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Mindestlohn und Miesmacher: Hans Peter Kurtz und Joachim Malter im Saartalk

Arbeitskammerchef Hans Peter Kurtz, Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände, im Gespräch mit SR-Chefredakteur Norbert Klein und SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst (von links).

Arbeitskammerchef Hans Peter Kurtz, Joachim Malter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände, im Gespräch mit SR-Chefredakteur Norbert Klein und SZ-Chefredakteur Peter Stefan Herbst (von links).

Herbst: Herr Kurtz, als Vorstandsvorsitzender der Arbeitskammer haben Sie zu Jahresbeginn einen Mindestlohn von 10,80 Euro gefordert. Der CDU-Wirtschaftsrat hat diese Forderung als „verrückt“ bezeichnet. Wie verrückt ist diese Forderung?
Kurtz: Verrückt sind diese 10,80 Euro gar nicht. Wir haben uns damit auseinandergesetzt, was ein Arbeitnehmer während seines Arbeitslebens verdienen muss, damit er später nicht in die Altersarmut rutscht. (…)

Herbst: Herr Malter, was ist besonders problematisch an dieser Forderung?
Malter: (…) Man sollte die Löhne so vereinbaren, dass auch Menschen, die Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt haben, eine Chance bekommen. Wenn dann Geld fehlt, die Familie zu ernähren, muss man über Transferleistungen den Familien helfen und den Restbetrag aufstocken. Es ist besser, wenn die Menschen ihre Fähigkeiten nutzen und der Staat ihnen den Rest dazugibt, als dass man sie mit einem hohen Lohn, der nur auf dem Papier steht, in die Arbeitslosigkeit entlässt.

Klein: In welchen Branchen sehen Sie denn die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten?
Malter: Die Gefahr besteht überall dort, wo Menschen real weniger als 10,80 Euro verdienen. Wenn man einen Lohn festschreibt, geht damit ja nicht einher, dass die Unternehmen zu diesem Lohn auch reale Beschäftigung gewährleisten.  (…)

Herbst: Herr Kurtz, ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro reicht aber bei weitem nicht aus?
Kurtz: Das reicht nicht aus, aber ich finde es sehr gut, dass tatsächlich ein Mindestlohn in Deutschland eingeführt wird. Irgendwann muss ja mal der Anfang gemacht werden.

Herbst: Sie beide streiten auch darüber, wie das Klima in saarländischen Betrieben ist. Darüber macht die Arbeitskammer regelmäßig eine Studie, das Betriebsbarometer. Herr Kurtz, warum ist denn das Klima in den Betrieben so schlecht?
Kurtz: Wir haben im Saarland einen sehr großen industriellen Bereich. In den Unternehmen wurde sehr viel getan, um die Konkurrenzsituation zu verbessern. Das hat leider dazu geführt, dass sich die Arbeitsbedingungen verschärft haben. (…) Die Beschäftigten müssen unter einem sehr starken Zeitdruck arbeiten. In betriebliche Entscheidungen werden sie nicht mit einbezogen. (…)

Herbst: Herr Malter, an dieser Stelle halten Sie Herrn Kurtz immer für einen Miesmacher. Warum ist das so?
Malter: Dieses Wort ist gefallen, das ist richtig. Doch die Arbeitsbedingungen sind im Saarland nicht schlechter als in anderen Bundesländern. Herr Kurtz, Sie befragen mit dem Betriebsbarometer rund 1000 Betriebsräte, 200 davon antworten. Wenn man denen die Möglichkeit gibt zu meckern, werden sie auch meckern. (…) Dann geht die Landesregierung demnächst hin und gibt jedes Jahr 1,5 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre aus, um in die Republik hinein zu verkünden: „Ihr jungen Leute, kommt bitte hierher. Hier ist es toll zu arbeiten.“ (...) Das widerspricht sich.

Herbst: Herr Kurtz, wie reagieren Sie darauf?
Kurtz: Wir machen diese Befragungen nicht, um die Unternehmen oder die Wirtschaft im Saarland mieszumachen. Es geht uns einzig und allein darum, dass wir Themen aufgreifen. Wie ist zum Beispiel das Führungsverhalten in den Unternehmen? (…) Hat man eine Mitbestimmung, werden die Arbeitnehmer mit einbezogen? (…) Wenn wir gemeinsam diese Probleme lösen, können wir auch leichter Fachkräfte ins Land holen.

Herbst: Herr Malter, Fachkräftemangel auf der einen Seite und junge Saarländer, die schlechte Perspektiven in diesem Land sehen. Wie passt das zusammen?
Malter: Ich glaube nicht, dass die Perspektiven in diesem Land schlecht sind. Wir können aber gerne daran arbeiten, dass sie besser werden.
  „Noch etwas ehrgeizigere Saarländer“ Spontan ergänzt – Die schnelle Schlussrunde im Saartalk

Herbst: Die Forderung der Arbeitskammer nach einem Mindestlohn von 10,80 Euro ist gefährlich, weil  …
Malter: … jeder, der dieses Entgelt am Markt nicht erlöst, möglicherweise seinen Arbeitsplatz verliert.

Klein: Der Mindestlohn von 10,80 Euro ist richtig, weil …
Kurtz: … die Menschen dann im Alter nicht arm werden.

Herbst: Der größte Standortvorteil des Saarlandes …
Malter: … sind die Saarländer. Sie könnten noch etwas ehrgeiziger werden.

Klein: Der größte Standortnachteil des Saarlandes ist …
Kurtz: … die traditionelle Denkweise. Hier muss man mehr in die Zukunft denken.

Herbst: Das Betriebsklima in saarländischen Unternehmen ist in der Regel gut, weil …
Malter: …die Saarländer so kooperativ und produktiv sind.

Klein: Das Betriebsklima ist häufig schlecht, weil …
Kurtz: … Führungskräfte nicht ordentlich auf ihre Tätigkeit vorbereitet sind.

Herbst: Trotz aller Differenzen schätze ich an Hans Peter Kurtz, dass …
Malter: … man ohne weiteres ein Bier mit ihm trinken kann.

Klein: Trotz aller Differenzen schätze ich an Joachim Malter, dass …
Kurtz: … er offen und zuverlässig ist. Und die Gewissheit, dass er nie ein Metaller wird.
 
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