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Merzig: Drahtcord streicht wohl 110 Jobs

Das Drahtcord-Werk in Merzig schließt eine von zwei Produktionshallen. Rund 110 Mitarbeiter werden voraussichtlich ihre Jobs verlieren. Das verkündete die Firma am Dienstag (22. September) auf einer Betriebsversammlung.

Merzig. Der Merziger Autozulieferer Drahtcord baut rund die Hälfte seiner 230 Stellen ab. Das teilte das Unternehmen am Dienstag auf einer Belegschaftsversammlung mit. Ende März wird die Halle stillgelegt. Die Produktion von vermessingtem Draht, ein Vorprodukt des Endprodukts Stahlcord, wird aufrechterhalten, heißt es in einer Pressemitteilung. Bereits seit Dezember 2006 hat das Unternehmen Kurzarbeit angemeldet.

Jetzt beginnen die Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat über einen sozialverträglicheren Stellenabbau. Die IG Metall fordert nach Angaben von Ferdinand Weidig, Generalsekretär der IG Metall Völklingen, einen Teil der Produktion in Merzig zu belassen. „Wir haben einen Altersdurchschnitt von 54 Jahren. Viele der Mitarbeiter könnten in drei bis vier Jahren in Altersteilzeit gehen. Das ist eine Alternative“, ergänzt Gerd Spath, Betriebsratsvorsitzender bei Drahtcord.

Bereits im Mai wurde der Abbau von 20 Stellen angekündigt. Schuld daran sei auch die schwierige finanzielle Lage der Firma Continental durch die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe, begründete Josef Lottes, Geschäftsführer von Drahtcord Saar, damals die Entscheidung. Continental ist – neben Pirelli – einer der beiden Anteilseigner der Unternehmens. Der in Merzig produzierte Stahlcord wurde für die Reifenproduktion vor allem bei Continental verwandt. „Die Absatzkrise hat die Entscheidung, die Produktion in Merzig in Teilen zu schließen, aber wohl nur beschleunigt“, sagte Weidig.

Denn es gibt einen weiteren Grund für den massiven Stellenabbau. Stahlcord wird zukünftig vermehrt in Rumänien produziert. Der Grund: In Rumänien sind die Produktionskosten geringer. „Es ist unmöglich, die Produktion von Stahlcord hier aufrechtzuerhalten, da der Wettbewerb sich kontinuierlich verschärft hat mit Produktionsverlagerungen und Zuwächsen der Reifenproduktion in Niedriglohnländern“, bestätigt Melina Evangelisti, Sprecherin bei Pirelli.

Das Werk in Rumänien wurde im Jahr 2005 gegründet. „40 Prozent unserer alten Maschinen sind bereits dort“, sagt Gerd Spath. Im Frühjahr seien noch einmal 68 Maschinen verschickt worden, ein Ende der Produktion war absehbar.

Die Glanzzeiten des 1970 gegründeten Unternehmens sind schon lange vorbei. Anfang der 80er Jahre waren rund 1000 Leute beschäftigt. Bereits 1994 wurde ein Teil der Produktion in die Türkei verlegt, das kostete in Merzig rund 250 Jobs. 2000 waren es nur noch 480 Mitarbeiter, 230 sind es jetzt.


Halle zwei bei Drahtcord in Merzig soll bis April 2010 geschlossen werden


Der schlimmste Albtraum der Mitarbeiter der Drahtcord-Werke ist wahr geworden. Eine der beiden Produktionsstätten schließt. Rund 110 Mitarbeiter sollen dann ohne Job sein, hieß es gestern auf einer Betriebsversammlung.

Merzig. "Das ist wie eine Ohrfeige." Betriebsrat Heinz Zender aus Nohn ist sauer. Eben haben er und seine Kollegen im Merziger Drahtcord-Werk erfahren, dass die Halle zwei bis Ende März geschlossen werden soll. Auf einer Belegschaftsversammlung teilte ihnen das Unternehmen mit, dass etwa die Hälfte der 230 Arbeitsplätze von der Schließung betroffen sein werden. Wer genau entlassen wird, ist noch nicht sicher.

Wut im Bauch hat auch Peter Bopp. "Ich arbeite zwar in Halle eins, aber das nützt mir gar nichts", sagt der Merziger. Denn nicht nur Mitarbeiter aus Halle zwei würden entlassen. Gekündigt werde nach Alter, vermutet Ferdinand Weidig, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Völklingen. Melina Evangeliste, Sprecherin bei Pirelli, neben Continental Anteilseigner der Drahtcord-Werke, kann das nicht bestätigen. Evangeliste: "Die Verhandlungen beginnen ja jetzt erst. Sie Sozialplan-Kriterien sind aber auf jeden Fall Gegenstand der Verhandlungen."

Peter Bopp reicht es jetzt schon. "Seit Jahren halten wir hier die Knochen hin. Und jetzt schmeißen sie die Leute raus." Den Frust teilt Gerd Spath, Betriebsratschef der Drahtcord-Werke: "Ich arbeite seit 38 Jahren hier, habe die Firma entstehen sehen. Es tut schon weh, was jetzt geschieht." Entsprechend niedergeschlagen sei die Stimmung im Unternehmen.

Doch Betriebsrat und Gewerkschaft wollen nicht aufgeben. Die Belegschaft habe einen Altersdurchschnitt von 54 Jahren. Für viele Mitarbeiter sei in drei bis vier Jahren Altersteilzeit möglich. "Das wäre eine Alternative", sagt Spath.

Doch der Ausverkauf des Unternehmens habe schön länger begonnen. Im Frühjahr seien erst wieder 68 Maschinen aus Merzig ins rumänische Werk geliefert worden. Das Werk übernimmt die Arbeit der Mitarbeiter aus Halle zwei in Merzig jetzt komplett. Und viel billiger. Ein Arbeiter in Rumänien verdient nach Angaben von Spath im Monat zwischen 250 und 300 Euro, in Deutschland sind es zehn Mal so viel.

Dass das Ende so plötzlich kommt, hätte dennoch niemand vermutet. Ferdinand Wendig: "Die Wirtschaftskrise hat die Entscheidung wohl beschleunigt." Das macht Betriebsrat Spath unheimlich traurig, "weil es jetzt so endgültig erscheint".

Zenner: "Vor 15 Jahren hieß es, Drathcord ist eine gute Firma. Das ist heute vorbei. Wo sollen wir denn jetzt hin in unserem Alter." > Seite A 7: Bericht und Kommentar

"Das ist wie eine Ohrfeige."  Heinz Zenner, Betriebsrat

"Seit Jahren halten wir hier die Knochen hin. Und jetzt schmeißen sie die Leute raus." Peter Bopp



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