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Mit Vodoo-Zauber zur Prostitution gezwungen

Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Saarbrücken/Saarlouis
. Voodoo ist Religion, Kult, Ritual und Medizin, es gehört in weiten Teilen Afrikas zum Alltag – „und tut den Menschen meistens gut“, so Kriminalbeamter und Einsatzleiter Lothar Braun gestern bei der Einsatzbesprechung zur „Traumreise“-Razzia, in deren Verlauf Wohnungen sowie ein Bordell in Saarbrücken und Saarlouis durchsucht und Haftbefehle vollstreckt wurden. Der Erste Polizeihauptkommissar und Leiter des Kommissariates 5 (Menschenhandel) schilderte in gleichem Atemzug aber auch das Gefährliche an Voodoo:
Scharlatane nutzten es nicht zum Heilen, sondern betrieben so genannte Schadensmagie, um Menschen gefügig zu machen. Voodoozauber ist nach Erkenntnissen der Polizei neben Drohung, Erpressung und körperlicher Gewalt ein beliebtes Mittel von Zuhältern, Frauen zu Prostitution und Verschwiegenheit gegenüber Ermittlungsbehörden zu zwingen.

Im Saarland sollen, wie monatelange aufwendige Ermittlungen im Milieu ergaben, mehrere junge Nigerianerinnen auf derlei Weise in psychische Zwangslage gebracht und ausgebeutet worden sein. Wie Braun schilderte, unterscheide sich der nigeranische Menschenhandel wesentlich von dem in Osteuropa praktizierten. Während die dort rekrutierten Opfer in Deutschland Aufenthaltsrecht und eine gewisse Freizügigkeit genössen, hielten sich die Afrikanerinnen illegal in Europa auf und unterlägen „Druck von allen Seiten“. Die Frauen seien meist schon als Kind allein gelassen und sexuell ausgebeutet worden.

Von den Landsleuten drohe Gewalt, vom Staat Kontrolle und Abschiebung. Da oft Schulden von mehreren 10.000 Euro für die vermeintliche „Traumreise“ nach Deutschland abzuzahlen seien, sähen sich die Frauen zur Prostitution genötigt. Manche arbeiteten zwölf und mehr Stunden am Tag. Eine Besonderheit der nigerianischen Menschenhändler: Die Zuhälter sind meist Frauen, so genannte „Madams“, die von der Rekrutierung der Opfer über Passbeschaffung, der Verbringung ins Zielland und der Beaufsichtigung im Bordell alles in der Hand haben, und zwar in einem weit geknüpften Beziehungsnetz.

Bei der gestrigen Kontrolle wurde in Saarlouis der Haftbefehl gegen ein nigerianisches Ehepaar, 45 und 35 Jahre alt, wegen Verdachts der Zuhälterei vollstreckt. In Saarbrücken wurden eine 21-jährige Afrikanerin sowie eine 61-jährige deutsche Bordellbetreiberin festgenommen. In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz (Koblenz) und Berlin wurden weitere vier Personen festgenommen, gegen die Haftbefehle vorlagen. Alle Personen wurden Haftrichtern vorgeführt und fast alle in Haftanstalten gebracht. Die Ermittlungen wurden von Saarbrücken geleitet. Im Saarland waren etwa 35 Polizeibeamte im Einsatz, insgesamt waren es 85.

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