathe-Prüfung mehr zwingend ist.

Die Beschwerden über ein niedrigeres Niveau in den E-Kursen nehme man zur Kenntnis. Der Lehrplan sehe jedoch keinen Leistungsunterschied zwischen den E-Kursen und den früheren Leistungskursen vor, betont das Ministerium.

Die VOS hatte kritisiert, dass ein zweistündig unterrichtetes Fach, das weniger Aufwand für den Schüler bedeute als ein vierstündiges Fach, gleichberechtigt im mündlichen Abitur stehen kann. „Völlig offen“ sei es, ob es hier zu Änderungen komme, so das Ministerium.

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