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„Minisaarland“: Kinder und Jugendliche schlüpfen in zahlreiche Berufe

In Heusweiler
können Kinder in den
kommenden Sommerferien in
zahlreiche Berufe schlüpfen.

In Heusweiler können Kinder in den kommenden Sommerferien in zahlreiche Berufe schlüpfen.

In Heusweiler wird in Kürze ein neuer Staat ausgerufen: das Minisaarland. Schüler können dort in den ersten drei Wochen der Sommerferien das Erwachsensein spielen. Staatsgebiet ist das Gelände der Friedrich- Schiller-Schule.

Das Minisaarland ist nicht etwa eine Wiederbelebung der Gulliver- Welt in regionalem Flair. Es ist ein fiktiver Stadtstaat, bevölkert und verwaltet von Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 15 Jahren. „Kinder lernen zunächst imitierend“, erklärt der Soziologe Armin Kuphal, Experte für Gruppenorganisation, das Projekt. Im Minisaarland spielen sie Politiker, Polizisten, Reporter, Forscher, Richter, Bäcker, Künstler, Friseure, Fotografen, Gärtner, Streitschlichter und und und. „Es sind alle Facetten des gesellschaftlichen Lebens vertreten“, sagt Norbert Gutenberg, der das Projekt leitet. „Die Künstler der Stadt können dieses Jahr aus Ytong Skulpturen herstellen.“

Die Kinder seien im Minisaarland keinesfalls sich selbst überlassen, erläutert Soziologe Kuphal. Das Projekt sei vergleichbar mit einer Verkehrsschule, in der Kinder Verkehrsregeln kennen lernen. Wie in der parlamentarischen Demokratie könnten Gesetze in gewissem Rahmen selbst gemacht werden. Durch das Nachahmen in der Rolle könne sich Kreativität entfalten. „2012 fanden die Kinder das parlamentarische System unpraktisch und entschieden sich für ein Direktwahl-System“, erinnert sich Leiter Gutenberg und fügt hinzu: „Bei einem Sklavenhaltersystem würde die Spielleitung einschreiten.“ Aber die jungen Bürger hätten in der Vergangenheit dramatische Entwicklungen auch schon selbst reguliert. Im Falle eines Bürgermeisters, der nicht abtreten wollte, sei es zu einem Aufstand gekommen.

„Echte“ Erwachsene gibt es im Minisaarland nur solche, die spezielle Berufe anleiten und erklären. Die Autonomie der Kinder stehe im Vordergrund, so Gutenberg. Die soziale Marktwirtschaft ist ebenfalls für die Kinder vororganisiert. „Da gab es die Kritik, dass das einem Kapitalismus-Training entspreche“, sagt Gutenberg.

In gewisser Weise sei das richtig, in anderer nicht. „Wir wollen keine utopische Spielstadt haben, sondern unsere Gesellschaft abbilden, in der sich die Spieler später zurechtfinden müssen.“ Wer Bürger des Minisaarlandes werden möchte, kann sich den benötigten Pass beim örtlichen Einwohnermeldeamt ausstellen lassen. Dort gibt’s auch Startkapital. Bei der Jobsuche unterstützt – falls nötig – ein fiktives Arbeitsamt teilnehmende Kinder.

Von der Müllabfuhr bis zur Post, über Justiz und Verwaltung bis hin zum Lebensmittelhandel: Im Ministaat muss alles funktionieren. Dieses komplexe Spiel sei günstiger als so manches Erwachsenen-Vergnügen, meint Soziologe Kuphal: „Die Organisation einer Theateraufführung kostet mehr.“

AUF EINEN BLICK

Das Projekt Minisaarland ist ein Ferienprogramm des gemeinnützigen Vereins Minisaarland und der ABG gGmbH. Vom 28. Juli bis zum 14. August können Kinder und Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren täglich zwischen zehn und 17 Uhr mitmachen. Die Teilnahme ist gratis, das Projekt finanziert sich aus Spenden. Der Ministaat befindet sich in der Friedrich-Schiller-Schule in Heusweiler. Er wird zum fünften Mal organisiert. 2015 ist St. Wendel Projektort. bfr www. minisaarland.de

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