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„Mich hat der Teufel geritten“: Drogenabhängiger bedrohte und überfiel Frauen, um in Haft zu kommen

Symbolfoto.

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Von „außergewöhnlichen“ Umständen haben gestern selbst die Juristen im Saal 116 des Saarbrücker Landgerichts gesprochen. Und für Außenstehende summierte sich die Häufung seltener Vorgänge in diesem Prozess vor der Großen Strafkammer zu einem bizarren Gesamtbild. Vor Gericht stand ein 41-jähriger Familienvater, der Ende 2015 mit einem Löffelstiel und einer Spritze, die er als Aids-verseucht ausgab, zwei räuberische Erpressungen durchzog. Hayrettin B. stellte sich nach dem ersten Überfall der Polizei und, als die ihn nicht in Gewahrsam behalten wollte, beging er die zweite Straftat. Sein Ziel: die Festnahme. Haft schien ihm die beste Methode, um von seiner Kokain- und Heroinsucht los zu kommen. Eine Darstellung, der auch Staatsanwalt und Kammer gestern weitgehend folgten. Die Vorsitzende Richterin Susanne Biehl mahnte am Ende: „Es gibt andere Alternativen für ärztliche Hilfe als Straftaten zu verüben.“

Außerdem waren da zwei ungewöhnlich mutige und wehrhafte Frauen in einem Saarbrücker Second Hand Laden, den Hayrettin B. am 2. Dezember 2015 ausrauben wollte. Erfolglos. Mutter Renate (50) und Tochter Nicole (17) überwältigten ihn und übergaben ihn der Polizei . Zusätzlich erfuhr man von der Selbstbefreiung einer 82-jährigen Rentnerin. Hayrettin B. war Anneliese S. in die Wohnung gefolgt und hatte sie im Badezimmer eingeschlossen. Er nahm Schmuck, Handy und Portemonnaie mit. Anneliese S. musste den Badewannenrand erklimmen, um über das hoch gelegene Fenster Hilfe zu rufen. Etwa zwei Stunden blieb sie gefangen, bis die Feuerwehr die Tür öffnete. Das war am 29. November 2015, seitdem schläft Annelise S. schlecht. Ansonsten habe sie die Sache „einigermaßen gut weggesteckt“, erklärte sie gestern. Gleichwohl löste die persönliche Entschuldigung des Täters bei ihr, so schien es, Rührung und Abwehr zugleich aus. Kann man, darf man Hayrattin B. vertrauen, ihm seine Reue abnehmen? Oder ist es Taktik? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch den mehrstündigen Prozess. Denn der Angeklagte bot ein Bild der Zerknirschung, bat mehrfach um „Vergebung“, bezeichnete seine Taten als „charakter- und respektlos“ und als ihm gänzlich „wesensfremd“. Vor 2014 sei er ein gut bezahlter Restaurantchef in Bad Mergentheim gewesen, ein „Familienmensch“, der sehr an Freundin und Sohn (5) hing. Doch wie kam es zum Abrutschen in die Kriminalität? Trennungserlebnisse lösten bei Hayrettin B. Lebenskrisen aus. 1990, nach dem Tod der Mutter, wurde er zum ersten Mal drogenabhängig. Das wiederholte sich 2015, als die Beziehung zur Mutter seines Sohnes in die Brüche ging, was zu den beiden Straftaten in Saarbrücken führte.

Er habe weder Anneliese S. noch Renate H. weh tun wollen, so Hayrettin B. gestern. Die Second-Hand-Verkäuferin berichtete jedoch von minutenlangem Gerangel und Haare-Ausreißen. Die Tat ereignete sich, nachdem die Polizei Hayrettin B. nach dem von ihm gestandenen Überfall auf Anneliese S. wieder hatte laufen lassen. „Geld her oder ich stech dich ab“, habe der Angeklagte gerufen, so Renate H. Doch die Kasse sei leer gewesen. Nur das Auftauchen ihrer Tochter habe die Lage gerettet. Hayrettin B. schilderte es anders: Er habe diesen zweiten Raub nur geplant, um sich festnehmen zu lassen. „Mich hat der Teufel geritten“, so Hyrattin B. und meinte: die Gier nach Heroin und Kokain . Die Richter erkannten eine durch Sucht geminderte Schuldfähigkeit an. Strafmildernd werteten sie das Geständnis. Insgesamt verhängte die Strafkammer eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten und ordnete eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt (Merzig) an.
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