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Mehr Schutz vor Radikalisierung

Der Prediger Pierre Vogel ist einer der bekanntesten Salafisten in Deutschland. Foto: roessler/dpa

Der Prediger Pierre Vogel ist einer der bekanntesten Salafisten in Deutschland. Foto: roessler/dpa

Beim Stichwort „ Salafismus “ denken viele an den bärtigen Pierre Vogel , der auf öffentlichen Plätzen predigt und mit seinen Anhängern in Fußgängerzonen den Koran verteilt. Solche Veranstaltungen gebe es im Saarland nicht, hier erfolge die Anwerbung oft über Verwandte oder den Bekanntenkreis, berichtet Zakariyya Meißner, Islamwissenschaftler bei der neuen Fach- und Vernetzungsstelle gegen Salafismus im Saarland „Yallah!“ (arabisch für: Los geht's!, Beeilung!). Gestern hat Sozialstaatssekretär Stephan Kolling ( CDU ) dem Projektträger der Fachstelle, dem Institut für Technologietransfer FITT gGmbH an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), einen Zuwendungsbescheid über 75 600 Euro überreicht. Zwei Stellen sollen von Land und Bund zunächst über fünf Jahre finanziert werden. Das Saarland sei eines der ersten Bundesländer, die eine solche Fachstelle einrichteten, sagte Kolling.

 

„Der Salafismus spielt auch im Saarland eine immer größere Rolle“, erläuterte er. Die Fachstelle solle mit allen Akteuren – Jugendämtern, Schulen, Behörden, Moscheegemeinden, Vereinen und Verbänden – Präventionsmaßnahmen entwickeln. „Es sollen pädagogische Angebote konzipiert werden und auch spezielle Arbeits- und Unterrichtseinheiten zur Prävention entwickelt werden, die die sozialen Netzwerke und digitale Medien einbeziehen“, sagte er. Auch seien eine Broschüre und eine Internetseite geplant, die alle saarländischen Strukturen und Anlaufstellen aufzeigen. Ein Bereich solle auch die Flüchtlingsbetreuung sein. „In der Betreuung unbegleiteter minderjähriger Ausländer haben wir Erkenntnisse gewonnen, die uns bewegt haben, sehr zeitnah eine solche Fachstelle einzurichten“, sagte Kolling.

 

Die Mitarbeiter von „Yallah“ sollen dort ansetzen, wo Salafisten vorwiegend junge Leute anwerben. Sie sollen Lehrer , Jugendamtsmitarbeiter und Sozialarbeiter für das Thema sensibilisieren und ihnen erklären, was Salafismus ist und wie man reagieren kann, wenn ein Schüler oder Schützling in diese Richtung abdriftet. Auch Eltern, die merken, dass ihr Kind sich radikalisiert, sollen sich an die Fachstelle wenden können. Neben der Prävention sammelt die Stelle auch Informationen zu salafistischen Gruppierungen im Saarland und arbeitet hier mit dem Verfassungsschutz zusammen. „Unsere Aufgabe ist die Prävention. Wir werden nicht in den salafistischen Gemeinden aktiv“, erklärt Meißner.

 

Der Salafismus sei im Moment für Jugendliche attraktiv. Die Gründe dafür seien vielfältig. „Zum einen bietet er einfache Antworten und er ist eines der wenigen Dinge, mit denen die Jugendlichen noch schocken können. Es ist auch teilweise eine Protestbewegung unter Jugendlichen“, erklärt er. „Er erfüllt das Bedürfnis, sich auf religiöse Art zu positionieren – und das auf eine leichte Art und Weise. Salafisten gehen oft auf Jugendliche zu, die aus prekären Situationen kommen, und integrieren sie in ein Umfeld, in dem sie positiv bestärkt werden.“ Die Prävention dürfe nicht mit erhobenem Zeigefinger geschehen, sagt auch Diplom-Pädagoge Wolfgang Vogt vom FITT-Institut: „Es geht um Demokratie- und Menschenrechtserziehung, wir müssen dem Weltbild der Salafisten alternative Narrative entgegenstellen.“

 

Die Salafisten arbeiteten mit einfachen Weltbildern, etwa dem „Kampf des Westens gegen die Muslime “ oder die „Unterdrückung der Muslime in Deutschland“, erläutert Islamwissenschaftler Meißner. Gerade jüngere Menschen hätten das Gefühl, etwas für „den Islam“ tun zu müssen, indem sie Korane verteilten oder – im Extremfall – nach Syrien oder in den Irak gingen. Auch wenn nur eine Minderheit im salafistischen Spektrum gewaltbereit ist, sieht Meißner auch eine Gefahr im nicht gewaltbereiten Salafismus : „Das Schwarz-Weiß-Denken kann zu Aktionismus führen, der bei manchen in Gewalt münden kann.“

 

Zum Thema:

 

Hintergrund Der Salafismus ist eine islamistische Ideologie, die sich nach Darstellung des Verfassungsschutzes an den Vorstellungen der ersten Muslime und der islamischen Frühzeit orientiert. Salafisten richten ihre religiöse Praxis und ihre Lebensführung ausschließlich an den Prinzipien des Korans und dem Vorbild des Propheten Muhammad aus. Sie zielen auf die Errichtung eines Gottesstaates, in dem – so das Bundesamt für Verfassungsschutz – westliche Grundrechte und Verfassungsprinzipien keine Geltung mehr haben sollen. Der politische Salafismus will seine extremistische Ideologie vor allem über „Missionierung“ und Indoktrinierung verbreiten, während der dschihadistische Salafismus Gewalt als legitimes, ja notwendiges Mittel ansieht, um die „gottgewollte“ Ordnung durchzusetzen. Die Übergänge zwischen beiden Formen sind laut Verfassungsschützern fließend. Einflussreichste ideologische Strömung im Salafismus ist der Wahabismus, der die Reinigung des Islams von späteren „Neuerungen“ vertritt. In Saudi-Arabien ist er Staatsreligion. kir  
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