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Mehr Lehre, weniger Studium: Saar-Handwerk braucht Nachwuchs

Alois Kirf, Präsident der Handwerkskammer des Saarlandes, sieht die Nachwuchsentwicklung im saarländischen Handwerk mit Sorge: „Zum Jahresende hatten wir noch 400 offene Ausbildungsplätze, die nicht besetzt werden konnten“, sagt er. Und aktuell seien 900 Lehrstellen unbesetzt. Der steigenden Zahl von Lehrstellen stehen rückläufige Bewerberzahlen gegenüber. So seien die Bewerbungen im Mai im Vergleich zum Vorjahr um 15,1 Prozent zurückgegangen. In den Zahlen spiegeln sich zum einen die Folgen des demografischen Wandels wider. Einer alternden Bevölkerung stehen sinkende Schülerzahlen gegenüber.

Kirf identifiziert allerdings noch einen zweiten Grund für die rückläufige Entwicklung im Handwerk: die „Diskriminierung der gewerblichen Ausbildung“. Das „einseitige Werben für die akademische Bildung durch Politik und Gesellschaft“ habe dazu beigetragen, dass die  „zur Ausbildung zweiter Klasse degradiert wurde“, sagt Kirf. Damit müsse Schluss sein, da dies „die Lebensläufe vieler junger Menschen schlichtweg entwertet“.

Kirf sieht in der Bevorzugung akademischer Berufe eine Fehlentwicklung, an der auch die Werbung für ein „Abitur für alle“ durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Mitschuld habe. Denn letztlich bräuchte die Wirtschaft längst nicht so viele Akademiker. „In Deutschland finden gerade einmal 30 Prozent der akademisch Ausgebildeten einen entsprechenden Arbeitsplatz“, sagt Kirf.

Gerade in den exotischen Studienfächern stehe dem Abschluss kein Arbeitsplatz gegenüber. Auch führe der Drang zum Abitur zu hohen Abbrecherquoten, weil viele studierten, die in einer gewerblichen Ausbildung viel besser aufgehoben wären. „Sinnvoller wäre es, bereits in der Schulzeit auch für die gewerbliche Ausbildung zu werben“, sagt der Präsident der Handwerkskammer.

Zusätzlich fordert er die Politik auf, das lange zugesagte „Berufsabitur“ einzuführen, das auch Auszubildenden eine entsprechende Qualifikation für ein Fachstudium ermöglicht. „Dann könnten diejenigen, die eine gewerbliche Ausbildung machen, sich später immer noch entscheiden, ein Abitur dranzuhängen.“ Letztlich gehe es aber nicht nur darum, die Politik zu verändern, das Umdenken müsse vor allem in den Köpfen und damit in der Gesellschaft stattfinden. Es müsse deutlich werden, dass die berufliche Bildung ein hervorragendes Qualifizierungsinstrument ist und „alles andere als eine Versorgung für Schwache“, sagt er. Dieses Vorurteil müsse bekämpft werden.

Bei weiter rückläufigen Auszubildendenzahlen sieht Kirf auch negative Folgen für die Verbraucher. „Weil es weniger Handwerker gibt, wird die Handwerksleistung knapper werden“, sagt er. Damit stiegen auch die Preise und eine wohnortnahe Versorgung wäre nicht mehr gewährleistet. Aber auch die Industrie wäre gefährdet, weil das Handwerk ein wichtiger Zulieferer sei.
Joachim Wollschläger

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