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Millionen-Betrug: Prozess gegen Saarländer

Saarbrücken. Ein 52 Jahre alter Mann aus Saarbrücken muss sich vor Gericht verantworten, weil er bei mehreren Banken Kredite von etwas mehr als zwei Millionen Euro erschwindelt haben soll. Die Anklage listet insgesamt elf Fälle von Kreditbetrug auf. Innerhalb von neun Monaten soll er 2005 bundesweit bei elf Kredithäusern – von der inzwischen nicht mehr existierenden Dresdner Bank bis hin zu kleineren Sparkassen und Volksbanken – mit gefälschten Unterlagen Darlehen ergaunert haben. Davon habe er bundesweit 20 Eigentumswohnungen und ein Mehrfamilienhaus gekauft. Diese waren im wirklichen Leben aber offenbar deutlich weniger wert als auf dem Papier. Als der Angeklagte seine Schulden nicht zahlte, konnten die Banken ihren Schaden nicht über die Immobilien wettmachen. Am Ende blieben sie laut Anklage auf einem Schaden von 1,2 Millionen Euro sitzen.

Der Beschuldigte schweigt

Der Beschuldigte sagte zu diesen Vorwürfen am ersten Prozesstag nichts. Der gelernte Industriekaufmann mit Fachabitur war lediglich bereit, zu seiner Person auszusagen. Danach lebt der ursprünglich aus einem anderen Bundesland stammende Mann seit Jahrzehnten im Saarland. Er ist verheiratet, hat keine Kinder und verdiente im Vertrieb eines großen Autohauses bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2007 rund 84.000 Euro im Jahr. Aber anscheinend wollte der Angeklagte mehr. Und dieses Geld sollte aus dem damals weltweit florierenden Immobilienmarkt kommen.

Es war die Zeit vor der großen Banken- und Immobilienkrise der Jahre 2007/2008. Damals bekamen vor allem in den USA auch Leute ohne ausreichende Sicherheiten und ohne umfassende Prüfung ihrer Bonität Kredite für den Kauf von Häusern und Wohnungen. Viele spekulierten auf steigende Preise und darauf, die Kredite auf diese Weise bezahlen zu können.

Im Februar 2005 soll auch der Angeklagte in diesem Bereich aktiv geworden sein. Er beantragte damals bei einer Bank ein Darlehen von 230.000 Euro für den Kauf von zwei Wohnungen in Wuppertal. Zum Nachweis seiner Zahlungsfähigkeit legte er manipulierte Unterlagen vor, aus denen sich für 2003 ein angebliches Jahresgehalt von 131.000 Euro ergab. 2004 soll er nach den eingereichten (ebenfalls falschen) Belegen noch besser verdient haben – bis zu 15.000 Euro netto im Monat. Die Bank vertraute den gefälschten Unterlagen und gewährte dem Angeklagten den Kredit. Der kaufte davon die besagten Wohnungen; zur Sicherheit wurde die Bank ins Grundbuch eingetragen.
In den folgenden Monaten wiederholte sich dies nach Feststellung der Ermittler noch weitere zehn Mal bei Banken und Immobilien quer durch Deutschland. Und wenn ein Kreditinstitut zusätzlich zur Immobilie noch eine weitere Sicherheit haben wollte, sei eine Lebensversicherung ins Spiel gebracht worden. Aber deren Raten seien ebenso wenig gezahlt worden wie die Kreditraten. Bis November 2005 habe der Mann so insgesamt rund 2,1 Millionen Euro Kredite für 20 Wohnungen und ein Haus erschwindelt. Ab Februar 2006 seien die verschiedenen Finanzierungen dann nacheinander geplatzt. Und am Ende seien alle Immobilien weg gewesen, während an den Banken (ohne Zinsen) ein Schaden von 1,2 Millionen Euro hängen geblieben sei.

Heute lebt er von Hartz IV

Der Angeklagte wird diesen Schaden wohl niemals mehr ausgleichen können. Er hat Privatinsolvenz angemeldet, seine Arbeitsstelle verloren und lebt zusammen mit seiner Frau von HartzIV. Ihm droht nun eine mehrjährige Haftstrafe. Ein Urteil wird frühestens im März erwartet.
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