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Ministerium-Sanierung könnte 30 Millionen kosten

Saarbrücken. Immer schon, wenn Lastwagen die Westspange hoch bretterten, vibrierte manche Akte im siebten Stock des Hochhaus-Riegels. Doch seit Kurzem wird es manchem Ministerialbeamten mulmig. „Mir ist das nicht ganz geheuer“, sagt eine Bildungsministeriums-Angestellte, die ungenannt bleiben will. Sie kennt wie die gesamte Belegschaft seit Jahren die Schäden an der Südfassade – ein Gerüst ist das sichtbare Zeichen dafür. Netze sollen Beton-Brocken abfangen, bevor sie Autos oder Fußgänger treffen. Doch seit vor etwa 14 Tagen eine Personalversammlung zum Thema Bauzustand einberufen wurde, liegt offen, dass die Statik des Gebäude-Riesen aus den 50er Jahren wackelt. Noch in diesem Jahr sollen erste Stützarbeiten beginnen. Dies bestätigte Staatssekretär Stephan Körner (Grüne) gestern der SZ und erläutert sie wie folgt: Nicht außen, sondern innen erfolge die Sicherung, in den Büros hinter den Fenstern würden Säulen installiert. Kosten: 250 000 Euro. Körner schätzt, dass sich das Ministerium für mindestens zwei Monate in eine Baustelle verwandelt, wenn auch nur etagenweise.

Aber was folgt dann? Die Generalsanierung? Die könnte, wie kolportiert und von Körner nicht dementiert wird, 30 Millionen Euro verschlingen und zwei Jahre dauern. 230 Mitarbeiter müssten „umgesiedelt“ werden, um dann zurückzukehren in einen zwar energetisch ertüchtigten, aber dennoch nicht optimalen, weil beengten Altbau. Deshalb, so Körner, erwägt man eine Alternative: Neubau an alter oder anderer innerstädtischer Stelle. Was den Spar-Vorteil brächte, nur einmal umziehen zu müssen und zur Zeit ausgelagerte Dienststellen unter ein Dach zurückholen zu können. Die Finanzierung wäre durch ein Privatinvestoren-Modell wie beim Wirtschaftsministerium zu stemmen.

Pragmatisch gedacht? Das Kumi-Gebäude steht unter Denkmalschutz. Ein „Skandal“ bei Abriss wäre kaum vermeidbar. Selbst wenn das „schmale Handtuch“ ob seiner ästhetischen Kargheit nicht auf eine starke Bürgerlobby hoffen kann. Und ob sich das Saarland als Haushaltsnotlage-Bundesland durch das Schleifen seiner Denkmäler bundesweit als vorbildlicher Spar-Rambo profilieren könnte, scheint wenig wahrscheinlich. Viel eher lassen sich weitere unvorteilhafte Dellen im Kultur- und Aufsteiger-Land-Image vorher sagen.



Abbruch ausgeschlossen?

„Es gibt noch keinen Beschluss der Landesregierung“, betont Körner, schließt aber im Prinzip bereits den Abbruch aus. Was wiederum bedeutet, dass 30 Millionen Euro fällig werden. Danach, so Körner, könne man auch einen Mieter finden, der nicht zwingend Bildungsministerium heißt. Körner: „Es könnte eine andere öffentliche Nutzung folgen, sei es durch die Landesregierung oder eine andere Institution.“ Mehr gibt er nicht preis.

Derweil hat sich der Flurfunk intensiviert. Nicht, weil Alarmstimmung herrschte ob des Sicherheits-Risikos. Die Mehrheit, so Informationen aus Belegschaftskreisen, vertraue auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Problematik. Der neue „grüne“ Hausherr mache wohl endlich Dampf. Viele Mitarbeiter spekulierten allerdings, ob sie demnächst in verlassenen Räumen von C&A, Sinn, Telekom oder Siemens landen könnten. Es gebe, so hört man, keineswegs eine einheitliche „Antihaltung“ zum vermeintlich ungeliebten Pingusson-Bau. Freilich frotzelten einige, „dass das Ding am Besten über Nacht zusammenbrechen würde“. Die Regierung wäre eine Last los – und das Land ein kostbares Kulturgut.

Hintergrund

Das Kumi ist ein Architekturdenkmal der französischen Besatzungszeit: Das Gebäude wurde zwischen 1951 und 1954 als Französische Botschaft gebaut, es liegt heute zwischen Hohenzollernstraße und Stadtautobahn. 1960 zog das Kultusministerium ein. Die Anlage liegt in einem Park und gliedert sich in ein achtgeschossiges Verwaltungstrakt (Hochhaus) und einen niedrigeren Repräsentationsteil mit Glasfront und Wohnräumen. Architekt war Georges Henri Pingusson (1894-1978), ein Vertreter des „Mouvement Moderne“. Die Botschaft wurde als einziges Bauwerk aus Pingussons „funktionaler“ Stadtplanung realisiert, was seinen hohen Dokumentations-Wert begründet.
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