L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Merziger Druckerei-Aus: Angst um Gollenstein-Verlag

Merzig. Das Ende eines Traditionsbetriebs: Heute schließt die Merziger Druckerei & Verlag (MDV) – nach über 100-jähriger Firmengeschichte. Ende Mai hatte die MDV Insolvenz angemeldet; ab heute sind die meisten der 50 Mitarbeiter, die mit einem Lohnverzicht von zwölf Prozent im Jahr 2010/ 2011 und Kurzarbeit über zwei Jahre hinweg dem Unternehmen durch schwierige Zeiten halfen, arbeitslos. Eine Transfergesellschaft, die nur unter dem Druck der Insolvenzverwaltung zustande kam, soll nun den Entlassenen helfen.

Mit betroffen von der Schließung ist auch der Gollenstein Verlag, der bei der MDV angesiedelt ist – auch wenn er betont, er sei keine Tochterfirma der Druckerei. Der 1993 gegründete Verlag, in der überschaubaren saarländischen Belletristik-Landschaft ein renommiertes Unternehmen, zog 2007 von Blieskastel nach Merzig zur MDV; aus deren Umfeld hört man, Gollenstein habe damals Außenstände von rund 100 000 Euro gehabt. Die sollen heute das Vierfache betragen: Die Summe wurde vom MDV-Insolvenzverwalter, dem Saarbrücker Rechtsanwalt Udo Gröner, bei einer Belegschaftsversammlung genannt. Er sprach auch von „Quersubventionen“ zwischen der MDV und Gollenstein, die den Verlag, so munkelt man, vor der Insolvenz gerettet haben: Rechnungen der Druckerei an den Verlag, so hört man, wurden bis jetzt nicht bezahlt, um den Verlag nicht weiter zu verschulden. So haben sich über die Jahre die Forderungen der MDV an Gollenstein (beide Unternehmen haben denselben Geschäftsführer, Hans-Otto Kutrieb) zu 400 000 Euro addiert. Ist der Verlag damit überschuldet und am Ende?

Nicht unbedingt, sagt MDVInsolvenzverwalter Gröner. Er sucht Interessierte, die die Forderungen der Druckerei an Gollenstein aufkaufen – nicht zwingend in ihrer ganzen Höhe, sondern im Sinne einer eventuell niedrigeren, für die Gläubiger akzeptable „Anerkennungssumme“ – womit der Verlag schuldenfrei wäre. „Gollenstein gehört zu den Hauptschuldnern der MDV, sagt Gröner.

„Ziel ist es, eine Regelung herbeizuführen, die die Gläubiger der MDV zufrieden stellt und die Gollenstein überleben lässt.“ Der Insolvenzverwalter scheint optimistisch: „Es finden Gespräche statt, wir sind auf einem guten Weg.“

Die Geschäftsführer Hans- Otto Kutrieb und Alfred Diwersy, der den Verlag gründete, äußerten sich „aufgrund dringender Termine“ gestern nur schriftlich: Man bedauere, dass die Partnerschaft zwischen Gollenstein und MDV nun beendet sei. „Ob der Verlag in den bisherigen Räumlichkeiten verbleiben wird, werden Gespräche in den kommenden Wochen zeigen. Innerhalb dieses Zeitrahmens wird sich ebenfalls klären, inwieweit eine Änderung der Gesellschafterstruktur des Verlages stattfindet.“

Auch dazu fänden derzeit Gespräche statt. „Aus diesem Grund müssen wir unsere ursprüngliche Terminplanung für das Herbstprogramm voraussichtlich revidieren.“ Bis dahin müsse man auf „gesicherte Informationen“ warten.

Was sagt der Beirat des Gollenstein- Verlags zur Lage?

Reinhard Klimmt, früherer Ministerpräsident des Saarlandes: „Man muss abwarten, das Ganze liegt jetzt in den Händen des Insolvenzverwalters. Die Arbeit läuft weiter.“ Wo und wie genau, vermag er nicht zu sagen. „Aber ich gehe davon aus, dass es mit dem Verlag weitergeht.“

Beiratsmitglied Peter Meyer, Pressechef des Saarländischen Rundfunks, gibt sich ebenfalls hoffnungsvoll: Der Umsatz Gollensteins sei zuletzt um 20 Prozent pro Jahr gestiegen. Das Programm, das manche Kritiker etwas beliebig finden (im Herbstprogramm steht die Korrespondenz zwischen Georges Perec und Eugen Helmlé neben einem Fantasy- Epos), habe eine jüngere Anmutung als früher. „Ich mache mir keine Sorgen. Dazu ist die Entwicklung zu positiv.“

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