A8 Saarlouis Richtung Luxemburg AS Rehlingen Gefahr durch defektes Fahrzeug, rechter Fahrstreifen blockiert (14:57)

A8

Priorität: Sehr dringend

9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
9°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Merzig-Wadern ist Saarlands Wildkatzenparadies



Merzig-Wadern. Wie viele Wildkatzen Merzig-Waderner sind, ist schwer zu sagen. Jede wild lebende Samtpfote zwischen Mettlach, Hochwald und Beckingen zu zählen, unmöglich. Aber klar ist, dass die Wildkatze den Grünen Kreis schätzt. Das zeigen erste Ergebnisse der „Wildkatzen-Inventur“, Teil des bundesweit laufenden Projekts „Wildkatzensprung“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) und des Bundesamts für Naturschutz. Das Projekt weist die Region Merzig-Wadern – in einem zusammenhängenden Gebiet des nördlichen Saarlands mit Rheinland-Pfalz – sogar als eine der „bedeutendsten Wildkatzenregionen Europas“ aus.

Das freut Martin Lillig vom Bund-Landesverband Saarland, der für die saarländische Projektregion verantwortlich ist. Jene wurde schwerpunktmäßig auf den Raum Merzig-Wadern gelegt, „weil wir uns dort die größten Vorkommen erwartet haben.“ Das habe sich bestätigt. Mindestens 31 Wildkatzen wurden bereits nachgewiesen. An 50 Stellen im Kreis, auf rund 225 Quadratkilometern, hat Lillig für das Projekt Lockstöcke aufgestellt; Holzstangen im Wald, die mit Baldrian besprüht sind. Kameras liefern zudem Bilder der vorbeistreichenden Katzen. Weil diese Baldrian lieben, erklärt der Experte, „reiben sie sich an den Stöcken, an denen dann Haare hängen bleiben“. Von Februar bis April 2012 standen die Stöcke zum ersten Mal im Wald, seit Januar läuft die zweite Untersuchungsphase. Zwischenfazit: „Die Wildkatze besiedelt den Landkreis ziemlich flächendeckend“. Nicht untersucht werde die unmittelbare Umgebung Merzigs, „was aber nicht ausschließt, dass es dort auch Wildkatzen gibt“, erklärt Lillig.

Die Haare, die der Naturschützer nun alle zehn Tage einsammelt, sind Datenbasis des Projekts. „Sie werden an das Forschungsinstitut Senckenberg nach Gelnhausen geschickt, das eine Genanalyse durchführt“. Denn die Bund-Studie soll bis Ende 2014 nicht nur klären, wo in Deutschland Wildkatzen leben. Sondern auch Aufschluss über deren noch weitgehend unerforschte Genetik geben. Weiteres Ziel ist, neue Lebensräume für Wildkatzen zu schaffen. Wo Tiere „durch Landschaftszerschneidung in isolierte Waldgebiete zurückgedrängt“ und damit bedroht sind, sollen auf Basis der Studie Verbindungswege zwischen isolierten Vorkommen geschaffen werden. Etwa, indem Ackergebiete in Waldflächen umgewandelt werden. Weil Deutschland Wildkatzenregion Nummer 1 in Europa sei, sieht der Bund „eine besondere Verantwortung für den Schutz und Erhalt der Tiere“.

Im Grünen Kreis habe die Wildkatze nicht sehr unter Landschaftszerschneidung zu leiden, berichtet Lillig. Die Großregion mit Hochwald und Hunsrück sei eines der „größten zusammenhängenden Gebiete“ Europas. Schätzungen aus einem Gutachten von 2007 gingen von 87 bis 237 Tieren saarlandweit aus, allein im Hochwald von 60 und 166. 31 wurden nun sicher nachgewiesen. Für den Katzenreichtum der Region kann es laut Lillig mehrere Gründe geben; wenig Bejagung in vergangenen Jahrhunderten (seit den 30er Jahren ist die Wildkatzen-Jagd verboten), dazu viel Wald und wenige Feinde.

Der Mensch gefährde die Wildkatze vor allem durch Straßenbau, sagt Lillig. So würde auch das umstrittene Großprojekt Nordumfahrung mit Wildkatzengebiet kollidieren, ist der Naturschützer sicher. Die derzeit vielerorts diskutierten Windparks dagegen hält Lillig für weniger problematisch. „Die Bauarbeiten müssen schonend angegangen werden, aber wenn die Windräder stehen, kann die Wildkatze recht gut damit umgehen“. Wo es der Wildkatze im Kreis gut gehe und wo Schutzbedarf bestehe, werde die Studie dann in ihrem Endergebnis zeigen.

Stichwort

Über die Wildkatze spricht Martin Lillig vom Bund bei der Nabu-Ortsgruppe Merzig am Freitag, 22. Februar, 19.15 Uhr, im Nebenraum des Restaurants „Dionysos“ in der Stadthalle Merzig. „Sanfte Jäger auf leisen Pfoten – alles über das Leben der Wildkatzen in Merzigs Wäldern“ heißt der Vortrag, zu dem Mitglieder und Interessierte eingeladen sind. Im Anschluss stellen Claudia und Thomas Schneider seltene Pflanzenarten im Merziger Raum vor. Der Eintritt ist frei. kes


Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein