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Menschen über Drehleiter gerettet

19 Menschen sind in der Nacht zum Sonntag von der Feuerwehr aus zwei brennenden Häusern in der Völklinger Innenstadt gerettet worden. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung.

Von SZ-Redakteur Bernhard Geber

Völklingen.
Rund zwei Jahre nach den Brandanschlägen vom August 2007 (siehe „Rückschau“) haben die Völklinger und ihre Feuerwehr erneut eine dramatische Nacht erlebt – und zwar auch erneut von Samstag auf Sonntag. Es begann kurz vor halb Drei mit einem Notruf aus dem Wohn- und Geschäftshaus Marktstraße 8 in der Innenstadt. Die Feuerwehr rückte mit 35 Kräften von den Löschbezirken Innenstadt und Luisenthal und der Atemschutzabteilung aus. Und stieß laut Einsatzleiter Heiko Schlang auf folgende Situation: Ein Kinderwagen und mehrere Fahrräder lagen über einander im Treppenhaus und brannten, und Rauch zog durch das Haus.

Zunächst war Menschenrettung angesagt. Vier Erwachsene begleiteten die Wehrleute durch das Treppenhaus nach außen. Die Wehrmänner trugen schwere Schutzanzüge, atmeten aus Pressluftflaschen. Die Bewohner wurden auf ihrem Weg durch so genannte Fluchthauben geschätzt – orangefarbene Hauben mit Sichtfenster, in die ein Atemfilter eingebaut ist, der zumindest kurzfristig giftige Dämpfe zurückhält. Für zwei weitere Erwachsene und zwei Kinder führte der Weg nach außen aber nur noch über die Drehleiter. Von den insgesamt acht Bewohnern wurden sechs, darunter auch die zwei Kinder, wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung vorsorglich in ein Krankenhaus eingeliefert.

Noch während die Wehrleute mit dem Nachlöschen in der Marktstraße zu Gange waren, kam (gegen 3.50 Uhr) der nächste Alarm: Es brannte einige 100 Meter Luftlinie entfernt im Wohnhaus Bismarckstraße 120, in Nähe der Hüttenschänke. Einsatzleiter Heiko Schlang fuhr mit dem Kommandowagen voraus und sah eine äußerst brenzlige Situation.

Hilferufe aus Dachfenstern


„Da standen schon Leute auf der Straße, und aus den Dachfenstern riefen vier Personen um Hilfe.“ Das Drehleiter-Fahrzeug stand noch einsatzbereit in der Markstraße und war schnell vor Ort. Die Wehrleute retteten die vier Verängstigten aus ihrer Notlage in luftiger Höhe, geleitete dann noch sieben weitere Personen übers Treppenhaus hinaus ins Freie. Zwischenzeitlich war der Löschbezirk Ludweiler nachalarmiert worden, so dass jetzt rund 50 Wehrleute zur Verfügung standen. Von den insgesamt elf Betroffenen in der Bismarckstraße mussten dann gleich neun zur Beobachtung in benachbarte Krankenhäuser gebracht werden.

Der Brand in der Bismarckstraße hatte sich offenbar bereits weit intensiver als in der Marktstraße entwickelt. „Das Haus war komplett stark verraucht, und dichter Qualm zog aus den Fenstern“, berichtet Schlang. Der Ausgangspunkt lag offenbar „mit sehr starker Rauch- und Hitzeentwicklung“ (Schlang) im Keller. Da musste die Wehr zunächst zwei Türen aufbrechen, um von allen Seiten löschen zu können, und war am Brandort Bismarckstraße noch bis sieben Uhr am Sonntagmorgen beschäftigt.

Die Betroffenen in beiden Brandhäusern waren laut Schlang teils deutscher Nationalität und teils ausländischer Herkunft. Ob und wie lange wie viele Menschen im Krankenhaus bleiben müssen, war am Sonntag noch nicht bekannt. Wie Schlang und auch Polizei-Dienstgruppenleiter Patrick Wilhelm bestätigten, ist zumindest bei einem Großteil bereits gesichert, dass er bei Verwandten unterkommen kann.

Ermittler vor Ort

Zumindest das Haus in der Bismarckstraße gilt im Moment als unbewohnbar. An beiden Brandorten waren am Sonntag Spezialisten der Kriminalpolizeiinspektion Saarbrücken am Werk. In beiden Fällen besteht der Verdacht vorsätzlicher Brandstiftung , zumal das Feuer in der Bismarckstraße auch noch an mindestens zwei verschiedenen Stellen im Keller ausbrach.



Rückschau

Schon vor rund zwei Jahren waren in einer Nacht zum Sonntag drei bisher ungeklärte Brände in Völklingen gelegt worden. In der Nacht vom 4. auf den 5. August 2007 brannte es in Wohnhäusern in der Ludweiler Straße in Wehrden, in der Bismarckstraße und in der Alten Marktstraße in der Völklinger Innenstadt. Während die Bewohner in der Alten Marktstraße knapp an einer Katastrophe vorbeikamen, überstanden die Bewohner in der Bismarckstraße und in der Ludweiler Straße den Brandanschlag mit nur leichteren Blessuren durch die starke Rauchentwicklung. Damals wurde auch in Richtung eines fremdenfeindlichen Hintergrundes ermittelt. red

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