A8 Saarlouis Richtung Luxemburg Zwischen AS Dillingen-Mitte und AS Rehlingen linker Fahrstreifen gesperrt, Unfall (12:55)

A8

Priorität: Normal

16°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken
16°C
Saarbrücken
weather-Saarbrücken

Ministerium will zurück zu alten Auto-Kennzeichen

Im nüchternen Amtsdeutsch besteht das Nummernschild eines Wagens aus dem „Unterscheidungszeichen“ für den Zulassungsort und einer „Erkennungsnummer“. Doch vielen Autobesitzern bedeutet die Buchstaben- Ziffern-Kombination an den Stoßstangen weit mehr als das. Manche verewigen dort ihre Initialen, gern plus Geburtsjahr.

Andere taufen die Karosse, wie es die Kürzel nahelegen, PI-A oder BA-RT. Gerade Lokalpatrioten am Steuer können nun auf mehr Vielfalt hoffen. Mit einer Neuregelung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Ländern und Kommunen stärker freie Hand lassen, wenn es um Kennzeichen geht. Dies zielt im Kern darauf, Altkennzeichen wiederzubeleben, die vielfach bei der Zusammenlegung von Kreisen verschwunden waren. Aus diversen Teilen der Republik melden sich Orte mit der Sehnsucht nach einem Comeback der vertrauten Kürzel, wie das Ministerium in Berlin registrierte. Auf Bitten der Länder-Minister soll nun eine Rechtsgrundlage kommen. So will Eckernförde in Schleswig- Holstein das alte Kennzeichen ECK zurück. „Wir sehen das als ein Instrument des Stadtmarketings, das die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt stärken kann“, sagt Bürgermeister Jörg Sibbel. Bisher ist allein RD wie Kreis Rendsburg- Eckernförde zu haben. In Baden-Württemberg wollen zwölf Kommunen beim Nummernschild zurück in die Zukunft.

In Nordrhein-Westfalen könnten GLA für Gladbeck (bisher: RE für Kreis Recklinghausen) oder WAN für Wanne-Eickel (bisher HER für Stadt Herne) auf die Schilder kommen. „Es entspricht dem Wunsch vieler Autofahrer, dass sie ihre Heimatverbundenheit auch auf dem Kennzeichen zum Ausdruck bringen“, sagt Markus Schäpe, Sprecher des Autofahrerclubs ADAC. Eine völlige Freigabe sieht aber auch die Verordnung nicht vor, die das Bundesverkehrs- und das Innenministerium dem Bundesrat vorgelegt haben. Wenn es den Wunsch nach einem alten Kennzeichen gibt, muss das entsprechende Land dies beim Bundesverkehrsministerium beantragen.

Wie viele Autofahrer die neue Wahlmöglichkeit nutzen können, weil ihr Kreis dies beantragt, muss sich zeigen. „Niemand wird gezwungen“, erläutert eine Sprecherin Ramsauers. Wer aus Verbundenheit für die altgewohnte Buchstabenkombination das neue Kürzel eines Großkreises abschrauben will, muss dafür bei der Zulassungsstelle die üblichen Gebühren zahlen: Im Schnitt zweimal zehn Euro für die Nummernschilder vorn und hinten sowie für den Antrag etwa 26 Euro Gebühren, wie die Bundesregierung erwartet. Bei der Verwaltung dürften zudem Kosten etwa für Softwareumstellungen von vier Millionen Euro zu Buche schlagen.

Nicht geplant ist, dass in den neuen Ländern auch Kennzeichen aus DDR-Zeiten reanimiert werden. Kürzel, die „gegen die guten Sitten verstoßen“, schließt das Ministerium aus. Schon jetzt tabu sind ohnehin Kürzel aus der Zeit des Nationalsozialismus wie SA und SS. Offen ist auch, inwiefern ganz neue Buchstabenkombinationen kommen, etwa in Städten. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) sagte, der Fantasie seien keine Grenzen gesetzt. „Aber ob es NIP für Köln-Nippes oder ROX für Münster-Roxel in Zukunft geben wird, soll vor Ort entschieden werden.“

Überhaupt stößt die Aussicht auf mehr Freiheit nicht überall auf Begeisterung. Statt die regionale Identität zu stärken, führe die „auf Bestreben einiger weniger Bundesländer geplante Änderung des Kennzeichenrechts absehbar zu einem Kennzeichenwirrwarr“, warnt der Präsident des Landkreistags, Hans Jörg Duppré. Positiv könnten dagegen die Auswirkungen in einem anderen Punkt sein, wie Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) mit einem Augenzwinkern sagt: „Das Autokennzeichen-Raten wird schwerer.“

Saarländischer Städte- und Gemeindetag befürwortet Pläne für Kfz-Kennzeichen

Saarbrücken. Der saarländische Städte- und Gemeindetag (SSGT) unterstützt die Wiedereinführung alter Kennzeichen, die bei Gebietsreformen verschwunden sind. Sie seien identitätsstiftend und ein Zeichen von Bürgernähe, sagte SSGT-Präsident Hans- Heinrich Rödle. „Wir begrüßen deshalb die Möglichkeit, frei zu wählen“, sagte er. Rödle ist zugleich Bürgermeister der Stadt Ottweiler, wo der Wunsch besonders groß ist, wieder OTW anstatt NK für den Landkreis Neunkirchen auf dem Auto zu haben.

Eine Befragung durch ein Team der Hochschule Heilbronn ergab im Mai, dass 79,3 Prozent das alte Kennzeichen zurück wollen. „Die Menschen in Ottweiler waren sehr traurig, dass ihr Kennzeichen verloren ging“, sagt Rödle. Die Stadt Saarbrücken ist den Plänen, innerhalb eines Verwaltungsbezirks verschiedene Orts- Kennzeichen auszugeben, grundsätzlich nicht abgeneigt – wenn den Kommunen dadurch keine Kosten entstünden. Auf die Zulassungsstellen käme ein organisatorischer Mehraufwand zu, sagte Pressesprecher Thomas Blug. Das EDV-System müsste komplett umgestellt werden. „Wenn die Kosten dafür erstattet werden, können wir uns das vorstellen.“

Vor dem Hintergrund klammer kommunaler Kassen sei das eine zwingende Voraussetzung. „Dann stellt sich jedoch auch die Frage: Warum sollte man die Wahl des Kennzeichens nicht komplett liberalisieren, sodass alle Kombinationen möglich wären?“, sagt Blug weiter. „Der Aufwand wäre der gleiche.“ mast

Hat dir dieser Artikel gefallen?
Ja Nein