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Mehr Schutz für Tiere im Labor

Brüssel/Straßburg. Die Bilder, die kaum auszuhalten sind, wird es auch weitergeben. Aber nicht mehr so oft. Das Europäische Parlament habe mit einer Reform der Tierschutz-Richtlinie alles versucht, um Affen, Mäusen oder Hamstern möglichst viele Qualen zu ersparen, hieß es gestern in Straßburg. „Diese neue Vereinbarung schützt Tiere“, sagte die Berichterstatterin des Europäischen Parlaments für diesen Themenbereich, die CDU-Politikerin Elisabeth Jeggle. Die Mehrheit folgte ihr. In spätestens zwei Jahren muss jetzt die Zahl der Versuchstiere sinken. Fast 2,8 Millionen Opfer fordert die Forschung auch in der Bundesrepublik noch pro Jahr. Nun aber sind die Unternehmen verpflichtet, sich nach Alternativen umzusehen. Wo immer möglich, müssen andere wissenschaftliche Methoden genutzt werden, um die Forschung voranzubringen. Die zuständigen nationalen Behörden sollen vor einer Testreihe die Auswirkungen auf das Wohlergehen der Tiere beurteilen. Außerdem werden alle Züchter, Anbieter und Verwender von Versuchstieren besser ausgebildet und brauchen eine nationale Erlaubnis.

Beim Deutschen Tierschutzbund sieht man die neuen EU-Regelungen durchaus skeptisch. „Die neue Richtlinie bleibt weit hinter den Erwartungen zurück“, sagte Verbandsvize Brigitte Rusche. Vor allem die Bundesregierung sei als Bremser aufgetreten. Immerhin leiste das neue EU-Gesetz aber einen wichtigen Beitrag, um gerade in den Staaten, in denen der Tierschutz kein großes Thema sei, Fortschritte zu erreichen.

Die gibt es, aber eben nur marginal. Das vorgeschlagene Verbot, Menschenaffen wie Schimpansen, Zwergschimpansen oder Gorillas und Orang-Utans für wissenschaftliche Zwecke zu verwenden, wurde zwar prinzipiell bekräftigt – und dann doch wieder durchlöchert. Eine schärfere Linie hätte die europäische Forschung an neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer erschweren können. Die reformierte Richtlinie erlaubt nun die Verwendung der Primaten unter der Voraussetzung, dass der Zweck der wissenschaftlichen Tests nicht ohne diese Spezies erreicht werden kann. Abstriche machten die Abgeordneten außerdem an einem Vorschlag der Kommission, mit dem wiederholtes Leid für die Tiere ausgeschlossen werden sollte. Die Belastung wird zunächst in die Kategorien „keine Wiederherstellung der Lebensfunktion“, „gering“, „mittel“ oder „schwer“ eingestuft. Ursprünglich wollte Brüssel erreichen, dass nur solche Tiere für mehrmalige Tests genutzt werden dürfen, die der Kategorie „mild“ zugeordnet wurden. Das aber hätte zu einer drastischen Ausweitung der Versuchstiere insgesamt geführt. Nach Rücksprache mit den Mitgliedstaaten einigte man sich deshalb darauf, dass auch solche Tiere mehrfach genutzt werden können, deren Leid als „mittel“ eingestuft wurde. Es sei ein „Kompromiss zwischen den Forderungen der Schutzorganisationen und der Forschungsgemeinschaften“ sagte die liberale Abgeordnete Britta Reimers nach dem Votum des Plenums. Kritik gab es dennoch vor allem aus den Reihen der Abgeordneten der konservativen EVP-Fraktion. Sie fürchten, dass der Kompromiss die Forschung mit embryonalen Stammzellen fördert. „Wir können nicht den Tierschutz erhöhen und gleichzeitig als Alternative die Forschung mit menschlichen Embryonen zulassen“, sagte der Abgeordnete Martin Kastler (CSU). „Das widerspricht unseren Werten.“

Die Tierschützer rüsten sich nun bereits für die nächste Runde. Binnen zwei Jahren muss die EU-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden. Und da, so sagt die Tierschutzverein Brigitte Rusch, geht es darum, „dass die derzeit gültigen Vorschriften, die schon schwach genug sind, nicht weiter aufgeweicht werden.

Auch der saarländische Europa-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis (FDP) übte Kritik: Der Kompromiss-Text des Europaparlaments lasse viele Fragen offen. „Er ist zu schwammig, zu viele Ausnahmen sind möglich, er beinhaltet nicht den hohen Tierschutzstandart, der möglich gewesen wäre und für den ich gekämpft habe“, sagte Chatzimarkakis.

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