L125 Neunkirchen Richtung Saarbrücken-Johannisbrücke Kreuzung Neunkirchen-Sinnerthal Vollsperrung, Bauarbeiten bis 01.05.2018, eine Umleitung ist eingerichtet Die Sperrung erfolgt aufgrund von Sanierungsarbeiten am Brückenbauwerk und der Fahrbahn im Bereich "Plättches Dohle" (18.04.2017, 10:58)

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Mit Hämmerle in eine neue Kochshow-Ära?

Gummistiefel könnten bald zur Profiausrüstung eines Sternekochs gehören, vielleicht wird auch der Begriff „Feld-, Wald- und Wiesenkoch“ bald zum Ehrentitel umdefiniert. Denn der Saarländische Rundfunk (SR) geht mit einer Kochsendung ungewohnte Wege. Er schickt Cliff Hämmerle , den Blieskasteler Sternekoch des „ Barrique “, in die Wiese hinter das eigene Haus, in eine Freiluft-Küche.

Die ist ein gemütliches Rund aus Weinfässern und Holzkisten, sympathisch ausgestattet mit natürlichem Dekor: Hagebutten, Äpfeln, Rosmarin. Diese spartanisch-rustikale Kulisse ist transportabel und wird oft auch woanders aufgebaut: im Kulturpark Bliesbrück-Reinheim, im Warndt (Nassweiler Birkenhof) oder in Kleinblittersdorf (Landgut Bernardi).

„Daheim und draußen“ lautet die Leitlinie von SR-Unterhaltungschefin Andrea Etspüler, die gestern Medienvertretern in „Hämmerles Restaurant“ das Konzept vorstellte. Schmackhaft, bekömmlich, alltagstauglich sollen die Rezepte bei „Mit Herz am Herd. Kochen mit Cliff Hämmerle “ sein und dem gewidmet, „was echt ist und ohne Schminke“, so Etspüler. Die SR-Sendung spiegelt also den langjährigen Megatrend der Gastroszene zur Regionalität und Bodenständigkeit. Eine neue Ära, wie vom SR behauptet? Eher wohl Anknüpfen an Bewährtes. Nach über acht Jahren Pause, in denen der „Heimatsender“ unter Kopfschütteln nicht nur der hiesigen Köcheschaft zunächst die Hamburgerin Cornelia Poletto und dann den Rheinland-Pfälzer Harald Rüssel (zusammen mit Manuel Andrack ) fremdkochen ließ, darf nun endlich wieder ein Saarländer die Saar-Gastroszene repräsentieren.

Der Blieskasteler Cliff Hämmerle (45), der sich 2012 mit seinem „ Barrique “ einen Stern erkochte, wird auf dem traditionellen Samstagabend-Platz um 18.15 Uhr vier Kochschüler mit regionalen Produkten und saarländischen Rezeptklassikern vertraut machen. Klingt nicht revolutionär, für Frische sorgt freilich die Freiluft-Atmosphäre. Und wohl auch das unverkrampfte Miteinander der fünf Protagonisten. Zwei junge SR-Journalistinnen – Sabine Wachs und Simin Sadeghi – sorgen für Fragen-Input, der Fotograf Max Weil für ungewöhnliche Nahaufnahmen und Michel Koch, ein älterer Freund Hämmerles, scheint für Foppereien und Frechheiten zuständig. „Wer nichts kann, von dem kann man nichts lernen“, lautet einer seiner Sprüche. Dass er in der Sendung konsequent Dialekt spricht, ist ein gewöhnungsbedürftiges Novum fürs Saarland, für andere Regionalsender Standard. Zumindest kann's heiter werden mit diesem saarländischen Original. Soll es auch. Denn „Kochshows sind Unterhaltungssendungen“, das ist Etspüler wichtig. Sie möchte die Zuschauer durch die Naturnähe „in eine andere Stimmung versetzen“. 20 000 Zuschauer möchte sie wieder erreichen.

Fast 20 Jahre schon ist der SR am Kochshow-Markt, ging 1998 mit Bernhard Bettler (Villa Fayence, Wallerfangen) an den Start, es folgten unter anderem Frank Seimetz (heute: Genussfabrik) und Lea Linster (Luxemburg). Doch warum überhaupt noch Kochsendungen entwickeln, wenn von „Alfredissimo“ bis zu den „Topfjägern“ täglich rund 16 ihre Endlos-Schleifen drehen? „Weil es eine für die Sender erschwingliche, preisgünstige Form für Unterhaltungsfernsehen ist“, gibt Etspüler zu.

Ihr war für die Neuausrichtung ein „dynamischer Koch“ wichtig, ein Symbol für die Zukunftsfähigkeit des Genres. Zweifelsohne ist Hämmerle eine Idealbesetzung: sportlich-agil, unkompliziert, temperamentvoll, kommunikativ. Warum macht er mit? Kaum aus geschäftlichen Gründen, seine Restaurants „Landgenuss“ und „ Barrique “ sind an Wochenenden über Monate ausgebucht. Die Gage, über deren Höhe der SR keine Angaben macht, dürfte ihn ebenfalls nur peripher motiviert haben. „Hier läuft jetzt alles rund“, sagt Hämmerle der SZ. „Ich bin offen und neugierig, mich hat die Herausforderung gereizt“, der nächste Karriereschritt eben. Doch nun stehe er „im Wind“. Hämmerle meint damit nicht den rund um den Freiluftherd, sondern die öffentliche Kritik. Der Test läuft ab 6. Februar.
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