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Michelin: Im Homburger Werk ist bald eine Frau Chefin

Homburg. Die Nachricht kommt für viele Mitarbeiter und Beobachter völlig überraschend: Jürgen John (51), erst seit 5. Juni 2009 Chef von Michelin in Homburg, wechselt zum 1. November 2011 in die Konzernzentrale nach Clermont Ferrand. Für den Saarländer John, geboren in Tholey, ein schneller und großer Karrieresprung. Denn der Konzern-Vorstand vertraut ihm die Verantwortung für alle 18 Lkw-Reifenwerk-Standorte in Europa an. Von Polen über Deutschland bis nach Spanien. „Auch für mich kam der Zeitpunkt überraschend. Normalerweise bleibt man drei bis fünf Jahre in einer Funktion an einem Standort. Ich sehe das Ganze als eine große Herausforderung und große Ehre zugleich an“, räumte John gestern gegenüber unserer Zeitung von seinem Urlaubsort aus ein. Nachfolgerin in Homburg wird Lisa Janzen, Chefin von Michelin in Karlsruhe. Die offizielle Amtsübergabe wird am 14. Oktober sein.

John kam vom Michelin-Werk in Ungarn, trat seinen Dienst in Homburg inmitten der Wirtschaftskrise an. Es gelang ihm, das Werk ohne Personalabbau durch diese Krise zu führen. Die Zeit der Kurzarbeit wurde konsequent zur Qualifizierung der Belegschaft genutzt. Die Zahl der Mitarbeiter ist sogar gestiegen. Heute arbeiten im Homburger Werk insgesamt 1230 Micheliner. Hinzu kommen über 100 Zeitarbeiter. Unter Werkchef John wurden nicht nur zahlreiche Leiharbeiter fest übernommen. Er hat zudem mit über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus allen Führungs- sowie Werksbereichen gemeinsam eine Vision 2010 bis 2015 für den Standort Homburg entwickelt.  Dazu gehört das Ziel, mehr Wachstum mit technischen Innovationen auf allen Absatzmärkten zu erreichen. Homburg beliefert heute schon zahlreiche Kunden weltweit.

Hinzu kommt ein besonderer Führungsstil, den John geprägt hat. Er pflegt die möglichst umfassende und frühzeitige persönliche Information aller Mitarbeiter über sämtliche Neuerungen im Werk. John hat auch das regelmäßig stattfindende „Frühstück mit Mitarbeitern“ eingeführt. Mit Beschäftigten verschiedenster Abteilungen aus allen Ebenen, um persönlich zu erfahren, was man verbessern kann. Zur Vision 2010 bis 2015 gehört auch eine zunehmende eigene Energieversorgung, um Kosten zu senken. Mittlerweile erzeugt Michelin 60 Prozent seines Stroms selbst, kooperiert mit den Stadtwerken Homburg im Bereich Energie. Außerdem setzt Michelin auf gezielten Erfahrungsaustausch zwischen Jung und Alt, um das Wissen von aus Altersgründen ausscheidender Mitarbeiter im Betrieb zu halten. Das Werk Homburg gilt im Konzern als Aushängeschild, das regelmäßig von Führungskräften aus der ganzen Welt besucht wird. Und als Standort mit gesunden Zahlen. 2010 wurden 880.000 Reifen ausgeliefert. Für 2011 sind bis zu einer Million Reifen geplant.  Die Auslastung des Werks liegt damit nach der Krise wieder bei 90 Prozent.

Meinung
Herber Verlust für Homburg
Von SZ-Redakteur Thomas Sponticcia


Das Michelin-Werk in Homburg verliert einen Chef, der sich durch eine heute selten gewordene Gabe auszeichnet: den unbedingten Willen zur Kommunikation und zur Einbeziehung seiner Mitarbeiter in Entscheidungen. Fernab des üblichen Hierarchiedenkens, das meist mehr Frust als Lust erzeugt. John hat gemeinsam mit seinen Mitarbeitern eine Vision für das Werk entwickelt, die von allen konsequent vorgelebt wird. Teil des Homburger Erfolges. Das Werk strebt nach der Krise wieder auf die Vollauslastung zu, es gilt im Konzern weltweit als besonders fortschrittlich. Auch die Zahlen stimmen. John ist genau der Typ von Chef, den man heute zum Erfolg braucht. Ein herber Verlust für Homburg.
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