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Menschen wollen Kirchensteuer sparen

Der katholischen Kirche haben im vergangenen Jahr wieder deutlich mehr Mitglieder den Rücken gekehrt als in den drei Jahren zuvor. Die Bischöfe vermuten, die Austretenden wollten Kirchensteuer sparen .

Fulda/Saarbrücken. Die deutlich gestiegene Zahl der Kirchenaustritte hat bei den katholischen Bischöfen Besorgnis ausgelöst. Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle sagte gestern in Fulda, die Angaben seien tief beunruhigend. Während der bis morgen dauernden Vollversammlung werde die Bischofskonferenz auch über mögliche Gründe für die Austritte diskutieren.

Nach den nun veröffentlichten Zahlen erklärten im vorigen Jahr 121.155 Deutsche ihren Austritt aus der katholischen Kirche. Das waren rund 27.500 mehr als 2007. Im Saarland kehrten im vergangenen Jahr 2032 Katholiken der Kirche den Rücken, gegenüber 1648 im Jahr 2007. Nur zwischen 2005 und 2007 hatten die Zahlen in der Vergangenheit bundesweit unter 100.000 gelegen – eine Entwicklung, die Beobachter auf den deutschen Papst zurückführten.

Trelle verwies darauf, dass die Entwicklung sicher auch mit der Wirtschaftskrise zusammenhänge. Sie sei aber „sicher nicht der einzige Grund“.

Auch der Religionssoziologe Detlef Pollack sieht einen Zusammenhang zwischen Austritten und der Wirtschaftskrise. Die Ersparnis der Kirchensteuer sei ein „wesentliches Motiv“, sagte er. Das zeigten viele Umfragen der vergangenen Jahre. Die Austrittsrate steige immer dann, wenn die Finanzbelastung wachse. Das sei so bei der Einführung des Konjunkturzuschlags in den 1970er Jahren und des Solidaritätszuschlags 1992 gewesen.

Als tieferen Grund für den Trend nannte Pollack eine sinkende Religiosität. „Menschen, die austreten, haben zumeist die Beziehung zu Glauben und Kirche verloren.“ Die Wirtschaftslage sei dann nur „der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“. Da Männer zumeist besser verdienten als Frauen, bringe ihnen ein Austritt den höheren finanziellen Gewinn. Der Streit um die Piusbrüder und den Holocaust-Leugner Richard Williamson kann dagegen keinen Einfluss gehabt haben, da der Konflikt erst im laufenden Jahr eskalierte.

Gleichzeitig rechnet der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, damit, „dass wir bei steigender Arbeitslosigkeit bis zu zehn Prozent weniger Einnahmen durch die Kirchensteuer haben werden“.




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