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Merziger Zeltoper: Das ist die neue Carmen!

Ann Kátrin Naidu ist die neue Carmen in der Merziger Zeltoper

Ann Kátrin Naidu ist die neue Carmen in der Merziger Zeltoper

Merzig. Nach elf Jahren darf man das, meint der Chef: Wiederholen. „Wir sind ein Sommerfestival und nicht dazu da, das gesamte Opernrepertoire auszuleuchten“, sagt Joachim Arnold, Intendant der Merziger Zeltoper („Musik & Theater Saar“). Auf rund 20 Stücke schätzt er das Reservoir der massentauglichen Musiktheater-Titel. Das bringt ihn in Sachen Spielplan-Gestaltung an Grenzen. Doch nur dort. Denn selbst für einen vermeintlich folkloristisch festgezurrten Kassenschlager wie George Bizets „Carmen“ (1875) ist das Regie-Interpretations-Spektrum unausschöpflich. So ist Arnold denn stolz auf seine neue „sehr schnelle, sehr mutige, sehr schroffe“ Version.

Die sechste Begegnung mit „Carmen“

30 Tonnen rostiger, unbehandelter Stahl-Bleche ließ er dafür in die Zeltarena nageln: einen gnadenlosen Boden. Der, wie Regisseurin Aurelia Eggers berichtet, die Kälte der Nacht frisst, um sie morgens auf die Sänger zu schleudern. Der Boden soll die Härte des Milieus spiegeln, in dem sich die Heldin durchschlägt. 1999, bei Andreas Baesler, gab Sand die puristische, natürliche Linie vor. Damals war Eggers schon mit dabei, als Ko-Regisseurin. Zwischenzeitlich hat sie an bestens beleumundeten Häusern gearbeitet, an der Staatsoper Hannover, in Frankfurt und Kiel. In Merzig erlebt Eggers bereits ihre sechste Begegnung mit „Carmen“, an die sie musikalisch noch kerniger rangehen will als mittlerweile üblich und die sie rabiat wegdrückt von jedweder Rüschen-Romantik. Die Zigeuner von einst sind in Merzig die Großstadt-Desperados von heute. Das Bühnenbild zoomt mit Wellblechwänden und Graffiti-Signaturen, mit einem abgestorbenen Baum und Matratzen die Tristesse der Außenbezirke von Sevilla heran.

Eggers ließ sich von der „Unbehaustheit“ von Berliner Plätzen inspirieren: „Die jungen Leute hängen rum, wissen nicht wohin mit ihrer Kraft und Energie.“ Solche Orte bringen Gangs hervor und Mädels wie Carmen, meint Eggers. „Sie hat Gewalt erlebt und Verletzungen. Darüber stülpt sie eine Hülle, das Klischee der selbstbewussten, unwiderstehlichen Frau. Damit hat sie Erfolg.“ Alles nur Show? Tatsächlich brennt die rassige Ann Katrin Naidu bei der Festnahme-Szene ein derart mächtiges Feuerwerk erotischer Verführungs-Signale ab, dass man ahnt, wie strapaziös das Übererfüllen dieser Rolle sein muss. Naidu war zwischen 1991 und 1994 ein Publikumsliebling im Saarbrücker Sängerensemble, danach ging's ziemlich weit nach oben, bis zu einem Festengagement am Münchner Gärtnerplatz-Theater oder zu Gastspielen an die Mailänder Scala.

Bilderbuch-Carmen Ann Katrin Naidu

Arnolds Frau Edda Petri, einst Naidus Ensemble-Kollegin, erinnerte sich an sie – und die Bilderbuch-Carmen reiste tatsächlich an, vom Typus her das Gegenteil einer Vorstadt-Schlampe. Doch letztere gehört in Eggers' Konzept: „Die Oper handelt von gesellschaftlichen Außenseitern. Da gibt es nichts Heldisches, auch kein schönes Soldatenleben, die Grenzen zu den Schmugglern sind fließend. Das sollte man ernst nehmen.“ Eggers steuert ein überaus soziales Tableau an, die sonst gern überdosierte Mann-Frau-Dynamik scheint nach hinten gerückt, die bereits das Pariser Uraufführungs-Publikum verstörte. Doch die Regisseurin hat entdeckt, dass man beim Schicksalsmotiv das Streiten zwischen Carmen und José „nach vorne ziehen kann“. Deshalb die Empfehlung: Hören wir mal genau hin.

Karten: Telefon (0 68 61) 9 91 00.

Auf einen Blick

Premiere am Freitag; dann am 21., 25., 26., 27., 28., 29. August; Merziger Yachthafen. Musikalische Leitung: Alexander Mayer, im Wechsel mit Mauro Fabbri und August Wilhelm Keitel. Es spielt das Minsk Orchestra, das 2008 und 2009 die Kritik überzeugte. Gesungen wird auf Französisch (mit Übertitelung), die Dialoge laufen deutsch. Die Gastronomie öffnet zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung. red

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